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„Es handelt sich hierbei nicht um vier Villen, sondern es sind vier Bauklötze“

Folge 17 aus dem Buch „Die Bussi-Bussi-Gesellschaft im Baden-Badener Rathaus“ von Christian Frietsch – Seite 99-108 aus dem Kapitel Goldgräberstimmung in Baden-Badener Halbhöhenlage – Luxus-Wohnbauprojekt Vincentius

Folge 17 aus dem Buch „Die Bussi-Bussi-Gesellschaft im Baden-Badener Rathaus“ von Christian Frietsch – Seite 99-108 aus dem Kapitel Goldgräberstimmung in Baden-Badener Halbhöhenlage – Luxus-Wohnbauprojekt Vincentius

Baden-Baden, 22.05.2020, Redaktion Zweimal wöchentlich veröffentlicht goodnews4.de eine Serie aus dem Buch «Die Bussi-Bussi-Gesellschaft im Baden-Badener Rathaus». Ein Angebot für die vielen Stunden zu Hause während der Corona-Krise. Das Buch ist 2019 erschienen und wurde sechs Wochen lang in der Kategorie Public Affairs auf Platz 1 als Bestseller in Amazon geführt.

Das Buch beschäftigt sich mit kriminellen Machenschaften bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Durch Recherchen und Berichterstattungen von goodnews4.de wurde der sogenannte Leo-Skandal aufgedeckt, der zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und schließlich zu einer Verurteilung eines Bauunternehmers führte, dessen Sohn als Prokurist arbeitete und gleichzeitig Mitglied des Baden-Badener Gemeinderates und des Bauausschusses war. Ihm konnte bisher kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Im Zuge der Berichterstattungen kam es auch zu einem Prozess, wo es vom Landgericht Baden-Baden, den ein Stadtrat der Freien Wähler verlor, obwohl 15 Stadträte von der CDU, SPD, den Grünen und den Freien Wählern eine eidesstaatliche Erklärung für ihn abgaben. Ausnahmslos stellten sich alle diese eidesstaatlichen Erklärungen vor Gericht als fehlerhaft raus.



Planung für Vincentiusgelände

Vincentius-Gelände mit neuem Eigentümer − Luxuswohnungen sollen realisiert werden − Christian Mussler: "Wir erarbeiten Detailplanungen" minus; Unklarheit über 129.520 Euro

Bild Vincentius-Luxus-Wohnungsbauprojekt

Für die Stadt Baden-Baden sollte das Vincentius-Bauprojekt in bester Lage viel Geld bringen. Foto: goodnews4-Archiv

Baden-Baden, 17.09.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Für die Stadt Baden-Baden sollte das Vincentius-Bauprojekt in bester Baden-Badener Lage viel Geld bringen. Was geblieben ist, sind für die Stadt einige Hunderttausend Euro verlorener Steuergelder und die Kontrolle über das Grundstück durch einen ehemaligen CDU-Stadtrat. Gemeinsam mit der Baufirma IDEAL Wohnbau wollte die Stadtverwaltung Luxuswohnungen bauen und den Gewinn mit dem Bauunternehmer teilen. Gesellschafter des Bauunternehmens war der damalige CDU-Stadtrat Christian Mussler.

Das für die Stadt waghalsige Projekt um Millionengewinne im Luxus-Segment wurde vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim untersagt. Nutznießer ist nun der Bauunternehmer, dem die Anteile der Stadt an einer gemeinsamen Firma zugeflossen sind.

Nach dem SWR-Gelände dürfte nun ein weites großes Areal der Innenstadt die Spekulationen im Luxus-Segment weiter anheizen. Nicht nur CDU, sondern auch SPD, FDP, Grüne und FW verpassten die Chance, im angespannten Wohnungsmarkt eine Idee für bezahlbaren Wohnraum für seine Bürger zu entwickeln.

Christian Mussler bestätigte auf goodnews4-Anfrage, dass das Bauprojekt nun in eine Realisationsphase gehen soll: «Wir erarbeiten derzeit auf Grund des bestandskräftigen Bebauungsplans zwischen Stephanien- und Vincentiusstraße sowie den erteilten Baugenehmigungen Detailplanungen, sowie ein Vermarktungskonzept.»

