Gastkommentar
Der Anfang vom Ende der fossilen Herrschaft – Gastkommentar von Franz Alt
Gastkommentar von Franz Alt
04.05.2026, 00:00 Uhr
Baden-Baden In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht goodnews4.de Beiträge von Gastkommentatoren. Zum engeren Kreis gehören der Baden-Badener Bestsellerautor Franz Alt, Thomas Bippes, Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der SRH Fernhochschule – The Mobile University, der sich insbesondere den Themen der Digitalisierung, IT und Künstlichen Intelligenz zuwendet.
Franz Alt ist Journalist und Bestsellerautor und lebt in Baden-Baden. Er ist Herausgeber von www.sonnenseite.com.
Kommentar: Franz Alt Vor fünf Jahren, 2021, urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass Deutschland mehr Klimaschutz benötige. Daraufhin beschloss die damalige Bundesregierung, Deutschland müsse nicht erst 2050, sondern bereits 2045 klimaneutral werden. Ist dieses Ziel erreichbar? Dazu ist der komplette Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbarer Energie nötig.
30 Weltklimakonferenzen haben es bisher nicht geschafft, den Ausstieg aus den Fossilen auch nur unmissverständlich zu formulieren. Soeben hat der „Europäische Klimazustandsbericht“ festgestellt, dass sich Europa doppelt so schnell erwärmt wie der gesamte globale Rest der Welt: Flüsse heizen sich immer schneller auf, Wälder brennen immer häufiger, die Oberflächentemperaturen sind höher als je zuvor. Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent unseres Planeten.
Der Lichtblick in dieser Düsternis: Fast 60 Staaten haben sich soeben auf der ersten Konferenz zu Abkehr von fossilen Energien in Kolumbien getroffen, darunter auch Deutschland, aber nur durch einen Staatssekretär vertreten. Diese Länder verstehen sich als Vorreiter einer solaren Weltenergiewende..
Es sind diese Themen, die bei der TAFF (Transitioning away from Fossil Fuels) im Mittelpunkt standen: Ein gerechter Wandel, den globalen Süden mitnehmen, die Chancen der Erneuerbaren Energien nutzen. Und: nicht diskutieren, ob man aus Kohle, Gas und Öl aussteigt, sondern wann und wie.
Auf Ebene der UN-Klimaverhandlungen war dieser Ausstieg aus fossilen Energien zuletzt nicht mehr gelungen. Für Klimaforschende ein untragbarer Zustand. «Es ist so frustrierend, dass es 30 Klimakonferenzen gab, die nicht mal die Gründe diskutiert haben, warum wir in der Klimakrise stecken», sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Auf der Konferenz in Kolumbien legte Frankreich einen konkreten Ausstiegsplan vor: 2030 soll Schluss sein mit Kohle, 2045 Schluss mit Öl und 2050 Schluss mit Gas. Spanien konnte große Erfolge beim Bau von Windrädern melden und Pakistan gar ein Solarrevolution, das Land konnte in den letzten zwei Jahren den Anteil der Solarenergie verdreißigfachen.
Die aktuelle Energiekrise, verursacht durch die Blockade der Straße von Hormus, kurbelt den weltweiten Klimaschutz ebenso an wie die TAFF-Konferenz in Kolumbien. Denn viele Länder setzen gerade wegen dieser Krise nun auf den schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien. Sie erkennen, dass die Erneuerbaren die Straße von Hormus niemals brauchen. Für die internationale Klimapolitik ist diese Krise ein neue Chance. Auch der deutsche Umweltminister Carsten Schneider setzt auf diese Chance in der Krise. Denn Energiesysteme, die auf herkömmliche Energieressourcen setzen, sind extrem verwundbar, abhängig und sie werden immer teurer.
Wir stehen an einem Scheideweg: Wir können den raschen Umstieg auf erneuerbare Energien zu einem modernen, klimaneutralen Land rasch schaffen und damit Wohlstand, Stabilität und Zukunftsfähigkeit sichern oder wir verharren weiter in den alten fossilen Strukturen, bleiben abhängig von den fossilen Tyrannen, die uns kontrollieren und riskieren nicht nur unsere Demokratie, sondern auch unsere Wirtschaft.
Jedes weitere Zögern kostet uns ein Stück Zukunft. Noch liegt die Entscheidung bei uns. Worauf warten wir? Alle Technologien, die wir für die Energiewende brauchen, sind ausgereift und sie werden immer preiswerter während die Preise für die alten fossil-atomaren Technologien ins Unermessliche steigen.
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