Kommentar von Christian Frietsch

OB-Stichwahl in Baden-Baden – goodnews4-Wahlempfehlung: Thomas Jung – Begründung und Kommentar von Christian Frietsch

OB-Stichwahl in Baden-Baden – goodnews4-Wahlempfehlung: Thomas Jung – Begründung und Kommentar von Christian Frietsch
OB-Kandidat Thomas Jung. Foto: Archiv

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
18.03.2026, 00:00 Uhr



Baden-Baden Vor vier Jahren wurde die damalige Oberbürgermeisterin Margret Mergen nicht mehr wiedergewählt. Die Baden-Badener Wähler kennen die Gründe. Margret Mergen verlor das Amt nicht wegen Dietmar Späth oder dessen Sponsoren, sondern wegen des Vertrauensverlustes bei den Bürgern in ihre Amtsführung. Die Vorwürfe, die Baden-Badener Bürger seien populistischen Parolen auf den Leim gegangen, kommen von Günstlingen der Ära Mergen, die um ihre Pfründe fürchten.

Margret Mergen erhielt 2022 nur noch knapp 24,7 Prozent der Wählerstimmen. Ihre Partei machte es nicht nachdenklich, dass 2024 bei der Kommunalwahl mit 24,5 Prozent das fast gleiche Ergebnis erzielt wurde. Ein Hinweis, dass das Rathaus unter Margret Mergen wohl zur Parteizentrale verkommen war.

Kaum einer konnte sich nach den acht Jahren Amtszeit von Margret Mergen vorstellen, dass sich Lage und Stimmung unter dem neuen OB Dietmar Späth noch verschlimmern könnten. Doch genau so kam es. Bis weit über Baden-Baden hinaus wurden die Geschehnisse verfolgt. Playboy-Partys, Krankenhaus-Desaster und Alkoholeskapaden. Diese Erfahrungen schienen Ende letzten Jahres ausgestanden. Erneut blickten die Baden-Badener hoffnungsvoll in eine neue Oberbürgermeister-Zukunft. Kaum ein Baden-Badener konnte sich bis vor einigen Wochen vorstellen, dass es nach der Amtszeit von Dietmar Späth erneut Anlass zur Sorge geben könnte, dass alles einen noch abgründigeren Weg gehen könnte. Doch schlimmer geht immer.

Gleich drei ehemalige Oberbürgermeister, die alle der CDU angehören, mischen sich wieder in das aktuelle Geschehen ein. Ein bisher in der Baden-Badener Geschichte einmaliger Vorgang. An der Spitze Ulrich Wendt, ein Ende der 90er Jahre abgewählter Oberbürgermeister, der sich mit der damaligen Wählerentscheidung wohl bis heute nicht abfinden kann. An seiner Seite die ehemaligen Oberbürgermeister Wolfgang Gerster und Margret Mergen. Mit ihrer Präsenz werden jahrzehntealte Verflechtungen und für unsere Stadt abträgliche Verbindungen sichtbar. Die bisher nicht politisch aufgearbeiteten Affären und Skandale sind deshalb nun wieder gegenwärtig. Alle drei, unterstützt durch einige Ehrenbürger und andere ehrenwerte Bürger, setzen sich für eine Kandidatin ein, die auf dem Ticket des CDU-Kreisvorsitzenden Whittaker und des Fraktionsvorsetzenden Gernsbeck den Weg ins politische Baden-Baden fand. Sie soll Baden-Baden aus der Krise führen. An ihrer Seite das Schattenkabinett von drei ehemaligen CDU-Oberbürgermeistern und deren Wegbegleitern. Besonders nachhaltig die Männerbande von Ulrich Wendt zu Karlheinz Kögel, Franz Bernhard Wagener und Sigmund Kiener. Allesamt durch Bau- und Immobilienprojekte in den 90er Jahren mit dem damaligen Oberbürgermeister zusammengewachsen. Teile der Baden-Badener CDU gehen seit Jahren einem transparenten Diskurs zu den Folgen ihrer Baupolitik aus dem Weg.