Nach goodnews4-Recherchen gehört das von der katholischen Kirche verkaufte Gelände nun einem neuen Eigentümer. Bitter ist wohl, dass die guten Beziehungen zwischen Stadtverwaltung und Kirche überhaupt zu dem Verkauf geführt hatten und die Gestaltungsmöglichkeit der Stadt durch eine missglückte Spekulationsabsicht verloren ging. Erworben wurde das ursprünglich 5,6 Millionen Euro teure Grundstück von der MBK Immobilien GmbH. Aus einer Registereintragung vom 5. Mai 2017 geht hervor, dass der Standort der Gesellschaft von Wuppertal nach Falkenstein, Ermsland, verlegt worden sei. Die Firma habe lediglich einen Manager und einen Gesellschafter. Zum Firmenzweck heißt es «Vermittlung von Finanzierungen, insbesondere von Fördermitteln sowie Vermittlung von Immobilien». Als Firmenkapital sind 25.000 Euro ausgewiesen. Aktuell firmiert das Unternehmen MBK Immobilien GmbH & Co. KG vormals Ideal Baden-Baden OHG, vormals GSE & Ideal Baden-Baden OHG, vormals GSE+ Ideal Seniorenwohnen OHG. Bei der GSE handelt es sich um die städtische Wohnungsbaugesellschaft. Als Kommaditist fungiert Christian Mussler mit einem kleinen Anteil von 6.000 Euro und die IDEAL Wohnbaugesellschaft mbH & Co. mit einem Anteil von 94.000 Euro. Zum Firmenzweck heißt es: «Errichtung von Gebäuden, die ganze oder teilweise Aufteilung nach dem WEG sowie die Vermarktung der entstehenden Einheiten, und zwar insbesondere auf Grundstücken in der Stephanienstraße in Baden-Baden (Vincenti Park).»

Das Kapitel Vincentius dürfte rechtlich aber noch nicht abgeschlossen sein. Zum einen könnten finanzielle Zusagen von Christian Mussler und seiner Firma noch einzulösen sein. Von insgesamt 334.637,50 Euro Gerichtskosten hatte IDEAL Wohnbau, die Firma des ehemaligen Stadtrats, der Stadt die Übernahme von 129.520 Euro zugesagt, wie in einer Vorlage für eine nichtöffentliche Gemeinderatssitzung im Jahr 2015 mitgeteilt wurde, die goodnews4.de vorliegt. goodnews4.de berichtete. Ob der Betrag denn schon bezahlt worden sei, beantwortete die Stadtverwaltung Baden-Baden auf goodnews4-Anfrage ausweichend: «Rechtlich verbindliche Zusagen zur Beteiligung an Gerichtskosten bestanden nicht.» Auch in seiner Antwort auf die goodnews4-Anfrage gab Christian Mussler dazu keine verbindliche Antwort: «Alle Verträge, die mit der Stadt Baden-Baden bzw. der GSE abgeschlossen wurden, sind bzw. werden erfüllt.»

Auch mit Einsprüchen gegen das für Baden-Baden und seine Steuerzahler verunglückte Bauprojekt wird weiter zu rechnen sein. Welche möglichen Investoren hinter dem Luxuswohnprojekt stehen, ist nicht bekannt.



Kommentar

Widerstand gegen Vincentius-«Sonnengarten» − "Bauklötze, die nicht zum Annaberg passen" − Christian Mussler: "Immer negative Berichterstattungen betreffend Ideal Wohnbau"

Bild Vincentius-Luxus-Wohnungsbauprojekt

Vier «Villen» sind auf dem Vincentius-Gelände geplant. Visualisierung: K+P Architekten und Stadtplaner GmbH

Baden-Baden, 15.11.2018, 00:00 Uhr, Kommentar: Christian Frietsch «Es handelt sich hierbei nicht um vier Villen, sondern es sind vier Bauklötze», erklärte Alexander Antonow, Eigentümer des an das Vincentius-Gelände angrenzenden Scheibenschlösschens, im goodnews4-O-TON -Interview. Ob die Vermietung oder der Verkauf jemals so vor sich gehe, «wie Herr Mussler sich das denkt, ist zweifelhaft», glaubt Alexander Antonow nicht an den Erfolg des Luxus-Wohnbauprojektes, mit dem im gleichen Zeitkorridor mit den Luxuswohnungen auf dem SWR-Gelände über 400 Wohnungen im Luxus-Segment auf den kleinen Baden-Badener Markt kommen. Eine Entwicklung, an der Stadtverwaltung und Gemeinderat einen hohen Anteil haben.

