Gastkommentar
Die Überlebensfrage der Menschheit – Gastkommentar Franz Alt
Gastkommentar von Franz Alt
13.07.2026, 00:00 Uhr
Baden-Baden In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht goodnews4.de Beiträge von Gastkommentatoren. Zum engeren Kreis gehören der Baden-Badener Bestsellerautor Franz Alt, Thomas Bippes, Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der SRH Fernhochschule – The Mobile University, der sich insbesondere den Themen der Digitalisierung, IT und Künstlichen Intelligenz zuwendet.
Franz Alt ist Journalist und Bestsellerautor und lebt in Baden-Baden. Er ist Herausgeber von www.sonnenseite.com.
Kommentar: Franz Alt Die Bundesregierung betont immer wieder, dass sich die Politik an der Realität orientieren müsse – doch warum tut sie das gerade beim Klimaschutz und bei der aktuellen Hitzewelle nicht?
Die Hitzeperiode Ende Juni 2026 hat in Deutschland neue Höchstwerte erreicht und war auch bezüglich der Wochenmitteltemperatur außergewöhnlich heiß. Das zeigt der neue Wochenbericht zur Hitzemortalität, den das Robert Koch-Institut (RKI) am 9.7.2026 veröffentlicht hat. Das vom RKI entwickelte Hitzemodell schätzt, dass diese Hitzeperiode bisher zu etwa 5.100 hitzebedingten Sterbefällen in Deutschland führte. Und das ist erste der Anfang.
Die gesamte Klimawissenschaft geht davon aus, dass sich die Hitzewellen in den nächsten Jahren verstärken werden und es künftig weit mehr heiße Tage geben wird als 2026. Klimaforscher gehen davon aus, dass ohne mehr wirksamen Klimaschutz bis zum Ende des Jahrhunderts die Zahl der Tage mit über 30 Grad Hitze von heute 20 auf 70 pro Jahr steigen wird. Die vergangenen Tage haben eine Entwicklung bestätigt, vor der die Wissenschaft seit vielen Jahren gewarnt hat.
Warum aber verdrängt und verschweigt der Bundeskanzler wie auch seine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dieses Thema bei allen Auftritten im Bundestag? Und warum wird gerade in diesen Tagen durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetzerlaubt, auch künftig Öl und Gas zu verheizen und warum beschließt die Bundesregierung gerade jetzt, ab 2027 die Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen zu streichen? Diese Vergütung war bisher durch die Förderung über das Energie-Einspeise-Gesetz sehr erfolgreich.
Erneuerbare Energien sind Freiheits- und Friedensenergien
3,5 Millionen Dachanlagen sind auf privaten Dächern installiert. So gelingt die Energiewende bürgernah und kosteneffizient auf Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern, Kirchendächern, bei Handwerksbetrieben und Wohnungsbaugesellschaften. Doch dafür braucht es auch in Zukunft klare Regeln und keinen politischen Zickzack-Kurs. Über kleine Solaranlagen kann umweltfreundlicher Strom zwischen fünf und 12 Cent pro Kilowattstunde produziert werden, der Strom aus der Steckdose kostet um die 40 Cent. Das reduziert Importabhängigkeiten und macht das Energiesystem widerstandsfähiger und preiswerter.
Richtig ist freilich auch, dass wir, um den hundertprozentigen Umstieg auf Erneuerbare zu organisieren, mehr Speicher und einen schnelleren Netzausbau sowie eine raschere Digitalisierung der Energieversorgung brauchen. Und zudem Anreize, den Strom dann zu nutzen, wenn Wind und Sonnenenergie vorhanden sind. Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Klimaanpassung.
Doch auch hier drückt sich die Bundesregierung um ihre Verantwortung, indem sie erklärt, für Klimaanpassung seien die Länder und die Kommunen zuständig. Doch denen fehlt dafür das Geld und das Personal. Sie brauchen Sonnenschutz, begrünte Höfe, Fassaden und Dächer, kühle Krankenhäuser und Schulen sowie Pflegeeinrichtungen mit Kühlsystemen, mehr Bäume und Trinkwasserbrunnen. Wer dies zu den Aufgaben der Kommunen erklärt, muss sie auch dafür finanziell ausrüsten. Die Klimakrise ist auch eine soziale Aufgabe.
Bei allen gegenwärtigen nationalen und globalen Krisen sollte uns klar sein: Die Klimakrise ist die Überlebensfrage der Menschheit.
Die vielen Hitzetoten sind ein Weckruf und eine Warnung für alle Politiker, die hierzulande gegenwärtig programmatisch auf dem Schlauch stehen. Der Fokus auf Gaskraftwerke, länger private Öl- und Gasheizungen statt Wärmepumpen und ein Haushalt, der beim Klimaschutz kürzt, das zerstört die Klimawende.
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