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Einkaufen und für Vereine spenden

"Kauft-Lokal"-Modell für Baden-Badener Einzelhandel – Kampagne für stationären Handel – Marc Eisinger: "Wir haben beobachtet, dass Amazon Smile in Baden-Baden mehr als 40 Vereine hat"

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Marc Eisinger

Baden-Baden, 10.05.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Mit großem Idealismus und guten Ideen stemmt sich Marc Eisinger gegen den Niedergang der Einzelhändler und Shoppingangebote des stationären Handels. Auch in Baden-Baden will der Unternehmer aus Achern Händler und Konsumenten für ein Modell gewinnen, das ein Mittel gegen das große Angebot der Internet-Shopping-Portale sein könnte. «Wer seine Heimat liebt kauft lokal!», heißt der Slogan des Hoffnungsträgers der stationären Einzelhändler.

Das Prinzip ist einfach. Bei jedem Einkauf kann der Kunde über eine Spende an einen Verein seiner Wahl entscheiden. Der Betrag richtet sich an der Höhe des Rechnungsbetrages für den getätigten Einkauf aus und wird vom Händler an den Verein weitergegeben. Im goodnews4-VIDEO-Interview äußert Marc Eisinger die Überzeugung, dass Baden-Baden ganz besonders geeignet ist für sein Modell.

«Wenn man nach Hamburg, Köln, München, in andere Großstädte geht, die einfach eine ähnliche Bekanntheit haben, dann findet man wirklich nur noch Filialisten und das ist in Baden-Baden anders. Im Zentrum, man muss sich ja nur umschauen, jedes zweite Geschäft ist inhabergeführt und das ist, glaube ich, etwas Besonderes in Baden-Baden.» Auf ein ähnliches Modell des weltweit größten Online-Händlers Amazon geht Marc Eisinger auch ein: «Also grundsätzlich treten wir nicht gegen Amazon, sondern wir beobachten, dass Amazon und Co., also die Online-Händler, jährliche Wachstumsraten haben von 19, 20 Prozent, während der Einzelhandel momentan so bei ein bis zwei, maximal drei Prozent pro Jahr dümpelt. Wir haben aber beobachtet, dass Amazon Smile in Baden-Baden mehr als 40 Vereine hat, die dort gelistet sind, und diese Vereine sind Teil von Baden-Baden, die leben in Baden-Baden, aber weil sie Geld brauchen, motivieren die ihre Mitglieder im Grunde dazu, im Internet einzukaufen.»

Bald wird sich zeigen, ob die Baden-Badener Einzelhändler sich dem Projekt von Marc Eisinger anschließen und mit Selbstbewusstsein, aber auch der notwendigen Bereitschaft zur Geschlossenheit, gegen die Wettbewerber des Online-Handels antreten. Mehr: kauft-lokal.de


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Marc Eisinger:

goodnews4: Marc Eisinger, Ihr Projekt soll dem stationären Handel helfen, darauf kommen wir gleich zu sprechen. In anderen Städten wie Achern und Offenburg sind Sie schon erfolgreich tätig und arbeiten mit den Einzelhändlern zusammen. Wenn Sie sich in der Baden-Badener Innenstadt so umschauen, fällt Ihnen etwas auf, was hier anders ist als in den anderen Städten der Region?

