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Anwohner sorgen sich über ihre Gesundheit

65 Baden-Badener Bürger schreiben an Oberbürgermeisterin Mergen - "Gesundheitsgefährdender Lärm und gefährlicher Bauschutt" am Tausendfüßler

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Hans Amarell

Baden-Baden, 03.12.2018, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch Seit Februar 2018 betreibe «die Firma Kühl an der Wörthstraße einen Containerumschlagplatz für Bauschutt», heißt es in einem Schreiben, das 65 Baden-Badener Bürger an Oberbürgermeisterin Margret Mergen adressierten. «Wir können nicht verstehen, dass die Stadt Baden-Baden so etwas genehmigt», sind die Bürger ratlos, auch deshalb, weil nach deren Angaben OB Mergen und der damalige zuständige Bereichsleiter Rudolf Schübert seit Juli zu diesem Thema informiert, das Bauordnungsamt sogar schon seit April im Bilde sei über die mutmaßlich gesundheitsgefährdenden Zustände.

Hinsichtlich möglicher Gesundheitsgefahren hatte bereits Heinrich Liesen, Stadtrat und Medizner, im Zusammenhang mit den von der städtischen Wohnbaugesellschaft GSE neben dem Tausendfüssler gebauten Wohnhäusern aufmerksam gemacht. Die Möglichkeit einer gesundheitsgefährdenden Schadstoffbelastung wurde aber im Baden-Badener Rathaus ausgeschlossen.

Die nun aktiv gewordenen Anwohner der Wörthstraße gehen davon aus, dass in ihrem Fall durch «stundenlanges» Umladen von den Bauschutt Emissionswerte erreicht werden, die über den Grenzwerten liegen.

Auf der Homepage der Firma Kühl lese man, machen die Anwohner der Wörthstraße die Oberbürgermeisterin aufmerksam, «dass auch «gefährlicher Abfall wie Glas- und Steinwolle, Asbestabfall, Holz A4 (Holzfenster und imprägniertes Holz), teerhaltiger Straßenaufbruch, Bodenaushub und Bauschutt mit schädlichen Verunreinigungen, etc.» entsorgt würden. Sowohl der Lärm als auch der &laqo;gefährliche Abfall» seien gesundheitsgefährdend und «wir sind sehr verwundert, dass Sie für eine Abhilfe bei so klarer Sachlage so lange brauchen und ihre Verantwortung zum Schutz der Gesundheit der Bürger nicht wahrnehmen», schreiben die besorgten Anwohner. «Wir bitten Sie dafür zu sorgen, dass die Firma Kühl ihre Tätigkeiten in der Wörthstraße umgehend einstellt», endet das von Anwohner Hans Amarell unterzeichnete Schreiben an die Oberbürgermeisterin. Im goodnews4-VIDEO-Interview nimmt Hans Amarell zu dem Fall Stellung und zeigt Video-Aufnahmen aus dem vergangenen Sommer.


Abschrift des goodnews4-VIDEO-Interviews mit Hans Amarell, Anwohner der Wörthstraße:

goodnews4: Die Wohnungsnot ist groß in Baden-Baden, da haben sich viele Menschen gefreut eine Wohnung finden, auch wenn es Sorgen gibt wegen der Schadstoffbelastung hier am Zubringer in der Wörthstraße, nun haben Sie auf ein anders Problem aufmerksam gemacht, das das Leben hier am Wörthböschel beeinträchtigt. Was stört Sie und offenbar viele andere Anwohner?

Hans Amarell: Hauptsächlich der Lkw-Verkehr, der hier durchfährt, die Lkw, die von der Firma Kühl ständig Bauschutt vorbeibringen, Bauschutt umladen und wieder zurück fahren mit laut klappernden Ketten. Das stört eigentlich hauptsächlich und der Staub, der sich dabei entwickelt, der dringt sogar durch die Fenster auf die Pflanzen der Anwohner. Das ist keine schöne Sache.

goodnews4: Seit wann gibt es hier diesen Containerumschlagplatz? Oder wie nennt sich das?

Hans Amarell: Ja, würde ich sagen − Containerumschlagplatz, weil die fahren mit den Container ran, laden die lautstark ab, laden sie wieder auf und fahren wieder lautstark weg. Seit wann die das machen? Aufgefallen ist es erst seit dem Frühjahr, wann die den Vertrag bekommen haben, das weiß ich nicht. Wir haben uns im Frühjahr an die Stadt gewandt, an das Bauordnungsamt, da hat sich erstmal nichts getan. Dann haben wir im Juli die Frau Bürgermeisterin bei einem Meeting getroffen und sie damit bekannt gemacht, dann hat sich auch nichts getan. Und im November kam dann die Frau Mehrfeld, hatte vorher mit der Firma gesprochen und hat jetzt mit der eine Vereinbarung getroffen für die nächsten drei Monate, weniger zu arbeiten, ob das gut wäre. Und dann haben wir uns mal schlau gemacht, wie die Grenzwerte überhaupt sind. Das Ganze hier ist ein Mischgebiet und im Mischgebiet gelten Lärmgrenzen von 64 dB, ein normaler Lkw, wenn man im Internet nachschaut, wird beziffert mit 80 bis 100 dB und ein Radlader, wie er hier stundenlang umlädt, hat auch 100 dB. Wenn man diese Grenzen sieht, wundert man sich, warum man hier überhaupt eine Erlaubnis erteilt hat.

goodnews4: Nun sind hier ja neue Wohngebäude entstanden, sind hier denn auch spielende Kinder unterwegs, für die der Lkw-Verkehr eine Gefahr darstellen könnte?

