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Radarstatistik 2018

„Obszöne Gesten" – Baden-Badener Bürgermeister Roland Kaiser berichtet über gute Zahlen und rätselt über ein Phänomen

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Roland Kaiser

Baden-Baden, 12.03.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch «Wir haben am wenigsten Unfälle mit Personenschäden − immer umgerechnet pro 100.000 Einwohner» aller Stadtkreise in Baden-Württemberg, erläuterte Roland Kaiser im goodnews4-VIDEO-Interview die Grundlagen der Statistik. Anlässlich der Vorstellung der Radarstatistik der Stadt Baden-Baden für das Jahr 2018 hatte der auch für den Verkehr zuständige Baden-Badener Bürgermeister aber auch Gründe zur Klage. Der Einsatz des Enforcement-Trailers, eine Art Radargeheimwaffe der Verkehrsüberwachung, führte zu einer höheren Zahl von festgestellten Geschwindigkeitsdelikten.

Die Ergebnisse der Statistik geben auch Rätzel auf, berichtet Bürgermeister Kaiser: «Wir haben seit neuestem ein Phänomen, das ist nicht beschränkt auf den Rotlichtverstoß, sondern auch auf unseren ambulanten Messstationen, dass obszöne Gesten ins Bild gehalten werden. Sprich, da muss jemand in voller Absicht in den Blitzer reinfahren, anders ist das gar nicht machbar.»

Wie viele Finger dokumentiert wurden, gab Roland Kaiser nicht bekannt, dafür aber die Zahl von 26.380 Geschwindigkeitsüberschreitungen, die allein durch mobile Messeinrichtungen nachgewiesen werden konnten, zu denen auch der in Baden-Baden inzwischen allgegenwärtige Enforcement-Trailer gehört, den eigentlich schon jeder aufmerksame Autofahrer erkennen müsste. Bei den stationären Messergebnissen waren Ebertplatz und Verfassungsplatz mit 6.353 Überschreitungen gut dabei. Den unrühmlichen Award für den Geschwindigkeitsrekord des Jahres durfte mit 147 Stundenkilometer ein Autofahrer auf der Europastraße verbuchen. Doch auch das andere Ende des langen Baden-Badener Tals konnte mit einem Rekord aufwarten. Mit sage und schreibe 124 Stundenkilometer brauste aber nicht ein Auto, sondern ein wohl gut motorisiertes Zweirad durch das idyllische Geroldsau. 1.048 Geschwindigkeitsrabauken wurden dort an der stationäre Messeinrichtung registriert, davon allein 341 Motorradfahrer, die im Motorradsport-Modus auf dieser in halb Europa beliebten Geroldsauer Rennfahrerpiste unterwegs waren.

Jahresbericht Geschwindigkeitsüberwachung

Im goodnews4-VIDEO-Interview berichtet Roland Kaiser auch von einer großen Zahl von Autofahrern und auch Motorradfahrern, denen die Unterscheidung der roten von der grünen Farbe offenbar schwer fällt.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Roland Kaiser, Bürgermeister Baden-Baden:

goodnews4: Herr Bürgermeister, Roland Kaiser, ohne eine bestimmte Ordnung kann eine Gemeinschaft nicht halbwegs friedlich zusammenleben. Im Straßenverkehr ist fehlende Disziplin dabei besonders folgenreich. Alkohol und Geschwindigkeit sind die häufigsten Gründe für schwere Unfälle. Was sagt Ihnen denn die Sünder-Statistik aus Baden-Baden für das Jahr 2018? Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie gewonnen haben in Sachen Geschwindigkeit und Radar?

