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Trauerbuche in der Lichtentaler Allee

Hommage auf den traurigsten Baum Baden-Badens – Von Christian Frietsch

Hommage auf den traurigsten Baum Baden-Badens – Von Christian Frietsch
Die Trauerbuche in der Lichtentaler Allee ist 160 bis 200 Jahre alt. Am 23. März wird ihre Krone entfernt, um den Baum zu retten.

Baden-Baden, 16.03.2019, Christian Frietsch Wer nicht glauben will, dass Bäume eine Seele haben, sollte den mächtigen Baum unweit des Museums LA8 in der Lichtentaler Allee besuchen. Aus tiefen, traurigen Gesichtszügen blickt dort die Trauerbuche seit dem vorletzten Jahrhundert in die Allee hinein, wo sich längst verblichene Kaiser, Fürsten, Präsidenten, Dichter und Komponisten für unsterblich hielten.

Niemand weiß so genau seit wie vielen Jahren der traurigste Baum der Stadt uns nun schon begleitet. Vielleicht schon seit 200 Jahren. Gerade als die erste vergessene badische Verfassung geschrieben wurde, und vielleicht hat die Trauerbuche mit beobachtet wie kurz davor 6.000 Badener für Napoleon nach Russland in den Krieg ziehen mussten. Und jene Baden-Badener unserer Tage, die in ihren Kinderjahren den damals schon betagten, aber stattlichen und gesunden Baum erleben durften, erinnern sich, wie duldsam und ohne Groll der melancholische Riese es hinnahm, wenn sie sich schreiend und tobend bis in seine Wipfel empor hangelten.

Nun ist die Trauerbuche schwer erkrankt und wird ihren stolzen Wipfel verlieren, um damit einen Teil des Baumes, aber seine ganze Seele zu retten. Und wenn das nicht gelingen sollte, gibt es bestimmt auch einen Platz im Himmel, wo alle Bäume versammelt sind, die sich erzählen, dass es auf der Erde tatsächlich auch Menschen geben soll, die an die Seele der Bäume glauben. Einer dieser seltenen, gefühlvollen Menschen sei als Gartenamtschef in Baden-Baden beschäftigt, nicken sie sich mit ihren Baumkronen gegenseitig zu und schauen gespannt auf die Erde hinunter. Gemeinsam verfolgen sie das Ringen um das Leben der alten Trauerbuche in der Lichtentaler Allee.


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