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Kontrollmaßnahmen in der Kritik

Angeblich radioaktive Belastung von Wildschweinen in Baden-Baden – Staatsanwaltschaft bestätigt Eingang einer Anzeige

Angeblich radioaktive Belastung von Wildschweinen in Baden-Baden – Staatsanwaltschaft bestätigt Eingang einer Anzeige
Bei der Kontrolle von angeblich radioaktiv belasteten Wildschweinen soll in Baden-Baden nicht alles mit rechten Dingen gelaufen sein. Foto: goodnews4-Archiv

Baden-Baden, 22.05.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Sollten sich die in einer Anzeige und einer Dienstaufsichtsbeschwerde geäußerten Vorwürfe bestätigen, droht Baden-Baden möglicherweise eine weitere Affäre. Bei der Kontrolle von angeblich radioaktiv belasteten Wildschweinen soll in Baden-Baden nicht alles mit rechten Dingen gelaufen sein. In einer Strafanzeige werden den verantwortlichen Behörden Versäumnisse vorgeworfen.

Michael Klose, Sprecher der Staatsanwaltschaft Baden-Baden, bestätigte gegenüber goodnews4.de, dass eine Anzeige eingegangen sei, was wie bei jeder Strafanzeige zu einem Ermittlungsverfahren führe.

Im Augenblick stehe eine Behauptung im Raum, aber es würden noch keine weiteren Erkenntnisse vorliegen. Es gehe um Paragraf 59 Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch, LFGB. Weitere Angaben könne er dazu nicht machen, erklärte Michael Klose.

Nach goodnews4.de vorliegenden Erklärungen sollen in den Gemeinden nördlich und östlich von Baden-Baden die Werte bei getesteten Wildschweinen seit Jahren häufig über dem Maximalwert 600 Becquerel, Bq, liegen. In vielen Gemeinden müssten daher alle Wildschweine kontrolliert werden. Dies betreffe vor allem die Gemeinden von Gernsbach, Forbach, Freudenstadt bis Bühlertal. In den westlichen Bereichen sollen deutlich niedrigere Werte festgestellt werden. In Baden-Baden wurde nur ein Prozent der erlegten Sauen überprüft, in den angrenzenden Gemeinden jedoch bis zu 100 Prozent. «Baden-Baden» als Herkunftsort sei nicht ausreichend, heißt es weiter seitens der Kritiker des derzeitigen Verfahrens, denn bei 14.000 Hektar Fläche könnten zwei Proben diese Fläche nicht repräsentieren, zumal Gebiete beispielsweise um den Scherrhof oder Schwanenwasen ganz andere Wahrscheinlichkeiten für eine radioaktive Belastung erwarten ließen als etwa Sandweier oder das Rebland.

Schon im Jahr 2017 reagierte das Baden-Badener Rathaus auf eine Dienstaufsichtsbeschwerde, in der dem Forstamt vorgeworfen worden war, zweifelhaftes Wildschweinfleisch verkauft zu haben und solches Fleisch auch in die Geroldsauer Mühle gelangt sei. Das Rathaus wies die Vorwürfe zurück. Auf Anfrage von goodnews4.de war der Geroldsauer Mühle von einer solchen Dienstaufsichtsbeschwerde nichts bekannt. Gegenüber goodnews4.de erklärte der Gastronom Peter Schreck, dass «bei allen Wildprodukten die Dokumentation der Untersuchung und der Lieferkette vorhanden» sei.

Die Stadtverwaltung Baden-Baden nahm zu den Fragen von goodnews4.de schriftlich Stellung.

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich 26. April 1986 in Reaktor 4 des Kernkraftwerks in der heutigen Ukraine nahe der 1970 gegründeten ukrainischen Stadt Prypja. Und was längst fast vergessen ist, zeigt bis heute Wirkung, denn die Halbwertzeit zum Abbau der Radioaktivität liegt bei Tausenden von Jahren. Die behördlichen Auflagen zur Kontrolle von Wildtieren sind deshalb hoch. Antworten zu Fragen an die Gemeinden Forbach und Gernsbach veröffentlicht goodnews4.de voraussichtlich in der Ausgabe von morgen.

Die schriftliche Antwort der Stadtverwaltung Baden-Baden auf die Fragen von goodnews4.de:

goodnews4: Nach goodnews4-Informationen soll der Stadtverwaltung Baden-Baden seit April 2017 eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Leiter des Forstamtes und die Leiterin des Veterinäramtes vorliegen. Können Sie dies bestätigen?

Stadtverwaltung: Die Dienstaufsichtsbeschwerde wurde im April 2017 eingelegt. Es erfolgte eine eingehende Überprüfung der Sach- und Rechtslage unter besonderer Berücksichtigung der unten aufgeführten Themen und Fragenkomplexe. Die Dienstaufsichtsbeschwerde wurde im Mai 2017 von Oberbürgermeisterin Mergen abschließend beschieden. Die erhobenen Vorwürfe wurden in allen Punkten zurückgewiesen.

goodnews4: Dabei soll es um den Vorwurf der «Inverkehrbringung von hormonverseuchtem Wildschweinfleisch aus den Saufängen in Baden-Baden, das für den menschlichen Verzehr ungenießbar ist» und «unzureichende Kontrollen auf radioaktive Belastungen bei Wildschweinfleisch» gehen. Gibt es auf diese Vorwürfe eine Stellungnahme der Stadtverwaltung?

