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Hilfe für Kinde rund Familien in Baden-Baden

Andere Seite des "good-good life" in Baden-Baden – Sozial gefährdete Kinder und Jugendliche – Fallzahlen in 2018 um 20 Prozent gestiegen

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Nicole Weiler-Kunzmann

Baden-Baden, 15.06.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Einige Antworten darüber, wo soziale Spannungen aufgefangen werden, geben in Baden-Baden Daniel Schneider, Fachgebietsleiter Sozialpädagogische Beratungsdienste, und Nicole Weiler-Kunzmann, Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes. Zu ihren Aufgaben und Hilfen die sie anbietet, sagte Nicole Kunzmann im goodnews4-VIDEO-Interview, dass dazu «ambulante Hilfen von der sozialpädagogischer Familienhilfe über teilstationäre Maßnahmen und voll stationäre Unterbringung und auch Eingliederungshilfe durch Schulbegleitung» gehören.

Im Jahr 2018 waren dies 430 Fälle, bei denen das Baden-Badener Jugendamt Hilfe zur Erziehung gab, die von den sozialen Einrichtungen betreut und finanziert wurden. Ein ganz bedeutender Bereich sei auch der «Kinderschutz, der uns allen sehr am Herzen liegt, wo wir auch recht viel zu tun haben mit steigenden Zahlen», erklärte Nicole Kunzmann zu einem vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung gerade aktuellem Thema im Zusammenhang mit Fällen, bei denen das Kindeswohl durch Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt akut gefährdet ist.

5.000 Menschen leben in Baden-Baden unter der Armutsgrenze. In keinem Stadtkreis ist diese Quote so hoch wie in unserer Stadt mit dem etwas unsensiblen Slogan «the good-good life». Fast ein Tausend Kinder gehören zu dieser Gruppe. Doch nicht nur aus dieser Gesellschaftsgruppe, sondern in sogenannten bürgerlichen oder wohlhabenden Familien wird, zum Beispiel im Scheidungsfall, die Beratung der sozialpädagogischen Familienhilfe in Anspruch genommen. Die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und Kindern von Flüchtlingen in Baden-Baden steht nicht sonderlich im öffentlichen Fokus, ist aber eine große personelle und substantielle Herausforderung. Eine Zahl der betreuten Fälle könne sie konkret nicht nennen, «aber natürlich gibt es weitere große Herausforderungen schon vom Kulturellen, da fängt es an: Wie kommunizieren wir mit diesen Personen? Ganz unterschiedliche Sprachen sprechen diese Personen, wir sind da sehr bemüht, Dolmetscher ins Boot zu bekommen und das ist nicht immer einfach. Es geht natürlich auch darum, dass einige junge, hauptsächlich afrikanische Frauen oft dann auch das zweite oder dritte Kind bekommen, wo wir gucken müssen, wo wir die anderen Kinder in der Zeit, in der die Mutter beispielsweise im Krankenhaus ist, unterbringen», berichtet Nicole Weiler-Kunzmann von einer ihrer Aufgaben.


Die Aufgaben des ASD
(In Klammer die Fallzahlen 2018)
Quelle: Stadt Baden-Baden

• Beratung in allgemeinen Fragen der Erziehung (349)
• Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung, Umgangsrecht und Personensorge (303)
• Beratung von Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen einschließlich Hilfe in Konfliktsituationen (99)
• Vermittlung von geeigneten und qualifizierten Jugendhilfemaßnahmen (Hilfe zur Erziehung nach dem SGB VIII) und Eingliederungshilfe (437)
• Prüfung von Mitteilungen wegen Kindeswohlgefährdung (185)
• Schutz für Kinder und Jugendliche durch Inobhutnahme (50)
• Mitwirkung in Verfahren vor dem Familiengericht (127)

Die Fallzahlen sind 2018 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, insbesondere im Bereich der Beratung, Umgangsrecht, Eingliederungshilfe und der Prüfung von Kindeswohlgefährdung.

Die Aufgaben des ASD werden in der Regel von Fachkräften erfüllt, die erfolgreich ein sozialpädagogisches Studium abgeschlossen haben. Die Fachkräfte der Wirtschaftlichen Jugendhilfe, welche die finanzielle Seite der Jugendhilfemaßnahmen abwickeln, haben eine Verwaltungsausbildung oder einen Bachelor-Abschluss im Bereich Verwaltung.

Baden-Baden ist in 10 Bezirke aufgeteilt, jeder Bezirkssozialarbeiter ist für seinen Bezirk umfassend verantwortlich. Die Qualität wird sichergestellt durch Teamberatung, Fortbildung und Supervision.

Bestimmte Aufgaben sind Spezialdiensten zugeordnet, den Besonderen Sozialen Diensten. Als Spezialdienste gibt es eine Kinderschutzfachkraft, den Pflegekinderdienst, die Jugendgerichtshilfe sowie die Schulsozialarbeit. Dem Fachgebiet zugeordnet sind außerdem die Psychologische Beratungsstelle und die Frühen Hilfen.


Abschrift des goodnews4-VDIEO-Interviews mit Nicole Weiler-Kunzmann, Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) und stellvertretende Fachgebietsleiterin:

goodnews4:Wie viele Kinder und Jugendliche werden derzeit von Ihnen, dem Allgemeinen Sozialen Dienst – früher Jugendamt – betreut?