Überlegungen für bezahlbaren Wohnraum auf dem von der städtischen Gesellschaft GSE miterworbene Gelände des ehemaligen Pflegeheims Vincentiushaus war für die Verantwortlichen zur Zeit von Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner keine Option, obwohl die Wohnungsnot der sogenannten Normalbürger nicht geringer war als heute.

«Wie aus einer gestern versendeten Pressemitteilung hervorgeht, soll das Areal zwischen Scheiben- und Stephanienstraße unter dem Titel ‘Jardin du Soleil’ (Sonnengarten) vermarktet werden», meldete gestern das Badische Tagblatt. Gegenüber goodnews4.de erklärte Christian Mussler, Geschäftsführer und Eigentümer der IDEAL Wohnbau GmbH & Co. KG und ehemaliger CDU-Stadtrat, dass «aufgrund der immer negativen Berichterstattungen betreffend der Ideal Wohnbau und meiner Person» goodnews4.de keine Mitteilungen erhält. Damit folgte er einer Maßnahme seines ehemaligen CDU-Fraktionschefs Armin Schöpflin, der 2016 einen inzwischen wieder zurückgezogenen Interview-Boycott gegen goodnews4.de aussprach wegen kritischer Leserbriefe, die zum Teil unter Pseudonym erfolgten.

Im «Sonnengarten» mitten in Baden-Baden wird es wohl lange Schatten geben, denn die sogenannten Villen werden wohl eine Höhe erreichen, die eher nicht an ein Milieu in einem Baden-Badener Villen-Garten erinnert. Nach der Definition des Weltkulturerbes ist die Bezeichnung «Villen» für die geplanten, gewaltigen Gebäude alles andere als zutreffend, sondern wohl eher ein Marketingmanöver.

Das Vincentius-Projekt war in den Schoss des ehemaligen CDU-Stadtrats Christian Mussler und seiner Firma IDEAL Wohnbau gefallen, nachdem das von ihm und IDEAL Wohnbau gemeinsam mit der städtischen Wohbaugesellschaft GSE geplante reine Luxusprojekt vor dem Verwaltungsgericht gescheitert war. Mutmaßlich stehen zugesagte sechsstellige Zahlungen seitens Christian Mussler an die Stadtkasse für einen zugesagten Gerichtskostenanteil immer noch aus. Eine Antwort auf diese Frage wollte das Baden-Badener Rathaus bisher nicht geben. Im Zweifel müssen Baden-Badener Steuerzahler dafür aufkommen.

Gewinner der Luxusprojekte Vincentius und SWR-Tannenhof sind Immobilienspekulanten. Verlierer sind wohnraumsuchende Durchschnittsverdiener und das Stadtbild Baden-Badens. Längst weiß man doch, nur eine soziale Durchmischung macht eine Stadt pulsierend und reizvoll. Im Baden-Badener Rathaus schlägt das Betongold alle großen Schwüre für Gerechtigkeit und den Wert der Ästhetik.


Abschrift des goodnews4-O-TON-Interviews mit Alexander Antonow:

goodnews4: Das Badische Tagblatt berichtete gestern von einer Pressemitteilung, in der stehen soll, dass der Abriss des Vincentiushauses und der Neubau im kommenden Jahr bevorstehe. Geplant seien vier sogenannte Villen mit 35 «exklusiven Apartments» in der Größe zwischen 91 und 332 Quadratmetern. Sie sind unmittelbarer Nachbar des Vincentius-Geländes, was ist Ihnen zu den konkreten Plänen bekannt?