Im Gegensatz zur CDU auf Landesebene werden von der CDU in Baden-Baden demokratische Grundsätze missachtet und mit Füßen getreten. Dies gilt etwa für den Gleichbehandlungsgrundsatz der Medien bis hin zur Missachtung von Regeln des Deutschen Bundestags zugunsten der Kandidatin im OB-Wahlkampf in Baden-Baden. Eine bei solchen Fällen als Wettbewerbsverzerrung vom Bundesverfassungsgericht beschriebene Auswirkung ist die Folge dieses Fehltritts im OB-Wahlkampf in Baden-Baden. Ein ausreichend parteipolitischer Wettbewerb ist in Baden-Baden kaum mehr vorhanden. Nur eine Handvoll Stadträte beteiligen sich an einer öffentlich erkennbaren Streitkultur. Hinterzimmerpolitik und Vetternwirtschaft begünstigen seit Jahrzehnten parteinahe Günstlinge.

Nach dem Vorbild demokratischer, amerikanischer Zeitungen, unter anderem der New York Times, möchte goodnews4.de eine Wahlempfehlung für die Stichwahl am Sonntag, dem 22. März, aussprechen. Wir empfehlen unseren Lesern und Zuschauern, den ehemaligen SWR3-Chef Thomas Jung zum neuen Oberbürgermeister von Baden-Baden zu wählen. Unseren Lesern ist unser kritisches Verhältnis zum parteigegängelten öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekannt, der nach unserer Beurteilung unserer Stadt und den Wohnungssuchenden deutlichen Schaden zugefügt hat. Wir werden die mögliche Zusammenarbeit des Rathauses mit dem SWR weiter besonders kritisch begleiten. Gleichgültig wer dort Entscheidungen trifft. Überall dort, wo wir Bürger Politikern Macht übertragen, ist der Machtmissbrauch nicht weit. Dies gilt für alle Parteien und Personen. Wir werden auch mit der zukünftigen Führung im Baden-Badener Rathaus kritisch umgehen. Auch wenn uns dies Anzeigen und Anklagen durch die Mächtigen einbringen sollte, wie es in der Vergangenheit in Baden-Baden der Fall war.

Die zur Wahl stehende OB-Kandidatin erklärt sich als unabhängig. Unserer Beurteilung nach ist das nicht richtig. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist zu befürchten, dass die Kandidatin Lencke Wischhusen im Falle ihrer Wahl das schon erwähnte Schattenkabinett, bestehend aus CDU-Kreisen der letzten 30 Jahre, mit ins Rathaus bringen würde, das für das Allgemeinwohl nachteilige Verflechtungen und Abhängigkeiten aus den Amtszeiten der Oberbürgermeister Wendt, Gerstner und Mergen in die Zukunft verlängern würde. Auch eine Aufarbeitung der Vergangenheit würde so noch unwahrscheinlicher. Vor allen Dingen die unsoziale und herzlose Baupolitik bei öffentlichen und öffentlich-rechtlichen Grundstücken zugunsten der Spekulanten muss aufgearbeitet werden.

Mit Blick auf die beschriebene Güterabwägung empfehlen wir unseren Lesern und Zuschauern Thomas Jung zu wählen. Sollte er gewählt werden, wird es schwer haben, sich gegen die Übermacht gewachsener Strukturen durchzusetzen. Wird er mutig sein, werden wir ihn unterstützen. Lässt er sich von den Einflussreichen und Mächtigen leiten zum Nachteil der Schwächeren und sogenannten normalen Bürger, werden wir auch erneut riskieren, dass wir uns mit Stadträten von CDU. Grünen und SPD vor Gericht wiedersehen. Auch Einschüchterungen von Rathaus-Chefs mit ihrer Rechtsabteilung und 1.000 Mitarbeitern im Rücken fürchten wir nicht.

Nach Jahrzehnten wieder ein Oberbürgermeister, der schon lange in Baden-Baden lebt, ist wieder eine Hoffnung. Vielleicht werden wir Bürger wieder enttäuscht. Wir können nur hoffen. «Keine Experimente» im Sinne von Konrad Adenauer sollte aber aktuell die Devise sein nach den zurückliegenden Erfahrungen im Baden-Badener Rathaus. Wir empfehlen unseren Lesern die Wahl von Thomas Jung zum Oberbürgermeister von Baden-Baden bei der Stichwahl am kommenden Sonntag.

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Christian Frietsch ist Herausgeber von goodnews4.de. Über Post freut er sich: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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