Logo goodnews4Plus

18 Ryanair-Destinationen vom FKB

Green Airlines will von Baden-Baden nach Berlin fliegen – Kahlschlag bei Ryanair – Flughafen Karlsruhe Baden-Baden soll verschont bleiben

goodnews4-LogoAUDIO anhören!
goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Manfred Jung

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
23.07.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden/Rheinmünster Flughafen-Chef Manfred Jung hatte im goodnews4-Audio-Interview gleich zwei gute Nachrichten. Die Nachricht von der Schließung von Ryanair-Standorten soll den Flughafen Baden-Baden Karlsruhe nicht betreffen.

«Wir müssen uns im Moment keine Sorgen machen, seit 1. Juli hat Ryanair bei uns das Programm wieder aufgenommen», gab Manfred Jung Entwarnung, er habe «gerade diese Woche ein Gespräch mit dem Base-Captain und da wurde nichts angedeutet, dass da irgendetwas Negatives im Busch» sei.

Er zählte alle Ryanair-Destinationen auf, die den Flughafen bei Baden-Baden zu einem internationalen Drehkreuz machen, und kam auf eine imposante Liste: «Alicante, Athen, Barcelona, Bari, Cagliari, Edinburgh, Lamezia Terme, London, Malaga, Malta, Palma, Porto, Rom, Sevilla, Sofia, Tel Aviv, Thessaloniki, Trapani, Zadar.»

Und Manfred Jung hatte noch eine gute Nachricht parat: «Wir sind ja in Gesprächen mit Green Airlines.» Auf der Internetseite der Airline mit Sitz in Karlsruhe ist schon das Versprechen über den Ausgang der Gespräche zu lesen, dass «Sie ab dem 31.10.2020 auf der Strecke Karlsruhe-Berlin mit Green Airline fliegen können», heißt es dort an die potentiellen Passagiere gerichtet. green-airlines.com In ihren Formulierungen ist die Green Airline nicht ganz präzise bei der Strecken-Nennung, die Karlsruhe/Baden-Baden heißt. «Da Sie bei Green Airline Ihre Flüge buchen, werden die beim Flug entstandenen Emissionen automatisch zu einem höheren Grad kompensiert», rechtfertigt das Start-up-Unternehmen seinen «grünen» Anspruch. Konkrete Preise für die Flüge von und nach Berlin nennt die neue Airline nicht. Der Preis hänge von der «Buchungsklasse» ab. Man könne auch eine Spende für «Umwelt- und Klimaschutz-Projekte» leisten, gibt sich die Green-Airline umweltbewusst. Ein kleines Fragezeichen setzt Flughafen-Chef Manfred Jung hinter das Projekt: «Kann ich ein solches Projekt im Moment wirtschaftlich stemmen?»


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Manfred Jung, Geschäftsführer Baden-Airpark:

goodnews4: Herr Jung, Ryanair will bis zu 3.000 Stellen Streichen und auch Standorte schließen, betroffen ist wohl zuerst der Flughafen Frankfurt Hahn, weitere sollen folgen. Muss sich denn der FKB Sorgen machen?

Manfred Jung: Also wir müssen uns im Moment keine Sorgen machen, weil seit 1. Juli hat Ryanair bei uns das Programm wieder aufgenommen. Wir hatte gerade diese Woche ein Gespräch mit dem Base-Captain und da wurde nichts angedeutet, dass da irgendetwas Negatives im Busch ist.

goodnews4: Ryanair bietet ja nicht nur Flüge an vom FKB, sondern hat auch eine Basis am FKB.

Manfred Jung: So ist es.

goodnews4: Was bedeutet das konkret?

Manfred Jung: Basis bedeutet, dass hier ein Flugzeug stationiert ist, das morgens ab 6 Uhr fliegen kann und abends bis 12 Uhr reinkommen kann, dass hier Crews sind, also Piloten und Kabinenmitarbeiter, die für die Flüge der Ryanair zuständig sind.

goodnews4: Welche Strecken bietet Ryanair an vom FKB aus?

Manfred Jung: Oh, wenn Sie alle wollen, dann fange ich oben an mit Alicante, Athen, Barcelona, Bari, Cagliari, Edinburgh, Lamezia Terme, London, Malaga, Malta, Palma, Porto, Rom, Sevilla, Sofia, Tel Aviv, Thessaloniki, Trapani, Zadar. 18 Stück im Moment.

goodnews4: Werden auch alle 18 im Moment bedient?

Manfred Jung: Jawoll, die werden alle 18 bedient, sogar die, wo wir persönlich sagen: «Das verstehen wir nicht.» Wie Tel Aviv. Tel Aviv hat aufgrund der Einreisebeschränkungen in Israel im Moment eine Auslastung von 7,7 Prozent. Das heißt, 189 Sitze sind da drauf und es sind keine zehn Leute drin.

goodnews4: Können Sie sich das erklären, warum die Stecke dennoch angeboten wird?