Marc Eisinger: Grundsätzlich war Baden-Baden schon immer etwas Besonderes. Ich komme ursprünglich aus Karlsruhe und schon damals ist man am Wochenende mal gerne nach Baden-Baden gefahren, die Geschäfte waren teilweise offen – das war immer ganz nett. Das hat sich zu heute etwas verändert. Was ich spannend finde in Baden-Baden, ist die Parkplatz-Situation, also alleine heute Morgen in Baden-Baden einen Parkplatz zu finden, war schon eine kleine Herausforderung. Das ist in anderen Städten oftmals anders, da wird man relativ schnell frei parken können, gut parken können, zentrumnah parken können. Ich glaube, das ist jetzt in Baden-Baden nur durch die Parkhäuser gegeben, die natürlich auch entsprechend Entgelt kosten. Das ist etwas, was man natürlich in Kauf nimmt, wenn man nach Baden-Baden geht. Was mir aufgefallen ist, gerade die inhabergeführten Einzelhändler haben sehr unterschiedliche Öffnungszeiten – da geht man manchmal vielleicht nach Baden-Baden rein, um dann noch zu dem Geschäft zu gehen, der Nachbar hat auf, der andere nicht mehr, wo man hin möchte, hat auch geschlossen. Das ist manchmal ein bisschen schade, da würde ich mir wünschen, wenn da ein bisschen mehr Einheit da wäre und die inhabergeführten Geschäfte auch mehr Präsenz in dem Thema zeigen würden.

goodnews4: Gibt es denn auch etwas Positives? Etwas, das in Baden-Baden besser ist, als in den anderen Städten?

Marc Eisinger: Definitiv ja. Ich glaube tatsächlich, dass Baden-Baden so eine Stadt ist, die auf der einen Seite Weltruf hat und auf der anderen Seite unglaublich viele inhabergeführte Geschäfte tatsächlich noch hat. Wenn man nach Hamburg, Köln, München, in andere Großstädte geht, die einfach eine ähnliche Bekanntheit haben, dann findet man wirklich nur noch Filialisten und das ist in Baden-Baden anders. Im Zentrum, man muss sich ja nur umschauen, jedes zweite Geschäft ist inhabergeführt und das ist, glaube ich, etwas Besonderes in Baden-Baden.

goodnews4: Sie treten ja an gegen Amazon und andere Online-Händler. Was ist das Prinzip, das Sie auch den Baden-Badener Einzelhändlern anbieten wollen?

Marc Eisinger: Also grundsätzlich treten wir nicht gegen Amazon, sondern wir beobachten, dass Amazon und Co., also die Online-Händler, jährliche Wachstumsraten haben von 19, 20 Prozent, während der Einzelhandel momentan so bei ein bis zwei, maximal drei Prozent pro Jahr dümpelt. Und da kann man sich, glaube ich, ohne Mathematiker zu sein ausrechnen, wann es soweit ist, dass der Einzelhandel ausstirbt und die Innenstädte veröden, das wird einfach passieren. Das ist etwas, wo wir gegensteuern wollen, wo wir einfach sagen: Es ist wichtig, in einer Stadt eine eigene Identität zu haben, einen eigenen Charme zu haben und aber auch in der Stadt mit den Menschen auf Augenhöhe zu sein, die letztendlich Arbeitsplätze machen, die ein Stadtbild prägen, und das sind die inhabergeführten Geschäfte. Wir haben beobachtet, ich selber bin durch den Verein dazu gekommen, dass Amazon Smile beispielsweise in Baden-Baden mehr als 40 Vereine hat, die dort gelistet sind, und diese Vereine sind Teil von Baden-Baden, die Leben in Baden-Baden, aber weil sie Geld brauchen, motivieren die ihre Mitglieder im Grunde dazu, im Internet einzukaufen. Also Bequemlichkeit ist nicht immer das Einzige, was die Menschen ins Internet treibt, sondern oftmals auch die emotionale Verbindung zu eigenen Verein, weil man durch jeden Einkauf etwas Gutes tun kann. Und ich möchte dieses Prinzip eben auch in Baden-Baden machen – wie wir es jetzt schon in Karlsruhe machen, wie wir es in Offenburg machen, wie wir es in Achern machen, wo ich herkomme – dass wir einfach diese Menschen motivieren, diesen Vereinen die Möglichkeit geben, ihre Vereinsmitglieder in den stationären Handel zu schicken, dort einzukaufen, dann bleibt das Geld dort, wo es sein muss, nämlich in der Region. Und damit unterstützen wir nicht nur die inhabergeführten Geschäfte, wir unterstützen natürlich uns alle, weil die Gewerbesteuereinnahmen wiederum dazu führen, dass Straßen gebaut werden können und, und, und. Also wir helfen uns im Grunde allen.

goodnews4: Für welche Branche eignet sich denn Ihr System am besten?