Alexander Antonow: Bekannt ist mir alles von den Plänen, abgesehen von den Details der Inneneinrichtung − das ist ja klar. Es handelt sich hierbei nicht um vier Villen, sondern es sind vier Bauklötze mit einer sehr eigenwilligen, meiner Ansicht nach unwohnlichen Ausrichtung und Bebauung. Ob die Vermietung oder der Verkauf jemals so vor sich geht, wie Herr Mussler sich das denkt, ist zweifelhaft.

goodnews4: Mal abgesehen von Geschmacksfragen über die Außengestaltung oder auch die Innengestaltung der Gebäude, haben Sie Kritik oder Einwände zu dem Projekt?

Alexander Antonow: Ja, Kritik ist ganz einfach: Da ist eine massive Bebauung in Form von vier Bauklötzen hingekommen, die überhaupt nicht in die Landschaft passt und in das Ortsbild, die auch nicht zum Annaberg passt und einfach mutwillig nur wegen des Profits geplant wurde unter der Regie von dem Herrn Ex-Oberbürgermeister Gerstner und dem Ex-Baubürgermeister Hirth. Eine vollkommen unsägliche Angelegenheit, die auch der Stadt Baden-Baden später schaden wird. Das Stadtbild leidet mit Sicherheit darunter.

goodnews4: Sie hatten gegen die Stadt Baden-Baden und den Bebauungsplan erfolglos geklagt. Wie ist die rechtliche Situation im Augenblick?

Alexander Antonow: Also grundsätzlich haben wir geklagt dagegen und der Verwaltungsgerichtshof hat die Klage zurückgewiesen. Meiner Ansicht nach nicht zu Recht, sondern zu Unrecht in vielen Punkten. Selbstverständlich hat die Stadt Baden-Baden die absolute Planungshoheit, wir haben aber nur gegen einzelne Punkte geklagt, wie Denkmalschutz und Klima. Und obwohl wir die besten Gutachten hatten von anerkannten Gutachtern, hat das Gericht das zurückgewiesen, meiner Ansicht nach zu Unrecht, nur damit die Stadt Baden-Baden zu ihrem Bebauungsplan kommt, wie gesagt, unter der Voraussetzung, dass die Stadt Baden-Baden die Planungshoheit hat. Das war die rechtliche Grundlage für die Art der Bebauung mit den vier schrecklichen Bauklötzen. Wir sind momentan jetzt in der Phase des Bauablaufs, den vorzubereiten und da befürchten wir erhebliche Schäden, weil es wird ja nie so sorgfältig gebaut wie es geplant ist. Wir haben Widerspruch gegen die Baugenehmigung erhoben. Die Baugenehmigung sieht überhaupt nicht die ganzen Probleme, sondern überlässt alles dem Nachbarn, das heißt mir, und ich muss jetzt dagegen vorgehen. Momentan ist es so, dass unser Widerspruch auf dem Weg zum Regierungspräsidium in Karlsruhe ist und dort wird entschieden und dann ist die Frage, ob wir klagen oder nicht.

goodnews4: Was sind das für Schäden, die Sie befürchten?

Alexander Antonow: Es gibt Erschütterungen, das ist das Wichtigste, beim Abbruch und Erschütterungen durch die Tiefgaragenherstellung. Dazu gibt es überhaupt keine Unterlagen, Gutachten und Berechnungen für das Ganze, sondern es wurde nur willkürlich geplant und ohne Sinn und Verstand unter der Voraussetzung, dass da ein hoher Profit herauskommt. Die Erschütterungen sind sehr schwierig, da haben wir Angst, dass unser Haus einstürzt, das ist ja ein denkmalgeschütztes Haus, das steht auch im Denkmalbuch, und darauf wird überhaupt keine Rücksicht genommen. Kein Mensch kannte unser Haus, das wurde einfach vom grünen Tisch geplant. Und sehr schwierig ist auch der Verkehr mit einem schweren Muldenkipper, der dann kommt. Der Abbruch des Vincentiushauses ist auch sehr wichtig, da haben wir auch Angst vor den Erschütterungen. Und dann gibt es natürlich noch den Lärm und ganz wichtig ist noch der Staub beim Abbruch, der natürlich dann unser Haus vollkommen eindecken wird. Darauf wird keine Rücksicht genommen nach dem Motto: Wir können ja klagen.

goodnews4: Das Wohnbauprojekt auf dem Vincentius-Gelände hatte ja die Stadt Baden-Baden gemeinsam mit der Firma des ehemaligen CDU-Stadtrats Christian Mussler geplant, waren die Nachbarn damals einbezogen?