Nicole Weiler-Kunzmann: Ich kann Ihnen so viel dazu sagen, dass wir im Jahr 2018 430 laufende Hilfe zur Erziehung hatten. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass es so viele Kinder waren, sondern in einer Familie gibt es ein bis drei oder sogar auch mehr Kinder, das heißt es können auch mehr Kinder betroffen sein. Diese Hilfen beinhalten ambulante Hilfen von sozialpädagogischer Familienhilfe über teilstationäre Maßnahmen und voll stationäre Unterbringung, allerdings auch Eingliederungshilfe durch Schulbegleitung.

goodnews4:Was sind denn die wichtigsten oder typischen Fälle, die Sie betreuen?

Nicole Weiler-Kunzmann: Oh, ob man das überhaupt so sagen kann, ist sehr schwierig. Wir haben sehr viele unterschiedliche Fälle, wir haben ja auch große Bereiche abzudecken – angefangen von Trennungs- und Scheidungsberatung über die allgemeine Erziehungsberatung, wo sich Eltern Unterstützung holen. Aber auch Kinder und Jugendliche, junge Heranwachsende können gerne zu uns kommen. Wir beraten dann auch, wenn es Konflikte gibt. Das ist ein Bereich. Den anderen Bereich hatte ich vorher schon genannt, da geht es um Hilfestellung für Eltern und Kinder, das ist eine Angebotspalette des Jugendamtes, die wir anbieten können zur Unterstützung der Eltern und Kinder. Der andere Bereich ist natürlich der Bereich Kinderschutz, der uns allen sehr am Herzen liegt, wo wir auch recht viel zu tun haben mit steigenden Zahlen.

goodnews4:Kindeswohlgefährdung ist ja auch das Stichwort, mit dem das Jugendamt in der öffentlichen Wahrnehmung am meisten steht. Was sind das für Fälle und worauf führen Sie die steigenden Zahlen zurück?

Nicole Weiler-Kunzmann: Also die steigenden Zahlen kommen mit Sicherheit durch die höhere Sensibilisierung des Umfeldes, wo wir Eingänge haben, sowohl vom Umfeld, allerdings auch von Verwandtenkreis, Bekanntenkreis, aber auch Institutionen, die sich bei uns melden oder Kinder direkt haben wir durchaus auch, die sich dann beispielsweise über die Schule oder Freizeiteinrichtungen an uns wenden. Dadurch sind die Zahlen natürlich auch steigend, weil man sensibler in der Öffentlichkeit damit umgeht, was uns auch sehr recht ist. Diese Zahl der Kindeswohlüberprüfungen bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch Kindeswohlgefährdungen dahinterstecken, aber wir gehen da mit größter Sorgfalt vor, auch immer das Vier-Augen-Prinzip und nach hohen Standards, sodass die Überprüfung sorgfältig erfolgt und es kann auch mal das Resultat sein, dass keine Kindeswohlgefährdung vorliegt.

goodnews4:Rund 5.000 Menschen in Baden-Baden leben von Sozialleistungen, also fast jeder zehnte Einwohner, davon fast 1.100 Kinder. Wissen Sie, wie viele dieser Kinder Sie betreuen?

Nicole Weiler-Kunzmann: Das kann ich so konkret nicht sagen. Ich spreche ja jetzt nur für den Allgemeinen Sozialen Dienst, das Jugendamt hat ja auch weitere Fachgebiete, die sich zum Beispiel auch um Teilhabe und so weiter kümmern für die Gesellschaft. Wir haben natürlich aus dem Bereich schon Unterstützungsformen, insbesondere in Form der sozialpädagogischen Familienhilfe.

goodnews4:Sie sehen jeden Tag Ihre Aufgaben, was könnten die Politik und wir alle tun, um die Lage für die Kinder und Jugendlichen zu verbessern?

Nicole Weiler-Kunzmann: Ich denke, die Netzwerkarbeit ist eine ganz große und wichtige Sache, dass man hier auch Vertrauen aufbaut zwischen den einzelnen Institutionen und da auch übergreifend arbeiten kann.

goodnews4: Wie viele Kinder von Flüchtlingen betreuen Sie und was sind da die großen Herausforderungen?

Nicole Weiler-Kunzmann: Eine Zahl kann ich Ihnen jetzt nicht konkret nennen, aber natürlich gibt es weitere große Herausforderungen schon vom Kulturellen, da fängt es an: Wie kommunizieren wir mit diesen Personen? Ganz unterschiedliche Sprachen sprechen diese Personen, wir sind da sehr bemüht, Dolmetscher ins Boot zu bekommen und das ist nicht immer einfach. Es geht natürlich auch darum, dass einige junge, hauptsächlich afrikanische Frauen dann oft das zweite oder dritte Kind bekommen, wo wir gucken müssen, wo wir die anderen Kinder in der Zeit, in der die Mutter beispielsweise im Krankenhaus ist, unterbringen, natürlich für einige Tage, wo aber auch generell ein Thema ist, wo da die Grenze ist, die Unterbringungsmöglichkeiten sind da auch andere.

goodnews4:Betreuen Sie auch die sogenannten unbegleiteten Minderjährigen?

Nicole Weiler-Kunzmann: Ja, für die unbegleiteten Minderjährigen sind bei uns zwei Kolleginnen zuständig, die sich in die Thematik sehr gut eingearbeitet haben und von Anfang an auch, als das 2016/2017 sehr aktuell war, in der Sache arbeiten. Diese werden jetzt zunehmend natürlich volljährig, sodass die weitere Thematik darin besteht, wie wir sie nach der Jugendhilfemaßnahme, in der sie betreut sind, dann auch weiterhin fördern und auch wohnlich unterbringen – was im Übrigen auch für die anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen gilt.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Nicole Weiler-Kunzmann.

Nicole Weiler-Kunzmann: Ich danke auch recht herzlich.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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