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goodnews4-Interview zum Jahreswechsel

"Um mit so einer Krise umzugehen" – Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen empfiehlt fünf Eigenschaften – Entscheidung über OB-Kandidatur "in einigen Monaten"

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goodnews4-VIDEO-Interview zum Jahreswechsel von Nadja Milke mit Margret Mergen

Bild Christian Frietsch Bericht von Christian Frietsch
13.01.2021, 01:00 Uhr



Baden-Baden «Ich glaube, wir brauchen fünf Eigenschaften, um mit so einer Krise umzugehen», empfiehlt Margret Mergen im goodnews4-VIDEO-Interview, in dem die Baden-Badener Oberbürgermeisterin auf das alte Jahr zurückblickt und für das neue Jahr ihren Bürgern «neue Erkenntnisse und auch neue Verhaltensweisen» nahelegt. «Da ist zum einen Geduld und Langmut, zum Zweiten Entschlossenheit, Regeln einzuhalten, zum Dritten die Bereitschaft, ständig dazuzulernen über neue Erkenntnisse und auch neue Verhaltensweisen, zum Vierten – für mich ganz wichtig – die Zuversicht immer behalten und zum Fünften die Empathie für Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung, Freunde, Familie, Nachbarn.»

Neben Corona gebe es aber, «tatsächlich wichtige Themen in der Welt, die wir immer wieder auch in den Blick nehmen müssten».

Beim Ausblick auf die Bundestags- und Landtagswahlen glaubt sie, dass «es die regierenden Parteien» sind, die beim Verhalten der Wähler von der Corona-Krise profitieren. Ausführlich geht Margret Mergen auf die politischen Aufgaben im neuen Jahr in Baden-Baden ein. Auf die Frage, ob sie im nächsten Jahr erneut zur OB-Wahl antritt, will sie noch nicht antworten. «Fragen Sie mich in einigen Monaten noch einmal», lässt sich die Verwaltungschefin der Stadt noch einige Zeit für ihre Entscheidung.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews zum Jahreswechsel mit Margret Mergen, Oberbürgermeisterin von Baden-Baden:

goodnews4: Frau Oberbürgermeisterin Margret Mergen, das goodnews4-Interview zum Jahreswechsel am Ende eines völlig surrealen Jahres. Wenn man zurückblickt, kann man es kaum glauben, was alles passiert ist in diesem Jahr und was jetzt inzwischen alles für uns zur Normalität gehören muss. Die Corona-Pandemie wird uns auch im neuen Jahr noch weiter begleiten. Deshalb nur eine kurze Frage zu Beginn direkt dazu: Was ist denn Ihre wichtigste Erkenntnis aus den letzten Monaten?

Margret Mergen: Ich glaube, wir brauchen fünf Eigenschaften, um mit so einer Krise umzugehen. Da ist zum einen Geduld und Langmut, zum Zweiten Entschlossenheit, Regeln einzuhalten, zum Dritten die Bereitschaft, ständig dazuzulernen über neue Erkenntnisse und auch neue Verhaltensweisen, zum Vierten – für mich ganz wichtig – die Zuversicht immer behalten und zum Fünften die Empathie für Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung, Freunde, Familie, Nachbarn.

goodnews4: Wenden wir uns dem zu, was während der Corona-Krise liegengeblieben ist. Der Fokus hat sich doch sehr verschoben in den letzten Monaten. Haben wir etwas aus den Augen verloren, wenn wir in die Welt hinausschauen?

Margret Mergen: Aus den Augen verloren glaube ich nicht, aber es gibt tatsächlich wichtige Themen in der Welt, die wir immer wieder auch in den Blick nehmen müssten. Da ist zum einen die kriegerische Auseinandersetzung in anderen Ländern, beispielsweise im afrikanischen Bereich, oder denken Sie auch an Afghanistan, Pakistan. Da ist zum anderen auch die Hilfsbedürftigkeit von Menschen in anderen Ländern, denen es wirklich deutlich schlechter geht als uns. Auch da wieder Afrika mit Hungersnöten, mit großen Entbehrungen in Folge auch von kriegerischen Auseinandersetzungen, wenn ich an den Süd-Sudan denke oder auch Länder wie Burundi. Ich glaube, auch hier ist unsere Hilfe und Unterstützung gefordert.

goodnews4: Schauen wir auf Deutschland und nach Baden-Württemberg. Wir haben ein Wahljahr vor uns, in Baden-Württemberg im März die Landtagswahl und dann nach dem Sommer die Bundestagswahl. Was glauben Sie, welche Partei wird bei den bevorstehenden Wahlen denn profitieren können von der Corona-Krise?