Alexander Antonow: Nein, nie, nie. Die Stadt hat hier willkürlich gehandelt, das ging zu wie im Wilden Westen. Außerdem war nicht nur der Herr Mussler, sondern auch der Herr Jung beteiligt, Herr Mussler war mehr im Hintergrund, Herr Jung mehr im Vordergrund und die GSE hat da gearbeitet und das war schon sehr eigenwillig. Es war also nicht nachvollziehbar und der Ex-Oberbürgermeister Gerstner und der Ex-Baubürgermeister Hirth wollten das eben so. Alles nur unter der Voraussetzung, dass da möglichst viel gemacht wird und es entsteht auch der Eindruck, dass Herr Gerstner von vorneherein wusste und Herr Hirth, dass der Prozess gegen die Treubau in Freiburg verloren geht und dass nachher der Herr Jung mit Herrn Mussler einfach diese Bebauung zugeschanzt bekommt. Normalerweise hätte dann die Stadt oder die Kirche Geld dafür bekommen können. Die Stadt hat ohne Grund hier der Ideal Wohnbau die Sache zugeschanzt. Ein unverantwortlicher Vorgang.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das goodnews4-Interview von Nadja Milke mit Alexander Antonow ist zu hören im Programm von goodnews4.de



Vermarktung als »Jardin du Soleil«

Engels & Völkers vermarktet 34 Luxuswohnungen mitten in Baden-Baden − Chance für sozialere Wohnbaupolitik bei Vincentius-Areal vertan

Bild Vincentius-Luxus-Wohnungsbauprojekt

Das Dokument zum Bauantrag vom Oktober 2018 gibt als Eigentümer laut Grundbuch die Vincentiushaus Baden-Baden GmbH an.

Baden-Baden, 29.11.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Mit den Bauunternehmern in seinen Reihen wird die Baden-Badener CDU wohl nicht glücklich. Gegen Mitarbeiter der Baufirma Weiss und der Stadtverwaltung ermittelt seit mehr als einem Jahr die Baden-Badener Staatsanwaltschaft. Oliver Weiss, Prokurist der Firma, sitzt für die CDU weiterhin im Stadtrat. Auch die Verbindung mit IDEAL Wohnbau, einem Unternehmen des ehemaligen CDU-Stadtrats Christian Mussler, endete ohne Fortune.

Nach der Niederlage vor dem Verwaltungsgerichtshof blieb ein finanzielles Desaster für die Stadtkasse. Hunderttausende Euro musste die Stadt allein für die Kosten des Rechtsstreits aufbringen. Einziger Gewinner könnte nun die Firma mit Beteiligung von Christian Mussler werden. Für rund 30 Millionen Euro brachte dieser das Projekt mit 34 Luxuswohnungen gerade auf den Markt. Entsprechende Unterlagen liegen goodnews4.de vor.

Unter dem klangvollen Namen «Jardin du Soleil» werden 34 Luxuswohnungen auf dem Vincentius-Areal, die noch nicht gebaut sind, durch das Immobilienunternehmen Engels & Völkers vermarktet. Die Preise bewegen sich zwischen 480.000 Euro für eine 91-Quadratmeter-Wohnung und 1,3 Millionen Euro für 178 Quadratmeter. Besonders attraktive Wohneinheiten wie Penthäuser sind bereits «reserviert». Das Filetstück dürfte ein 266 Quadratmeter großes Penthouse sein, das wohl kaum unter zweieinhalb Millionen Euro über den Immobilien-Tisch gehen wird.