Manfred Jung: Also wir verstehen es nicht, weil normal muss man das einstellen. Das ist auch der Grund, warum unsere Russland-Strecke von Pobeda nach Moskau noch nicht aufgenommen wird. Solange in Russland diese strengen Einreisebeschränkungen sind und in Deutschland für Russen, weil die aus einem Risikogebiet kommen, machen solche Flugverbindungen keinen Sinn.

goodnews4: Wie würde sich denn eine Streckenstreichungen von Ryanair auswirken auf den FKB, auch auf die Arbeitsplätze?

Manfred Jung: Wenn Ryanair die eine oder andere Strecke rausnimmt, ist das für uns, muss man ehrlich sagen, nicht so schlimm, weil in der Regel kommt ja dann auch eine andere Strecke wieder rein. In der Nach-Corona-Zeit ist es eher wichtig, auf den einzelnen Strecken wieder Auslastung zu bekommen, also sie so anzubieten, dass Nachfrage und Angebot in ein wirtschaftliches Verhältnis kommen.

goodnews4: Wie ist denn aktuell die Lage, wie sieht die «neue Normalität» aus am FKB?

Manfred Jung: Die neue Normalität ist, dass sich alle darauf vorberietet haben, Fliegen unter der Randbedingung, dass der Corona-Virus in der Gesellschaft möglich zu machen. Wir haben unser Terminal ausgerüstet mit allen möglichen Hinweisschildern, Spendern, Plexiglasscheiben, die Mitarbeiter mit Masken – alles, was zu tun ist. Im Flugzeug sind die entsprechenden Hygienevorschriften, man muss mit Maske fliegen, die haben verstärkt Desinfektionen im Flugzeug, sodass das alles vorbereitet ist. Trotzdem wird es eine Zeit lang dauern bis wieder alle Passagiere, die wir vor der Corona-Krise hatten, Vertrauen haben, in ein Flugzeug zu steigen.

goodnews4: Haben Sie auch konkrete Passagierzahlen vorliegen?

Manfred Jung: Jawoll, zum Beispiel die Auslastung der Flüge, die wir begonnen haben wieder am 1. Juli, liegt in den ersten 14 Tagen bei knapp 55 Prozent und im Vorjahr lag sie um die Zeit bei knapp 89 Prozent*.

goodnews4: Ab Ende Oktober gilt der Winterflugplan, rechnen Sie damit, dass alle Strecken bedient werden?

Manfred Jung: Ja, das ist das Interesse von Ryanair, die wollen möglichst alle Strecken bedienen, aber mit einer geringeren Frequenz, weil die Nachfrage noch nicht so hoch ist. Die eine oder andere Strecke wird auch erstmal nicht aufgenommen aufgrund der Infektionslage in den Ländern, sodass wir insgesamt denken es wird so ein Flugangebot zwischen 55 und 60 dessen sein, was im letzten Winter angeboten wurde.

goodnews4: Nur von Ryanair oder gilt das generell?

Manfred Jung: Das ist eigentlich generell. Was uns jetzt härter trifft ist, dass die Tui Fly ihr ganzes Winterprogramm abgesagt hat, es also keine Kanaren-Flüge bei uns geben wird. Dafür hat dann Wizz Air mit Larnaka ein neues Ziel aufgenommen. Also im Mittel trifft das alle.

goodnews4: Wird es denn vielleicht auch mal wieder Flüge nach Berlin geben vom FKB aus oder ist das im Moment angesichts der Probleme durch die Corona-Pandemie überhaupt kein Thema, um das Sie sich gerade aktuell kümmern?

Manfred Jung: Es ist ein Thema, wir sind ja in Gesprächen mit Green Airlines. Aber, Sie haben es richtig gesagt, es ist eine schwierige Situation. Kann ich ein solches Projekt im Moment wirtschaftlich stemmen? Wenn ich so ein Angebot mache und eine geringe Nachfrage habe, gerade als «new entry», wie man das so schön sagt als Green Airlines, ist es eine Aufgabe. Wie gesagt, wir sind in Gesprächen, die Region hätte großes Interesse, die Hauptstadt wieder mit dem Flieger anzubinden, weil man dann am Tag hin- und zurückkommen und seine Geschäfte machen kann. Aber unter den jetzigen Randbedingungen ist das wirtschaftlich nicht einfach darzustellen.

goodnews4: Dann hoffen wir das Beste und ich bedanke mich für das Interview, Manfred Jung.

Manfred Jung: Gerne, Frau Milke, tschüss.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

*Absolute Passagierzahlen: 22.000 / 60.000 (2019)

goodnews4-LogoAUDIO anhören!
goodnews4-AUDIO-Interview von Nadja Milke mit Manfred Jung


Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.


goodnews4-Logogoodnews4Baden-Baden Breaking News kostenlos abonnieren!
Jeden Tag sendet goodnews4.de die wichtigste Nachricht als News-E-Mail.
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die wichtigsten Nachrichten-Headlines von goodnews4 kostenlos als Push-Nachricht direkt auf das Smartphone mit der goodnews4App.
goodnews4App im App Store unter itunes.apple.com oder im Play Store unter play.google.com.