Logo goodnews4Plus

Vorbereitung der Fieser-Brücken-Sanierung

Platane an der Fieser-Brücke wird gerettet – Markus Brunsing: „Wäre es eine Eiche, hätten wir ein echtes Problem“

goodnews4-LogoVIDEO anschauen!
goodnews4-VIDEO-Interview von Reyhan Celik mit Markus Brunsing

Baden-Baden, 14.01.2020, 00:00 Uhr, Bericht: Redaktion Erneut müssen sich die Baden-Badener und die Gäste der Stadt auf eine neue Baustelle einstellen. Gestern begannen die ersten vorbereitenden Maßnahmen für die Sanierung der Reinhard-Fieser-Brücke.

Gartenamtsleiter Markus Brunsing erklärte im goodnews4-Video-Interview, warum die prächtige Platane an der baufälligen Reinhard-Fieser-Brücke zurückgeschnitten werden musste.

«Der Baum ist es gewöhnt, dass er sich immer an diese Mauer anlehnen kann mit seinen Wurzeln. Wenn die weg sind, ist die Gefahr viel zu groß, dass der Baum bei einer Sturmböe oder bei einer Orkanböe umstürzt. Deswegen müssen wir die Angriffsfläche für den Wind so verkleinern, dass er auch während der Baumaßnahme, stabil genug ist.», so Markus Brunsing, Leiter Fachgebiet Park und Garten der Stadt Baden-Baden. Ob es für die Platane ein Trost ist, dass sie als besonders schnittverträglichen Baum, gilt weiß nur sie selbst.

Erster Bürgermeister, Alexander Uhlig, hatte gegenüber goodnews4.de schon in der letzten Woche zur Lebensgeschichte der Platane erklärt, dass diese vermutlich beim Neubau der Reinhard-Fieser-Brücke im Jahr 1928 gepflanzt worden sein könnte. goodnews4.de berichtete. Nach seinen Recherchen im Stadtarchiv, geht auch Markus Brunsing davon aus, dass der Baum aus dieser Zeit stammt. «Und wir wissen, dass Max Laeuger, der Architekt dieser Brücke, Platane sehr geliebt hat. Oben im Paradies, in der Wasserkunst hat er auch Platane gepflanzt und das hat er 1925 gestaltet. Also nur wenige Jahre zuvor», berichtet er.

Vielleicht hat die damals kleine Platane die Theaterbesucher beobachtet, die sich an ihr vorbei in das schöne Baden-Badener Theater, nur vielleicht 150 Meter entfernt vom Standort des Baums, hinbewegten. Wer sich lauschend an die Platane lehnt, kann von ihr vielleicht erfahren, was sie in den 90 Jahren ihres Lebens alles mitbekommen hat von der wechselvollen Geschichte des letzten Jahrhunderts und den letzten zwanzig Jahren.

Auch auf die Gründe für die Notwendigkeit Bäume zu erhalten, geht Markus Brunsing im goodnews4-VIDEO-Interview ein.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews Martin Brunsing, Gartenamtsleiter im Fachgebiet Park und Garten:

goodnews4: Markus Brunsing, als erste vorbereitende Maßnahme für die Sanierung der Fieser-Brücke, musste jetzt leider die Platane etwas zurückgeschnitten werden. Können Sie uns kurz sagen, weshalb diese Maßnahme nötig war?

Markus Brunsing: Ja, wir haben einen wunderbaren Baum mit dieser Platane. Und sie ist mitten im Bau der Brücke, Ende der Zwanziger Jahre, vermuten wir, gepflanzt worden und sie hat sich daran gewöhnt, dass sie im Wurzelbereich, direkt an der Mauer der Oos steht, auf der die Brücke aufgelegt ist. Und wenn jetzt die Brücke erneuert wird, muss auch diese Mauer erneuert werden und dazu ist es erforderlich, dass einige kleine Eingriffe in die Wurzeln passieren. Da muss die Statik wieder stimmen.

Oder man kann es sich anders vorstellen: Der Baum ist es gewöhnt, dass er sich immer an diese Mauer anlehnen kann mit seinen Wurzeln. Wenn die weg sind, ist die Gefahr viel zu groß, dass der Baum bei einer Sturmböe oder bei einer Orkanböe umstürzt. Deswegen müssen wir die Angriffsfläche für den Wind so verkleinern, dass er auch während der Baumaßnahme, stabil genug ist.

goodnews4: Und wird die Platane diesen Rückschnitt gut vertragen können? Was machen Sie genau und müssen wir uns Sorgen machen, um den Baum oder verträgt er das im Gegensatz zu anderen Bäumen vielleicht besser?