Ursprünglich wollte die Stadt Baden-Baden mit ihrer Wohnbaugesellschaft GSE unter der Führung des damaligen Oberbürgermeisters Wolfgang Gerstner ein gemeinsames Luxuswohnprojekt mit der Mussler-Firma IDEAL Wohnbau auf den Markt bringen. Eigens dafür agierte eine OHG mit jeweils 50 Prozent Anteilen der städtischen GSE und IDEAL Wohnbau. Trotz Anregungen in dieser Richtung fand sich im Baden-Badener Gemeinderat keine Partei, die wenigstens einen Anteil an Wohnungen für Normalverdiener forderte. Einziges Ziel war eine möglichst hohe Rendite auf dem Grundstück des ehemaligen Pflegeheims Vincentiushaus, das der katholischen Kirche formal offenbar immer noch gehört und das der damalige CDU-Stadtrat Christian Mussler mit seiner Firma nun ganz alleine vermarkten darf, denn der Verwaltungsgerichtshof hatte der Stadt eine Beteiligung an dem Luxuswohnbauprojekt untersagt. Mutmaßlich ist der Kaufpreis oder Teile des Kaufpreises noch nicht bezahlt für das Grundstück in der Baden-Badener Innenstadt. Darauf lässt ein Dokument zum Bauantrag vom Oktober 2018 schließen, das als Eigentümer laut Grundbuch die Vincentiushaus Baden-Baden GmbH angibt. Jedoch gab es bei der Schreibweise der Eigentümerin des Vincentius-Areals schon früher Verwirrung, deren korrekter Name lautet «Vincentiushaus Baden-Baden gGmbH».

Trotz wiederholten Anfragen bei der Stadtverwaltung und bei Christian Mussler ist nicht zu erfahren, ob denn wenigstens der zugesagte Anteil von 129.000 Euro Gerichtskosten von Christian Mussler an die Stadt bezahlt wurde. Was den Bürger und Steuerzahler das für die Stadt gescheiterte Projekt letztlich kostete, ist nicht bekannt, lässt sich aber erahnen. Mit Gerichts-, Anwalts-, Planungs- und Arbeitskosten dürfte die Stadt eine siebenstellige Summe verloren haben.

Die vertane Chance, wenigstens anteilig für einen für Normalverdienern bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, haben sich CDU,SPD, Grüne und Freie Wähler gemeinsam auf ihre Fahne zu schreiben. Einzig die grüne Stadträtin Astrid Sperling-Theis brachte einen solchen Gedanken erfolglos in die Diskussion. Ein potentiell verschandeltes Stadtbild wird als Denkmal bleiben für dieses Projekt, dass auch symbolisch für die Baden-Badener Baupolitik steht. Nach den verpassten Chancen auf dem Vincentius- und dem SWR-Gelände ist eine spürbare soziale Durchmischung der Wohngebiete in der Innenstadt kaum mehr möglich.

Und hier ein Auszug aus dem Werbetext für «Jardin du Soleil»: «Die Wohnungen sind so gestaltet, dass sie der Aussicht besondere Bedeutung beimessen: Von den Balkonen und Terrassen können die Besitzer das besondere Flair von Baden-Baden genießen. Alle Wohnungen sind großzügig geschnitten und werden auf dem neuesten Stand der Technik errichtet. Die Fassade aus Sandstein wird kombiniert mit wertigsten Aluminiumfenstern. Im Inneren erzeigen Naturstein, Parkett und luxuriöse Badelemente ein stilvolles Ambiente. Ausstattungslinien geben den Eigentümern darüber hinaus die Möglichkeit, ihren Traum individuell zu gestalten. Das Besondere der Wohnungen unterstreicht die Einzigartigkeit der Lage: vom Sonnengarten treten die Bewohner in nur zwei Gehminuten hinein in das Zentrum der Innenstadt von Baden-Baden. Solch eine Wohnlage wird es nicht noch einmal geben!»

Bild Werbung für Jardin du Soleil

Auszug aus der Preisliste:

Bild Preisliste

ISBN 9781094779768

PDF Die Bussi-Bussi-Gesellschaft im Baden-Badener Rathaus – Folge 17 – Seite 99-108

Auch wenn Thalia und andere Buchläden geschlossen sind, ist das Buch weiterhin bei Amazon erhältlich.


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