Landtagswahl am 14. März 2021

Konkurrenz für die Grünen im Landtagswahlkampf – Klimaliste auch in Baden-Baden und Rastatt – Landtagskandidat Günther Beikert über Kretschmann: "Hat nicht den Mut, uns die Wahrheit zu sagen"

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goodnews4-AUDIO-Interview von Reyhan Celik mit Günther Beikert

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
12.11.2020, 00:00 Uhr



Baden-Baden «Er hat nicht den Mut, uns die Wahrheit zu sagen», wirft Günther Beikert im goodnews4-AUDIO-Interview dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vor. Einer der Gründe, weshalb sich mit der Klimaliste eine neue grüne Kraft für den Landtagswahlkampf bereitmacht, den Grünen auch in den Wahlkreisen Baden-Baden und Rastatt Wähler abzujagen.

Für den Wahlkreis Baden-Baden, zu dem auch Sinzheim und Bühl gehören, kandidiert der Physiklehrer Günther Beikert, der eigentlich Sympathien für den ersten grünen Ministerpräsident hat.

Doch die Macht, die 10 Jahre dauert, hinterlässt die gleichen Spuren wie bei den Vorgängern der CDU, deren Arroganz der Macht zum Machtverlust führte. «Leider scheint ihm seine Popularität bisweilen wichtiger zu sein als seine moralischen Prinzipien», sieht Günther Beikert die vielleicht zwangsläufige Schwäche einer längeren Amtszeit. Doch auch in der Sache kritisiert der Landtagskandidat der Klimaliste die Grünen in Baden-Württemberg und erläutert den Unterschied, den er zu seiner Klimaliste sieht: «Im Unterschied zu den Grünen haben wir ein Programm, das sich an den Erkenntnissen der Wissenschaft und nicht am Wunschdenken orientiert. Wir haben verstanden, dass es für uns in Baden-Württemberg, ebenso wie für die gesamte Menschheit, ums Überleben geht und handeln entsprechend zielgerichtet und entschlossen. Wir sind kein politischer Gemischtwarenladen. Wir sind vernünftig und verantwortungsbewusst. Das völkerrechtlich verbindliche Pariser Klimaabkommen ist für uns eine wirkliche Verpflichtung.»

Im goodnews4-Interview geht Günther Beikert auch auf die Botschaften von Papst Franziskus und dem Dalei Lama ein, erklärt seine Positionen im Detail und bittet um Unterstützungsunterschriften, damit seine Klimaliste überhaupt an den Start gehen kann zur Landtagswahl 2020, die am 14. März stattfindet.


Abschrift des goodnews4-AUDIO-Interviews mit Günther Beikert, Landtagskandidat Klimaliste Baden-Württemberg für den Wahlkreis Baden-Baden:

goodnews4: Die Landtagswahl rückt näher, Herr Beikert. Sie wollen mit der Klimaliste Schwung in die Klimapolitik bringen. Was möchten Sie machen, was die Grünen nicht machen?

Günther Beikert: Im Unterschied zu den Grünen haben wir ein Programm, das sich an den Erkenntnissen der Wissenschaft und nicht am Wunschdenken orientiert. Wir haben verstanden, dass es für uns in Baden-Württemberg, ebenso wie für die gesamte Menschheit, ums Überleben geht und handeln entsprechend zielgerichtet und entschlossen. Wir sind kein politischer Gemischtwarenladen. Wir sind vernünftig und verantwortungsbewusst. Das völkerrechtlich verbindliche Pariser Klimaabkommen ist für uns eine wirkliche Verpflichtung.

goodnews4: Zehn Jahre fast sind die Grünen an der Macht. Eine lange Zeit. Noch einmal zehn Jahre, was muss bis dahin passieren?

Günther Beikert: In den nächsten 10 Jahren müssen sich die Treibhausgasemissionen weltweit halbieren. In Baden-Württemberg sogar noch stärker. Jedes Jahr um 10 Prozent. Und das ist keine Spinnerei. Das ist ein Menschheitsplan. Hinter diesem Plan stehen beispielsweise UNO-Generalsekretär Guterres, Papst Franziskus, der ehemalige amerikanische Vizepräsident Al Gore, der Dalai Lama, der britische Thronfolger Prinz William, alle die sind auf diesem Plan unterwegs. Und die rufen uns dazu auf, ihnen dabei zu folgen, nicht, weil es Spaß macht oder so, sondern weil es sein muss. Es muss genauso sein, wie es sein muss, Maske zu tragen und Abstand zu halten in der Corona-Zeit. Das Allermindeste ist es, was wir tun müssen. Und selbst das reicht nur für eine 50-prozentige Chance, die Erdüberhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Ein Münzwurf. Aber unsere beste Chance.

goodnews4: Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist sehr beliebt, was hat er aber aus Ihrer Sicht nicht richtig gemacht?