Margret Mergen: Nach meiner Einschätzung sind es die regierenden Parteien. Auf Bundesebene ist es die CDU zusammen mit der SPD, die glaube ich schon, eine ausgezeichnete Arbeit gemacht haben in den vergangenen Monaten, auch immer wieder zu schauen, wie können wir uns in der Krise trotzdem helfen über die Kurzarbeit, über die Corona-Hilfen. Der Bund hat sich hier unglaublich auch in die Verschuldung gestürzt, um unsere Strukturen aufrechtzuerhalten. Ich glaube schon, dass das auch mit einem gewissen Respekt und einer Wertschätzung wahrgenommen wird und den Regierungsparteien im Bund helfen kann. In ähnlicher Weise beim Land, da sind es die Grünen und die CDU. Auch hier, gute Arbeit im Laufe des letzten Jahres. Denken Sie beispielsweise an die Herausforderung von Kindergärten und Schulen. Wie geht man nun um mit den Schulen, wenn die Kinder zu Hause beschult werden müssen? Das war eine riesen Herausforderung, aber auch da, glaube ich, sind wir auf gutem Wege.

goodnews4: Schauen wir nach Baden-Baden. Plötzlich regen uns die Schlagzeilen über die Schulden der Stadt gar nicht mehr so auf, die Dauerbrenner, die sonst immer für rote Köpfe sorgen, Neues Schloss, Babo, Europäischer Hof, die PFC-Verschmutzung, die Windkraftanlagen oder natürlich auch Verkehr und Mobilität – das regt uns gar nicht mehr so sehr auf. Aber wo sollten wir denn im Neuen Jahr dann doch wieder genauer hinschauen bei welchen Themen?

Margret Mergen: Das eine Thema, was uns auch im Gemeinderat schon länger beschäftigt, ist das Thema Klimaschutz. Was können wir in Baden-Baden dazu beitragen, um die Klimaerwärmung zu verlangsamen und hier auch unser eigentlich wirklich gutes Klima auch für die nächsten Generationen zu sichern? Das wird ein Thema im Laufe der nächsten Monate werden. Aber in gleicher Weise auch die Motivation, durch die Auszeichnung als familienbewusste Kommune auch hier weiterzuschauen, was können wir in Baden-Baden tun, damit auch Familien mit Kindern sich hier wohlfühlen, gerne hierherkommen und einfach ihren Wohnort hier in Baden-Baden und ihre Lebensmitte in Baden-Baden finden? Auch das Thema Digitalisierung an den Schulen wird uns weiter beschäftigen. Da ist noch alles nicht so perfekt, wie es vielleicht sein sollte, um tatsächlich einen digitalen Schulunterricht auch für alle Klassen anzubieten. Ob das klug ist, ist eine andere Frage, aber die Herausforderung sehen wir und auch das Thema wird uns bewegen. Und natürlich die Stärkung der Gastronomie, des Einzelhandels, der Kultureinrichtungen, also der Lebensnerv von Baden-Baden, der durch die Corona-Krise stark in Mitleidenschaft gezogen ist.

goodnews4: Wie kann die Stadt da helfen?

Margret Mergen: Indem wir vielleicht gemeinsam überlegen, gemeinsam Werbung zu machen, Marketing, gemeinsame Veranstaltungen, Events im öffentlichen Raum. Baden-Baden bietet so viele Möglichkeiten, um nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, sondern auch für die Region, auch darüber hinaus Aufmerksamkeit zu wecken, die Menschen herlocken zu einem Sehnsuchtsort, der Baden-Baden nach wie vor ist, und dann auch verwöhnen mit guten Dienstleistungen und mit interessanten Produkten hier aus der Region, mit kleinen schönen Kultureinheiten, denn ich glaube unsere Seele ist etwas geschunden in diesem Jahr und da hat Baden-Baden natürlich die Chance, ein bisschen dazu beizutragen, dass der Seele wieder geschmeichelt wird.

goodnews4: Noch ein Stichwort aus meiner Frage, das Sie nicht aufgegriffen haben: Das Thema Mobilität und Verkehr. Da gab es ja die Initiative der CDU zum Jahresende, die eine Idee der SPD aufgegriffen hat, die Untertunnelung der B500 oder im Prinzip sämtlicher Zufahrten nach Baden-Baden. Ist das etwas, was als großer Wurf auf längere Perspektive tatsächlich ernsthaft überlegt werden könnte?

Margret Mergen: Also ich bin durchaus offen, dass wir uns das genauer anschauen. Ich habe nur eine gewisse Sorge, dass ein solches Projekt nicht finanzierbar sein wird. Man rechnet, und man muss nur schauen wir teuer der Tunnel in Freiburg ist, der jetzt geplant wird, da rechnet man pro Kilometer rund 180 Millionen Euro, und hier bräuchte es die Unterstützung des Bundes, es ist eine Bundesstraße. Um aber da überhaupt eine Chance zu haben, muss man eine sogenannte standardisierte Bewertung machen und die wägt ab, was steht auf der einen Seite an Kosten, an technischen Herausforderungen, und auf der anderen Seite an Nutzen. Und wenn der Nutzen nicht deutlich größer ist als die Kosten, das wird dann ausgedrückt in einer Formel, der Wert muss mindestens 1,0 größer sein als die Kosten, hat man keine Chance auf Bundesförderung. Ich habe gewisse Zweifel, dass der Nutzen hier nicht so hoch gewichtet werden könnte.

goodnews4: Schauen wir zurück auf das vergangene Jahr. Welche Menschen haben Sie besonders beeindruckt und auf wen setzen Sie im neuen Jahr?