Hans Amarell: Kinder gibt es hier, es hat hier auch Kinderspielplätze. Was wichtiger ist, dass hier der Hauptverkehrsweg für Schüler ist, die zu Fuß in die anstehenden Schulen gehen. Morgens um sieben oder um halb acht ist hier richtig Betrieb und zwischendurch kommen hier täglich − über die kleine Brücke ist ein Kindergarten − fünfzehn, zwanzig Kinder. Es macht Spaß, denen zuzuschauen, aber wenn man dann die Lkw sieht, wie die da durchsausen, kommen einem schon komische Gedanken.

goodnews4: Haben Sie auch mit dem Unternehmen, das hier die Container umlädt schon mal gesprochen?

Hans Amarell: Ja, mit den Arbeitern, aber die haben mir mehr gedroht, als dass man mit mir gesprochen hätte. Die waren gar nicht einsichtig und deshalb habe ich das nicht getan. Es ist auch Angelegenheit des Bauordnungsamtes, so etwas zu erledigen und nicht meine.

goodnews4: Was ist denn nun konkret Ihre Forderung an das Baden-Badener Rathaus? Sie haben gerade berichtet, dass eine Mitarbeiterin der Stadt vor Ort war und man hat vereinbart, für drei Monate etwas zurückzufahren.

Hans Amarell: Unsere Forderung ist ganz einfach: Die Firma muss weg. Genz einfach. Die darf hier nicht sein. Die Vorgegebenen Grenzwerte sind eindeutig. Jetzt kommt hier noch ein Pflegeheim hin, da sind die Grenzen noch schärfer bei 54 dB. Und hintenan ist ein Parkgelände ausgezeichnet, angrenzend an das Mischgebiet, da sind die Verhältnisse in der Lautstärke ähnlich. Die Firma dürfte hier nicht sein, also weg mit der Firma.

goodnews4: Erwägen Sie denn rechtliche Schritte wenn aus dem Baden-Badener Rathaus keine Hilfe kommt?

Hans Amarell: Ja, da bleibt einem ja nichts anderes übrig.

goodnews4: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Nadja Milke für goodnews4.de.

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goodnews4-VIDEO-Interview von Nadja Milke mit Hans Amarell


Das Schreiben der Anwohner der Wörthstraße an OB Margret Mergen im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Mergen,

dies ist ein Schreiben im Namen von 65 Anwohnern der Wörthstraße. Eine Liste mit den Unterschriften liegt bei.

Seit Februar 2018 betreibt die Firma Kühl aktiv in unserem Wohngebiet an der Wörthstraße einen Containerumschlagplatz für Bauschutt.
Wir können nicht verstehen, dass die Stadt Baden-Baden so etwas genehmigt.
Für ein Mischgebiet, wie es für die Wörthstraße ausgewiesen ist, gilt ein Immissionsgrenzwert am Tag von 64 dB(A).
An Krankenhäusern, Schulen, Kurheimen und Altenheimen (es wird ja direkt gegenüber vom THW Gelände eine Seniorenresidenz gebaut) gelten tagsüber 57 dB(A).
Die Emissionen eines LKW liegen zwischen 80 dB(A) und 100 dB(A), überschreiten also mehr als deutlich die Grenzwerte.
Der Radlader, der stundenlang den Bauschutt umlädt und LKW belädt, hat Emissionswerte von 92-107 dB(A).
Das Abladen und Umstellen der Container ist mit äußerst lautem Knallen verbunden. In den angrenzenden Wohnungen spürt man die davon ausgehenden Vibrationen.

Auf der Homepage der Firma Kühl liest man, dass auch «gefährlicher Abfall wie Glas- und Steinwolle, Asbestabfall, Holz A4 (Holzfenster und imprägniertes Holz), teerhaltiger Straßenaufbruch, Bodenaushub und Bauschutt mit schädlichen Verunreinigungen, etc.» entsorgt wird.

Sowohl der Lärm als auch der «gefährliche Abfall» sind gesundheitsgefährdend.

Die neuen Bewohner waren 2017 so glücklich, solch schöne, neue Wohnungen zu beziehen, aber jetzt …?

Sie Frau OB Mergen und Herr Schübert sind seit Juli zu diesem Thema informiert, das Bauordnungsamt schon seit dem 27.4.2018. Wir sind sehr verwundert, dass Sie für eine Abhilfe bei so klarer Sachlage so lange brauchen und ihre Verantwortung zum Schutz der Gesundheit der Bürger nicht wahrnehmen.

Wir fühlen uns wie Anwohner einer Müllkippe, zu der täglich LKW mit gefährlichen Bauschutt fahren.

Wir bitten Sie dafür zu sorgen, dass die Firma Kühl ihre Tätigkeiten in der Wörthstraße umgehend einstellt.

Mit freundlichen Grüßen
Hans Amarell
Sowie 65 weitere Anwohner der Wörthstraße.


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