Markus Brunsing: Ja, also wir haben bei einer Platane natürlich Glück, weil Platanen gehören zu den besonders schnittverträglichen Bäumen. Also wenn man mal an die Platanen in Südfrankreich denkt, die werden ja zum Teil jedes Jahr geschnitten, die können das ganz gut vertragen. Wäre es eine Eiche, hätten wir ein echtes Problem. Deswegen sind wir ganz zuversichtlich, dass er diesen Schnitt verträgt.

Wir nehmen einige große Äste raus und formen dann die Krone so auch mit den kleinen Ästen, dass nach Ausschlag der Äste dann im April, Mai und der neuen Blätter und des neuen Triebs, trotzdem wieder ein wunderbarer, sichtbarer Baum ist. Es wird jetzt die nächsten Wochen und Monate etwas kahl aussehen, aber ab Sommer wird sich das ganz schnell wieder geben.

goodnews4: Sie haben es vorhin schon angesprochen: Das Alter des Baumes. Auch Erster Bürgermeister, Alexander Uhlig, hat mutmaßlich geäußert, dass der Baum wahrscheinlich schon beim Neubau der Brücke im Jahr 1928 gepflanzt worden ist. Halten Sie es, wenn Sie den Baum jetzt so anschauen, wirklich für möglich, dass dieser Baum beispielsweise den Börsencrash 1929 schon erlebt hat, die Machtergreifung Hitlers, die Jahrhundertwende? Und was macht es mit einem Baum, so alles erlebt zu haben?

Markus Brunsing: Also wir gehen ziemlich sicher davon aus, nach den Recherchen, die wir auch im Stadtarchiv angestellt haben, dass der Baum aus dieser Zeit stammt. Und wir wissen, dass Max Laeuger, der Architekt dieser Brücke, Platane sehr geliebt hat. Oben im Paradies, in der Wasserkunst hat er auch Platane gepflanzt und das hat er 1925 gestaltet. Also nur wenige Jahre zuvor.

Und der Baum wird wirklich viel erlebt haben, viel Prominenz gesehen haben. Denn wie auch schon häufig erwähnt, jeder der nach Baden-Baden kommt, kreuzt die Fieser-Brücke, egal, ob er durch die Lichtentaler Allee geht oder zum shoppen in die Langestraße, ob er ein Hotel besucht oder ein Kongress, die Fieser-Brücke ist einfach der Dreh- und Angelpunkt der Stadt. Und die Platane, die beschirmt alle Menschen, die unterwegs sind und wir hoffen, dass sie das noch viele viele Jahre dort noch tun kann.

goodnews4: Wie bei jedem Baum ist natürlich auch der Erhalt dieser Platane total gerechtfertigt. Aber, Herr Brunsing, was sagen Sie jenen Baden-Badenern, die nicht einsehen, dass man so viel Geld in Problem-Bäume investiert und die es für sinnvoller oder auch für leichter halten, den Baum einfach abzusägen? Was sagen Sie diesen Leuten?

Markus Brunsing: Also früher hätte ich einfach nur gesagt, der Baum ist so ein Stück Stadtgeschichte, so ein wichtiges Element in unserem Stadtbild, für unsere grüne Stadt und gerade Baden-Baden ist ja von großen alten Bäumen geprägt, das macht unser Bild aus. Deswegen kommen viele Menschen in unsere Stadt.

Heute kann ich noch hinzufügen: In Zeiten des Klimawandels, in Zeiten von „Fridays for future“ ist natürlich auch der Umweltschutz, der Klimaaspekt ganz wichtig. Wir brauchen in Zukunft mehr denn je großen Bäume, wir brauchen Blattmasse für die Bindung des Feinstaubs, dass die Städte sich nicht so erhitzen im Sommer und deswegen ist jeder Baum für uns wichtig. Wenn es eine Chance gibt einen solchen wunderbaren Baum für die Zukunft zu erhalten, dann sollten wir auch versuchen, diese Chance zu nutzen.

goodnews4: Ich bedanke mich für das Interview, Herr Brunsing und ich wünsche unserer Platane und Ihnen auch, ganz ganz viele Jahre.

Markus Brunsing: Ja, ich bedanke mich im Namen der Platane und bedanke mich auch als Vertreter des Fachgebiets Park und Garten.

Das Interview führte Reyhan Celik für goodnews4.de.

goodnews4-LogoVIDEO anschauen!
goodnews4-VIDEO-Interview von Reyhan Celik mit Markus Brunsing


Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.


goodnews4-Logogoodnews4Baden-Baden Breaking News kostenlos abonnieren!
Jeden Tag sendet goodnews4.de die wichtigste Nachricht als News-E-Mail.
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!