Roland Kaiser: Also für uns eine ganz zentrale und im Vordergrund wichtige Erkenntnis, dass, wie auch schon in den letzten Jahren, der Stadtkreis Baden-Baden im Vergleich mit den anderen Stadtkreisen in Baden-Württemberg bei den Verkehrsunfällen mit Personenschäden der am niedrigsten belastete Stadtkreis ist. Also umgekehrt, verkürzt gesagt, wir haben am wenigsten Unfälle mit Personenschäden − immer umgerechnet pro 100.000 Einwohner und so weiter. Und da sind wir natürlich auch stolz drauf und dafür denke ich, dass auch unsere Verkehrsüberwachung einen Beitrag dazu leistet. Sicher nicht den alleinigen, aber einen Beitrag. Ansonsten haben wir jetzt eben im Jahr 2018 mit unserem neuen Enforcement-Trailer die Möglichkeit gehabt, bei weitem die Überwachungszeiten auszudehnen, das heißt wir konnten jetzt insbesondere auch mehrtägig am Stück überwachen − nachts, am Wochenende und so weiter − wo uns vorher für die ambulante Überwachung das Personal gefehlt hat. Und von daher ist es jetzt auch nicht überraschend, dass wir eine Zunahme bei der Erfassung von Verkehrsverstößen haben. Das war ja, sage ich jetzt mal, auch der politische Wille mit der Anschaffung des Enforcement-Trailers, dass wir da in bestimmten Teilbereichen einfach auch Schwerpunkte setzen können und längerfristig überwachen.

goodnews4: Das heißt es gab mehrere Überwachungstermine, aber wie steht es denn mit der Disziplin der Autofahrer und Motorradfahrer in Baden-Baden? Gibt es da eine positive Entwicklung oder eine negative Entwicklung?

Roland Kaiser: Also ich würde sagen, wie oftmals im Leben, haben wir unterschiedliche Entwicklungen. Wir können festhalten, dass an den Messstellen, wo wir unsere stationären Überwachungen haben, wir prinzipiell einen Rückgang haben an Verkehrsgeschwindigkeitsüberschreitungen. Also ich sage mal eine Disziplinierung, eine größere Aufmerksamkeit, wie wir das auch immer jetzt beschreiben wollen, sprich, da haben wir einen Rückgang. Ein bisschen überraschend für uns ist, dass allerdings an den stationären Überwachungen der Verkehrslichtsignale, sprich der Ampeln, wir keinen Rückgang haben. Also die Überschreitungen beim Rotlicht sind kontinuierlich hoch, obwohl wir prinzipiell, was die Geschwindigkeit angeht, an diesen stationären Stellen einen deutlichen Rückgang an Überschreitungen haben. Also auch selbst in diesen Bereichen haben wir dann ein Auseinanderdriften − das Überfahren von Rotlichtampeln kontinuierlich gleich hoch, die Geschwindigkeit hat sich verbessert. Bei den ambulanten Messungen haben wir große Unterschiede, insbesondere an Messstellen, wo wir jetzt intensiver den Verkehr überwachen, eben auch zum Teil einen starken Zuwachs von unseren Messergebnissen. Wir gehen davon aus, nicht unbedingt eine Veränderung im Verkehrsverhalten, aber wir erwischen jetzt mehr. Auf das kommt es letztendlich an.

goodnews4: Bei dem Rotlichtverstoß, gibt es da ab und zu noch eine besondere Grußbotschaft für die Kollegen, die das Bildmaterial auswerten?

Roland Kaiser: Wir haben jetzt ein Phänomen seit neuestem, das ist aber nicht beschränkt auf den Rotlichtverstoß, sondern auch auf unseren ambulanten Messstationen, dass obszöne Gesten ins Bild gehalten werden. Sprich, da muss jemand in voller Absicht in den Blitzer reinfahren, anders ist das gar nicht machbar. Auch dieses werden wir dann zusätzlich verfolgen, unabhängig von der Geschwindigkeitsüberschreitung.

goodnews4: In welchen Stadteilen und Straßen wird denn besonders häufig gerast oder die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht eingehalten?