Stadtverwaltung: Der Saufang war ein Pilotprojekt des Landes Baden-Württemberg im Stadtwald Baden-Baden. Die umfassenden Vorgaben des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MlR) wurden eingehalten. Eine reguläre amtliche Fleischuntersuchung der 3 im Saufang erlegten Wildschweine wurde durchgeführt. Die amtlichen Untersuchungen ergaben keinen Hinweis auf Abweichungen. Zur Überprüfung einer eventuellen Stressbelastung der drei im Saufang erlegten Wildschweine wurde zusätzlich jeweils der pH-Wert gemessen. Der Vergleich mit dem pH Wert von Tieren, die im normalen Jagdbetrieb erlegt wurden, ergab keine Abweichung. Das Fleisch der erlegten Wildschweine war in vollem Umfang genusstauglich. Die Vorwürfe sind daher unbegründet.

goodnews4: Es bestehe der Verdacht, dass im Forstamt Baden-Baden sowie in der Geroldsauer Mühle das Fleisch, das über dem Grenzwert von 600Bq/kg gelegen haben soll, in erheblichem Umfang in den Verkehr gebracht worden sei. Gibt es dazu eine Stellungnahme der Stadtverwaltung?

Stadtverwaltung: Ein Grenzwert von über 600 Bq / kg Fleisch wurde bei keinen der über die Jahre gezogenen Proben erreicht. In den Veröffentlichungen der CVUA /Jahresvergleich der Cäsium 137 Werte in Wildschweinfleisch im Stadtkreis Baden-Baden, wird für das Jagdjahr 2007/2008 einmal der Höchstwert von 1860 Bq/kg angegeben. Über diesen Wert liegt beim Veterinäramt wie auch beim Forstamt kein Beleg vor. Auf Nachfrage bei der CVUA wurde mitgeteilt, dass es sich um einen Zuordnungsfehler der CVUA handele, bei dem Wohnort des Jägers und Erlegungsort des Wildschweines verwechselt wurden. Der Wert stammt also nicht von einem in Baden-Baden erlegten Wildschwein. Nähere Angaben zum Überwachungsprogramm werden unter Punkt 4 aufgeführt. Der oben genannte Verdacht ist unbegründet.

goodnews4: In Baden-Baden würden jedes Jahr ca. 250-300 Sauen erlegt. Bei 2-3 Proben pro Jahr sollen teils weniger als 1% der Sauen kontrolliert worden sein. Ist das richtig?

Stadtverwaltung: In Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl im Jahre 1986 wurde vom Land Baden-Württemberg ein gebietsspezifisches Monitoringprogramm angeordnet. Dieses Monitoringprogramm wird mittels Rahmenerlass vom MLR gesteuert. Die Überwachungsgebiete sowie die zu erbringende Stichprobenzahl werden vom jeweils zuständigen Regierungspräsidium festgelegt (unabhängig von den Erlegungszahlen in den jeweiligen Gebieten). Der Probenumfang für Baden-Baden ist auf 0,5 Proben pro Monat festgelegt, der Stadtkreis muss also 6 Proben pro Jahr erbringen. Diese Proben werden über die Reviere verteilt gezogen, so dass eine repräsentative Verteilung gegeben ist. Untersuchende Stelle ist das Chemische Veterinär-Untersuchungsamt (CVUA) in Freiburg. Anhand der uns vorliegenden Werte wurde seit Beginn des Monitoringprogramms der Grenzwert von 600 Bq/kg Fleisch in keinem Fall erreicht. In den Jahren 2012 bis 2015 wurden weniger Proben erbracht. Die Defizite in der Probenerhebung wurden dem RP Karlsruhe gemeldet, es kam zu keiner Umverteilung/Erhöhung der Proben. Auf freiwilliger Basis wurde in zwei Jagdjahren die Probenzahl erhöht: 2016 / 2017 / 10 Proben, 2017 / 2018 / 32 Proben. Auch bei diesen insgesamt 42 Proben in 2 Jahren wurde der Grenzwert von 600 Bq/kg Fleisch nie erreicht.

goodnews4: Die Öffentlichkeit habe gemäß der EU VO ein Anrecht auf Aufklärung und Offenlegung, heißt es in der Dienstaufsichtsbeschwerde. Gab eine Information der Öffentlichkeit über Messergebnisse?

Stadtverwaltung: Die Veröffentlichung der Messergebnisse (Radioaktivität) erfolgt über die Homepage des Chemischen und Veterinär- Untersuchungsamtes (CVUA) in Freiburg. Das CVUA Freiburg ist datensammelnde und veröffentlichende Stelle. Die Informationen sind der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich.


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