Günther Beikert: Also zunächst mal bin ich eigentlich ein Fan von ihm. Also er hat Großes geleistet: Er ist der erste grüne Ministerpräsident und er hat erfolgreich stabile Regierungen gebildet mit der SPD und mit der CDU. Große Leistung. Er hat sich um die politische Kultur in unserem Land sehr verdient gemacht. Der Zusammenhalt ist gewachsen unter ihm. Er ist sehr populär, aber leider scheint ihm seine Popularität bisweilen wichtiger zu sein als seine moralischen Prinzipien. Er weiß ganz genau, dass unser Lebensstil zur Zunahme von Extremwetterereignissen führt: Stürme, Überschwemmungen, Dürre und Brände. Und dass die Armen, die am wenigsten dazu beigetragen haben, am stärksten darunter leiden. Er weiß das alles und trotzdem verhält er sich wie ein Lobbyist der Zerstörung. Er will Verbrennungsmotoren fördern und unterstützt Regionalflughäfen. Er hat nicht den Mut, uns die Wahrheit zu sagen. Vielleicht verdrängt er sie selbst gerne immer wieder.

goodnews4: Es gibt in der Klimapolitik viele Abhängigkeiten, Herr Beikert. Die Nachbarländer und die Menschen auf der ganzen Welt, die Industrie, aber auch die Bereitschaft der Bürger. Was sind denn die wichtigsten Schritte, die Sie für 2021 fordern, wenn Sie in den Landtag einziehen?

Günther Beikert: Wir werden natürlich Klimagesetze einbringen, einen Klimahaushalt mitbeschließen und streben eine Beteiligung an der neuen Klimaschutzregierung an. Das ist aber nicht entscheidend. Wir werden vor allem darauf bestehen, dass das Land die Klimakrise als Krise behandelt. Das Klima ist nicht eines von vielen Themen, es ist das bestimmende Thema unserer Zeit, es ist das Überlebensthema. Unser Haus brennt im wahrsten Sinne des Wortes. Wir müssen alle zusammenstehen, um es zu löschen. Wir müssen vor allem in unseren Schulen, in allen Schularten, allen unseren Schülerinnen und Schülern reinen Wein einschenken. Wo wir stehen, was auf sie zukommt, wenn alle so weiter machen würden wie bisher. Es ist deren Zukunft, um die es geht. Was sie gewinnen, wenn sie den CO2-Minderungsweg mitgehen und wenn sie andere dazu motivieren, das gleiche zu tun. Wir wollen ein neues Wir-Gefühl in Baden-Württemberg und wollen, dass wir in zehn Jahren stolz auf die Vergangenheit und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen können.

goodnews4: Und was sind denn die wichtigsten Projekte für den Wahlkreis Baden-Baden?

Günther Beikert: Im Wahlkreis Baden-Baden haben wir uns drei Themen gesetzt. Das erste ist der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir setzen uns dafür ein, dass die unsägliche Blockade der Windenenergie in Baden-Baden aufgegeben wird. Zum Glück ist unsere Oberbürgermeisterin daran und wir drücken ihr die Daumen, dass auch der Gemeinderat Mehrheit auf ihre Seite bekommt. Photovoltaik muss sowohl auf Dächern als auch auf Freiflächen noch viel stärker ausgebaut werden. Das ist zwingend erforderlich. Die Kohlekraftwerke werden schon bald abgeschaltet und wenn wir alle Elektroautos fahren, wird der Strombedarf sogar noch steigen. Dann haben wir den ÖPNV. Wir wollen und wir brauchen mehr Busse und Bahnen. Sie sollen billiger werden. Das Wuppertal-Institut sagt, dass wir in zehn Jahren unseren Autoverkehr halbieren werden. Jeden Monat ein Prozent weniger, auch bei uns in Mittelbaden, ein Prozent weniger. Und dieser Verkehr, der wird natürlich verlagert, auf Fahrrad, auf Fußwege, auch auf Busse und Bahnen. Deswegen müssen wir das ausbauen. Dritter Schwerpunkt ist die Landwirtschaft. Man kann nämlich Pflanzen so anbauen, dass CO2 im Boden gespeichert wird, oder so, dass CO2 freigesetzt wird. Momentan ist es so, dass auf 90 Prozent der Flächen CO2 freigesetzt wird. Dafür wollen wir Bewusstsein schaffen, wir wollen dabei helfen, dass die Bürgerinnen und Bürger das ändern in Zusammenarbeit mit den Landwirten, und zwar so schnell wie möglich. In unser aller Interesse.

goodnews4: Letzte Frage, Herr Beikert, um bei der Landtagswahl antreten zu können, brauchen Sie ja Unterstützungsunterschriften, haben Sie die schon zusammen?

Günther Beikert: Wir arbeiten daran. Wir brauchen Unterstützungsunterschriften. Und, wer uns dabei unterstützen möchte, der kann gerne auf www.klimaliste-bw.de gehen und da auf «Mitmachen» klicken. Da einfach E-Mail-Adresse angeben und dann wird er von uns kontaktiert, oder auch gerne bei uns Mitglied werden und uns dabei unterstützen, um die Klimaziele voranzubringen.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview, Herr Beikert.

Das Interview führte Reyhan Celik für goodnews4.de.

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