Krieg in der Ukraine

Brief aus Baden-Baden an Wladimir Putin – „Lieber Bruder Wladimir!“

Brief aus Baden-Baden an Wladimir Putin – „Lieber Bruder Wladimir!“
Der Baden-Badener Pfarrer Hans-Ulrich Carl schreibt an Wladimir Putin.

Baden-Baden, 19.08.2024, Bericht: Redaktion Zu den großen kirchlichen Feiertagen wendet sich der Baden-Badener Pfarrer Hans-Ulrich Carl mit einer VIDEO-Ansprache regelmäßig an die goodnews4-Leser. Nun schreibt er einen dritten Brief an Wladimir Putin.

In seinen lyrischen Zeilen schlägt er keinen groben Ton an. Er versucht, das Herz des russischen Präsidenten zu erreichen, auch wenn diesen diese Zeilen wohl nie erreichen.

Dritter Brief an Wladimir Putin von Pfarrer Hans-Ulrich Carl

Lieber Bruder Wladimir!
Gestatte -
es sind noch einige Fragen offen,
die ich Dir nicht ersparen kann:

Ich verstehe Dich nicht:
Wie kannst Du es zulassen,
dass keiner der großartigen Sportler
Russlands an den olympischen Spielen
teilnehmen konnte?
Wir haben sie schmerzhaft vermisst!
Was für ein Bild gibt das ab,
wenn vor allem China und USA
Medaillen einheimsen,
als gäbe es in Russland keinen Sport mehr,
weil alle Athleten ihre Kraft im Krieg
verschwenden müssen?

 

Lieber Bruder Wladimir!
Ich verstehe dich nicht:
Wachsen vor Deinen Fenstern
keine Bäume?
Blühen in deinen Gärten
keine Blumen?
Spielen um Deine Füße
keine Katzen oder Hunde?
Hat die göttliche Natur
kein Mitspracherecht in Deinem Reich
neben Raketen und Panzern,
und Rauch und Feuer?

Lieber Bruder Wladimir?
Ich verstehe dich nicht:
Warum säst Du Minen
und zerschossenes Eisen
in die weiten Felder,
deren Korn die Welt ernähren soll?
Was bleibt da zu ernten,
wenn sich kein Bauer und keine Maschine
mehr hineinwagt
in das todbringende wogende Ähren-Meer?

Lieber Bruder Wladimir?
Ich verstehe dich nicht:
Warum beschneidest Du
den Malern, Dichtern und Musikern
die Phantasie?
Beschnittene Werke
haben keine Wahrheit,
die will keiner mehr lesen und hören und sehen -
weltweit.

Lieber Bruder Wladimir!
Im Schatten einer Linde sitze ich,
und ein Wind geht durch die Zweige,
und der Atem der Welt,
der auch bei dir weht,
streichelt mein Gesicht.
Ich verstehe dich nicht:
Warum schenkst Du der Erde nicht
endlich den Atem des Friedens,
den sich alle Menschen ersehnen?
Du selbst nicht auch?

Pfarre Hans-Ulich Carl, Baden-Baden, am 15. August 2024




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