Margret Mergen: Das waren tatsächlich die Menschen an vorderster Front bei Corona. Das beginnt mit den Ärzten, mit den pflegenden Kräften in unserem Klinikum, in der Corona-Ambulanz im März, noch bevor es überhaupt irgendwelche sonstigen Corona-Möglichkeiten gab für Testungen und Messungen. Das geht aber weiter mit den Betreuerinnen und Betreuern und Pflegern in unseren Pflegeheimen. Auch die hatten die ganz schwierige Herausforderung, den älteren Menschen zu sagen, warum auf einmal die eigene Familie nicht mehr zu Besuch kommen darf. Es gilt aber auch unseren Kräften der öffentlichen Ordnung, unsere eigenen Mitarbeiter, aber auch die der Polizei, der Feuerwehr, alle, die dazu beigetragen haben, dass unsere Regeln eingehalten werden und auch noch weiter gefordert sein werden. Das sind für mich die Helden des Jahres 2020.

goodnews4: Gibt es auch jemanden, den Sie zum Mann oder zur Frau des Jahres für Baden-Baden wählen würden?

Margret Mergen: Das gibt es bestimmt, aber würde ich ungern tun, weil es gibt so viele tolle Menschen. Ich denke beispielsweise an die Kassiererinnen, das sind meistens Frauen an den Kassen in den Lebensmittelmärkten, die unerschrocken seit Monaten selbst zu den stärksten Pandemiezeiten ihren Dienst verrichten und dazu beitragen, dass wir unsere Lebensmittel einkaufen können. Das sind für mich auch Alltagshelden. Oder unsere Busfahrer, die auch in schwierigen Situationen die Schüler befördern durften oder auch die Fahrgäste, auch da immer mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht, auch wenn nicht jeder immer eine Maske aufgesetzt hat. Auch das sind für mich die Alltagshelden.

goodnews4: Eine Frage muss sein: Mit Angela Merkel verlässt eine bedeutende Politikerin die Brücke. Ist es der richtige Zeitpunkt?

Margret Mergen: Einerseits würde man sagen, die macht ihren Krisenjob so gut, sie sollte ihn solange machen, solange die Krise anhält. Andererseits macht Frau Merkel ihre Aufgabe als Regierungschefin seit 15 Jahren, ich glaube, die wird jetzt 67 und sie hat jetzt schon die vierte Krise mit bewältigt – denken Sie an die Finanzkrise 2009, denken Sie an die Griechenlandkrise, EU-Finanzkrise 2014, dann ab 2015 die Flüchtlingsbewegungen mit großen Herausforderungen für uns alle und jetzt die Corona-Krise – und gleichzeitig hat die Gesprächspartner wie Donald Trump, Putin, Erdogan, also wirklich auch Gesprächspartner, die nicht sehr einfach sind. Und das alles macht sie mit einer ruhigen Sachlichkeit eins nach dem anderen, bleibt hart in der Sache, verbindlich im Ton und sie hat meinen ganzen Respekt, wie souverän sie Deutschland durch diese Krisen führt.

goodnews4: Im neuen Jahr werden auch Sie überlegen, ob Sie nochmals antreten als Oberbürgermeisterin oder haben Sie jetzt schon entschieden?

Margret Mergen: Es ist definitiv zu früh für eine solche Entscheidung. Bis zur OB-Wahl sind es ja noch eineinviertel Jahre hin oder noch länger, deswegen fragen Sie mich vielleicht in einigen Monaten nochmal. Ich widme mich den Aufgaben, die sich jetzt stellen und da haben wir wahrlich genug und das tue ich mit ganzer Leidenschaft und mit all meiner Energie, weiß ein tolles Team im Rathaus, die mit mir gemeinsam diese Aufgaben stemmen und das macht mir viel Freude, auch wenn es manchmal Geduld braucht, jetzt durch die Corona-Krise zu kommen. Ich tue es auch in gutem Einvernehmen mit dem Gemeinderat, auch hier habe ich den Eindruck, wir arbeiten gut zusammen, wir ringen um gute Lösungen, sind nicht immer einer Meinung, aber das ist in einer Demokratie normal. Mir macht die Arbeit viel Spaß, aber nein, ich habe mich noch nicht entschieden.

goodnews4: Dann wünsche ich Ihnen jetzt erstmal einen guten Start ins neue Jahr, vielen Dank, das war das goodnews4-Interview zum Jahreswechsel mit Oberbürgermeisterin Margret Mergen.

Margret Mergen: Vielen Dank, Frau Milke, auch Ihnen alles Gute für das neue Jahr.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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