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Trisomie-Bluttest als Kassenleistung

Aufrüttelnder Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel – Baden-Badener Behindertenbeauftragte Beate Wirth zur Debatte über Trisomie-Bluttest – "Ich selbst habe einen Sohn mit Down-Syndrom, der unser aller Sonnenschein ist"

Aufrüttelnder Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel – Baden-Badener Behindertenbeauftragte Beate Wirth zur Debatte über Trisomie-Bluttest – "Ich selbst habe einen Sohn mit Down-Syndrom, der unser aller Sonnenschein ist"
Der Bundestag debattierte über die Kostenübernahme der Trisomie-Bluttests. Die Entscheidung trifft der Gemeinsame Bundesausschuss.

Baden-Baden, 14.05.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch In einem aufrüttelnden Brief mahnt die Baden-Badener Behindertenbeauftragte Beate Wirth die deutsche Bundeskanzlerin und Christdemokratin Angela Merkel zum Nachdenken und Mitfühlen. «Ich selbst habe einen Sohn mit einem Down-Syndrom, der für uns alle auch dank seiner gewinnenden und sehr lieben Art unser aller Sonnenschein ist.»

Die Baden-Badenerin greift damit mit einer ganz persönlichen Erfahrung in die Debatte um die Frage ein, «ob der vorgeburtliche Trisomie-Blutest von den Krankenkassen finanziell übernommen werden soll».

Und Beate Wirth konfrontiert die Bundeskanzlerin mit einer weiteren Frage an die Gefühle, die Menschlichkeit und an die Situation als Menschen mit einem Down-Syndrom auf der Zuhörer-Tribüne des Deutschen Bundestags saßen und die Debatte um dieses Themas mit verfolgten: «Wie muss sich ein Mensch mit Down-Syndrom gefühlt haben, wenn er hören musste, dass Menschen mit einem Down-Syndrom nicht mehr von unserer Gesellschaft gewünscht werden!»

Beate Wirth konfrontiert die Bundeskanzlerin mit den möglichen Folgen einer Grenzüberschreitung, auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte: «Wenn wir, d.h. unsere Gesellschaft, diesen Bluttest über die Krankenkassen finanzieren, in die wir ja alle einzahlen, ist dies sicherlich für die Anbieter des Gentests ein gutes Geschäft. Wir bringen damit aber auch zum Ausdruck, dass ein Kind, das einen solchen Gendefekt in sich trägt, nicht erwünscht ist und die Gesellschaft auf ein solches Leben nicht nur keinen Wert legt, sondern es von vorne herein nicht akzeptiert. Heute sind es Tests auf Trisomie, morgen sind es Tests auf blonde Haare oder andere Genmerkmale. Wenn sie nicht erwünscht sind, werden sie eben schon vor der Geburt quasi eliminiert! Da drängt sich schnell der Begriff vom ‘Unwerten Leben’ auf! Ist das vereinbar mit menschlicher Würde, mit Inklusion und Teilhabe?»

Das Schreiben von Beate Wirth an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wortlaut:

Vorgeburtlicher Trisomie-Bluttest

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

mit großem Interesse habe ich die Debatte um die Frage verfolgt, ob der vorgeburtliche Trisomie–Blutest von den Krankenkassen finanziell übernommen werden soll.

Dazu möchte ich Folgendes anmerken:

Es ist gewiss legitim, dass Eltern sich die Geburt eines gesunden, eines «normalen» Kindes wünschen. Von ärztlicher Seite wird eine werdende Mutter sicher auch sehr gut beraten und versorgt.

Was die bloße, nicht medizinisch angezeigte Notwendigkeit der Vorherbestimmung eines Gendefektes jedoch betrifft, liegen hier die Schwerpunkte doch völlig anders. Gendefekte gibt es sicher immer und hat es immer gegeben. Denn Gendefekte sind keine Krankheit sondern eine Anomalie. Auch Menschen mit solchen Gendefekten, wie z.B. ein Kind mit einem Down-Syndrom gehören selbstverständlich in vollem Umfang in unsere Gesellschaft. Ich selbst habe einen Sohn mit einem Down-Syndrom, der für uns alle auch dank seiner gewinnenden und sehr lieben Art unser aller Sonnenschein ist. Nicht auszudenken wäre es, wenn er durch einen Eingriff von Menschen nicht zur Welt hätte kommen dürfen.

Wenn wir, d.h. unsere Gesellschaft, diesen Bluttest über die Krankenkassen finanzieren, in die wir ja alle einzahlen, ist dies sicherlich für die Anbieter des Gentests ein gutes Geschäft. Wir bringen damit aber auch zum Ausdruck, dass ein Kind, das einen solchen Gendefekt in sich trägt, nicht erwünscht ist und die Gesellschaft auf ein solches Leben nicht nur keinen Wert legt, sondern es von vorne herein nicht akzeptiert. Heute sind es Tests auf Trisomie, morgen sind es Tests auf blonde Haare oder andere Genmerkmale. Wenn sie nicht erwünscht sind, werden sie eben schon vor der Geburt quasi eliminiert! Da drängt sich schnell der Begriff vom «Unwerten Leben» auf! Ist das vereinbar mit menschlicher Würde, mit Inklusion und Teilhabe?

Und noch eines:
Wie ich hörte, saßen während der Debatte im Bundestag über dieses Thema auch Bürger mit Down-Syndrom auf der Zuschauerbühne, und ich denke, dass sie durchaus den Inhalt und die Tragweite der Debatte verstanden haben. Wie muss sich ein Mensch mit Down-Syndrom gefühlt haben, wenn er hören musste, dass Menschen mit einem Down-Syndrom nicht mehr von unserer Gesellschaft gewünscht werden!

Die Schöpfung, zu der jede Entstehung menschlichen Lebens gehört, liegt immer in Gottes Hand, und dem Menschen steht es nicht an, Schöpfer spielen zu wollen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, ich bitte Sie sehr herzlich und dringend auch im Namen vieler anderer Bürger, diese Gedanken weiterzugeben und bei der anstehenden Entscheidung im Bundestag zu bedenken.

Mit recht freundlichen Grüßen

Beate Wirth


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