Roland Kaiser: Also wir haben jetzt, wenn es um die Häufigkeit der Beanstandungen geht, eine Auffälligkeit in der Ooser Bahnhofstraße. Dort haben wir ja auch mehrere Messstellen − am Zebrastreifen, an Schulwegen, Übergängen − also daher dort auch intensiver gemessen, aber auch in sehr großer Auffälligkeit. Wir haben in der Karlsruher Straße und insbesondere auch in der Rheinstraße hohe Messergebnisse, Balger Straße − also überall dort, wo auch Schulwege sind. Und dann Europastraße, hier an der Bundesstraße haben wir, vor allem auch was die Geschwindigkeit angeht, sehr auffällige, hohe Ergebnisse. Also um das Beispiel zu nehmen, hier an der Europastraße Höchstgeschwindigkeitstempo 60, Spitzenwert 142 und noch jede Menge mit über 120, die eben insbesondere nachts tatsächlich rasen. Also da sind wir dann schon auch überrascht gewesen, dass es in der hohen Anzahl dann in der Dimension auftritt.

goodnews4: In einer Gemeinderatssitzung letztes Jahr kam mal auch die Langestraße als Raser-Hotspot auf im Bereich des Hotel Roomers. Sie sagten auch, Sie wurden schon Ohrenzeuge. Wurden denn da schon Messungen durchgeführt oder ist das etwas, das für das Jahr 2019 noch dem Plan steht?

Roland Kaiser: Auch dort in der Lange Straße, Leopoldstraße haben wir mehrmals Messungen durchgeführt. Dort aber, entgegen unserer Erwartungen, hatten wir eher eine geringe Zahl von Überschreitungen. Wir überprüfen jetzt nochmals die Messpunkte, vielleicht war es auch zu auffällig gestellt. Also auch dort an der Stelle werden wir auch 2019 im Blick haben und weitere Messungen vornehmen.

goodnews4: Was weiß man denn über die Raser selbst? Sind das immer die jungen Partylöwen, die durch die Stadt rasen? Sind das Baden-Badener? Sind das Auswärtige? Sind es Gäste?

Roland Kaiser: Also wir erfassen momentan dieses noch nicht. Wir erfassen in der Statistik die Kennzeichen, aber wir haben jetzt keine Auswertungen, was das Alter angeht. Ich kann Ihnen nicht mal sagen, wie der Anteil zugelassener Fahrzeuge außerhalb Baden-Badens zu zugelassenen Fahrzeugen in Baden-Baden ist. Das ist auch eine Sache, die wir für nächstes Jahr, in den nächsten Jahren angehen können − auch gemeinsam mit der Polizei, weil wir ja dann auch auf die Personengruppe vielleicht ganz anders einwirken können, wenn wir da klare Ergebnisse haben.

goodnews4: Wie sieht es denn mit den Einnahmen aus? Sind die Raser ein Geschäft für die Stadt Baden-Baden?

Roland Kaiser: Ein Geschäftsmodell würde ich jetzt nicht sagen, aber die Einnahmen sind selbstverständlich gestiegen mit der Zunahme der erfassten Überschreitungen. Und von daher haben wir ja für 2018 und für das laufende Jahr 2019 einen höheren Haushaltsansatz gehabt und der wird sich auch erfüllen. (à Es ist zugesagt, dass die Zahlen nachgeliefert werden)

goodnews4: Den Star unter den Blitzern sehen wir hier hinter Ihnen. Das ist der sogenannte Enforcement-Trailer. Ist er auch eine Erfolgsgeschichte?

Roland Kaiser: Also aus meiner Sicht hat er alle Erwartungen erfüllt und uns ging es ja genau hier, wie ich eingangs gesagt hatte, um die Möglichkeit dann auch längere Zeit und insbesondere nachts verstärkt zu kontrollieren. Und da sind wir sehr zufrieden mit dem Einsatz. Und was jetzt die technische Frage angeht, es gab keine Pannen oder ähnliches, das Gerät arbeitet sehr zuverlässig.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview, Herr Bürgermeister. Danke, Roland Kaiser.

Roland Kaiser: Danke.

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