Weitere Protestaktion zum Reinsurance Meeting
Aktivisten besetzen Kongresshaus-Vordach in Baden-Baden – Lautstarker Empfang für Rückversicherer heute Morgen

Baden-Baden, 19.10.2026, 09:25 Uhr, Bericht: Redaktion Nach der aufsehenerregenden Plakataktion führen weiterhin die Klimaaktivisten die Regie in Baden-Baden. Auch in der Berichterstattung haben die Aktivesten die Nase vorn.
Heute Morgen beschreiben sie ihre Attacke auf das Kongresshaus: «In den frühen Morgenstunden verschafften sich mehrere Menschen Zugang zum Vordach des Kongresshauses. Dort hängten sie Banner mit den Aufschriften ‚Stop Reinsuring Fossil Fuels‘ und ‚Stop Insuring LNG‘ auf.»
Auf dem Vordach, flankiert von fünf Polizeibeamten, erklärte ein Aktivist den eintreffenden Teilnehmern des Reinsurance Meetings, weshalb die Rückversicherungen sich so schädlich auf die Klimasituation in der Welt auswirken. Die Schlange der Rückversicherer reichte weit am Media-Control-Haus vorbei auf den Augustaplatz. Warum das Kongresshaus nicht so abgesichert war, dass eine «Besteigung» des Vordachs ausgeschlossen war, ist unklar. Regie, wie schon bei den Sicherheitslücken am Weihnachtsmarkt, führt Nora Waggershauser, auch Geschäftsführerin der Kongresshaus Baden-Baden Betriebsgesellschaft. Schon die Plakataktion in der Nacht auf Sonntag bis in den späten Vormittag war absehbar, da solche Aktionen schon an vielen anderen Standorten stattfanden.

Die Aktivisten besetzten das Vordach des Baden-Badener Kongresshauses.
Die Mitteilung von Extinction Rebellion vom 19. Oktober 2026, 08.11 Uhr, im Wortlaut:
Rückversicherer = Klimasünder? Swiss Re, Munich Re und Co. im Visier von Aktivist*innen
Gestern kritisierten Teilnehmer*innen einer Kundgebung vor dem Kongresshaus die klimaschädlichen Geschäftspraktiken von Rückversicherungsunternehmen, heute stand das Reinsurance Meeting erneut im Visier von Klimaaktivist*innen. Mit Bannern am Kongresszentrum und einem Flashmob vor dem Eingang lautete die Botschaft: «Stoppt die (Rück-)Versicherung von Flüssigerdgas».
In den frühen Morgenstunden verschafften sich mehrere Menschen Zugang zum Vordach des Kongresshauses. Dort hängten sie Banner mit den Aufschriften «Stop Reinsuring Fossil Fuels» und «Stop Insuring LNG» auf. Sie kritisieren damit, dass Rückversicherer wie Swiss Re trotz bekannter schädlicher Auswirkungen von LNG auf Menschen, Umwelt und Klima weiterhin massiv Flüssigerdgasprojekte und andere fossile Energien versichern.
«Es wird viel zu selten über den Hebel der Versicherungsbranche in der Klimakrise gesprochen», findet Johanna Inkermann von Extinction Rebellion. «Sie versichern aktuell die Ursachen der Klimakrise, nicht unsere Zukunft. Besonders katastrophal ist, dass in weiten Teilen der Branche Gas und LNG, ein fossiler Brennstoff, der klimaschädlicher ist als Kohle (1), noch immer als 'Brückentechnologie' angesehen wird.» Weiterhin betont sie: «Das ist aber auch eine Chance: Wenn Swiss Re und Co ihre Richtlinien zu Öl und Gas verschärfen, wird das enorm positive Auswirkungen auf das Klima und die Energiewende haben.»
Begleitend zu den Kletteraktivist*innen auf dem Vordach performten weitere Aktivist*innen einen Flashmob vor dem Kongresshaus, Die Teilnehmer*innen verwiesen dabei auf die tödlichen Hitzewellen dieses Jahres, die deutlicher denn je gezeigt haben, dass die Klimakrise kein Zukunftszenario ist, sondern schon jetzt unmittelbar Menschenleben kostet - auch in Deutschland, auch in Baden-Baden.
«Ziviler Ungehorsam ist für uns kein Selbstzweck. Es bleibt uns schlichtweg keine andere Wahl: Die Klimakrise braucht uns jetzt alle - aber eben nicht nur im Privaten, mit kleinen Schritten, die ein einzelner Mensch tun kann. Viel dringender brauchen wir Veränderung auf systemischer Ebene. Und dazu gehört insbesondere, dass Unternehmen in die Verantwortung gezogen werden. Deshalb sind wir dort, wo die Rückversicherer zusammenkommen. Und wir werden auch in andere Städte wie Hamburg kommen, die aktuell im Gespräch sind als Orte, an denen die Branche ihre Geschäfte fortsetzen könnte», kündigt Saskia Weber, eine der Aktivist*innen vor dem Kongresszentrum, an.
Die größten globalen Rückversicherer sind Swiss Re, Munich Re, Hannover Re und SCOR (2). Aktivist*innen aus aller Welt werfen diesen Unternehmen seit Jahren zu lockere Regelungen bezüglich der Versicherung von fossilen Energieträgern vor. Im Sommer beisielsweise protestierten Aktivist*innen in London und in Zürich ebenfalls gegen die Tätigkeiten von Versicherungsunternehmen im Bereich LNG (3, 4). Besonders kritisch sehen die Aktivist*innen neben den Auswirkungen, die fossile Energien wie Flüssigerdgas auf das Klima haben, außerdem die Zerstörung von Biodiversität in empfindlichen Ökosystemen wie beispielsweise dem Coral Triangle vor Südostasien sowie die Menschenrechtsverletzungen, die laut Presseaussendung häufig mit dem Zubau von beispielsweise LNG-Infrastruktur einhergehen.
«Fossile Energien sind nicht nur schlecht fürs Klima. LNG-Anlagen in Louisiana haben die Leben ganzer Communities zerstört. Steigende Krebsraten, verlorene Lebensgrundlagen und das insbesondere in indigenen oder armutsbetroffenen Gemeinschaften: Das ist die Realität hinter dem Profit von Rückversicherern wie Swiss Re», so Renate Heurich von Extinction Rebellion.
Der Protest wurde zu Beginn durch Polizeieinsatzkräfte unterbunden, findet aber sowohl auf dem Dach als auf dem Vorplatz statt. Ob seitens Kongress Anzeige erstattet wird, ist noch nicht bekannt.
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