Marc Eisinger: Grundsätzlich eignet sich das mal für jede Branche, weil letztendlich geht es ja nur darum: Wo kaufen die Menschen ein? Das ist im Lebensmittelhandel genauso – dort gibt es noch nicht so viel Interneteinkauf, aber es wird immer mehr – auch in klassischen Bereichen Mode, Schuhe. Egal wo letztendlich konsumiert wird, sind die Menschen bereits im Internet unterwegs. Auch die Gastronomie partizipiert davon, dass die Städte voll sind, denn ich gehe ja nicht ins Café rein, nur damit ich im Café sitze, sondern ich mache das ja während ich einen Einkaufsbummel mache. Also auch die Gastronomie, auch wenn die jetzt nicht mit dem Internethandel in irgendeiner Form wirklich in Verbindung stehen, weil einen Kaffee bestelle ich mir halt noch nicht online, aber trotzdem partizipiert man davon, dass die Stadt lebendig ist, dass hier etwas los ist, dann gehe ich mal einen Kaffee trinken, dann verweile ich in der Stadt und davon hat die Gastronomie auch etwas. Also es gibt eigentlich keine Branche, für die es eigentlich nicht interessant ist.

goodnews4: Gibt es denn einen Zeitplan für Baden-Bade, wann ihr Projekt hier starten könnte?

Marc Eisinger: Einen Zeitplan gibt es leider noch keinen. Wir arbeiten in der Regel so, dass wir mit den Gewerbevereinen ins Gespräch gehen, dass wir mit der Wirtschaftsförderung der Stadt ins Gespräch gehen, weil alle haben etwas davon. Wir haben Medienpartner, mit denen wir im Gespräch sind, und so versuchen wir natürlich im ersten Schritt über die Gewerbevereine eine Präsentation auf den Weg zu bringen, dass wir einfach mal zeigen können, was tun wir, was können wir machen, wie sieht unser Konzept aus. Es geht ja nicht nur um dieses Charity Shopping, es geht ja auch darum, dass wir einen lokalen Wirtschaftskreislauf ins Leben rufen wollen, also diese 44 Euro Nettolohn wollen wir ja in der Stadt lassen, also über ein lokales Zahlungsmittel agieren. Diese Dinge müssen wir erstmal auf den Weg bringen und das heißt, erster Schritte wäre mit dem Gewerbeverein eine Präsentation zu machen, im besten Fall mit den Wirtschaftsförderungen dann auch nochmal darüber zu sprechen und dann tatsächlich gehen wir mit den inhabergeführten Geschäften einzeln ins Gespräch, erklären unser Projekt und dann kommen die Einkaufspartner dazu. Bei einer Stadt wie Baden-Baden werden wir so 15 bis 20 Einkaufspartner brauchen, damit man das Projekt starten kann und dann holen wir uns auch die Vereine. Wenn man schaut, in Karlsruhe, Offenburg und Achern haben wir mittlerweile über 30 Vereine bereits, die bei uns dabei sind. Und auch Baden-Badener Vereine sollten sich dem Thema anschließen, damit die Spenden auch da hingebracht werden können. Für die Vereine ist es völlig kostenlos, die melden sich an und sind dann letztendlich diejenigen, die ihre Mitglieder dann in den stationären Handel schicken und sagen: Hey, guck mal, in Baden-Baden haben wir jetzt 20 Geschäfte, die machen mit! Und daraus entsteht dann der nächste Schritt, umso mehr Menschen einkaufen gehen, umso mehr Geschäfte machen auch mit.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Marc Eisinger


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