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Tourismuszahlen 1. Halbjahr 2019

Kein "good-good life" für Baden-Badener Tourismus – Zahl der Übernachtungsgäste weit hinter Landesdurchschnitt – Kur und Tourismus GmbH rechtfertigt Minus mit Maßnahmen gegen "Overtourism"

Kein "good-good life" für Baden-Badener Tourismus – Zahl der Übernachtungsgäste weit hinter Landesdurchschnitt – Kur und Tourismus GmbH rechtfertigt Minus mit Maßnahmen gegen "Overtourism"
In Baden-Württemberg stiegen die Gästeübernachtungen im ersten Halbjahr 2019 um fast das Vierfache als in Baden-Baden. Foto: Archiv

Baden-Baden, 13.08.2019, 00:00 Uhr, Bericht: Christian Frietsch In Baden-Württemberg stiegen die Übernachtungszahlen im ersten Halbjahr 2019 um fast das Vierfache als in Baden-Baden. Die «Statistischen Berichte» für Handel und Gastgewerbe, die gestern das Statistische Landesamt in Stuttgart veröffentlichte, zeigen für den Monat Juni und das ganze erste Halbjahr ein eher düsteres Bild für Baden-Baden.

Baden-Baden muss sich mit einer Steigerung von nur 1,0 Prozent bei den Übernachtungen zufrieden geben und liegt damit weit unter dem Landesdurchschnitt von 3,8 Prozent. Die Rechtfertigung der Kur und Tourismus GmbH für die vergleichsweise schlechten Baden-Badener Tourismuszahlen dürften einige Diskussionen auslösen.

Auf goodnews4-Anfrage erklärte das Büro der in Urlaub weilenden Nora Waggershauser, es könne «nicht im Sinne der Bürger als auch der Gäste Baden-Badens sein, einen ‘Overtourism’ herbeizuführen». Offenbar deutete die Kur und Tourismus GmbH die Zahlen aus Stuttgart gänzlich falsch. Es handelt sich um die Zahlen der willkommenen Übernachtungsgäste und nicht um den umstrittenen Tagestourismus.

Von den drei Stadtkreisen und klassischen badischen Touristenmetropolen Baden-Baden, Heidelberg und Freiburg musste nur Baden-Baden im Juni 2019 einen deutlichen Rückgang von minus 4,4 Prozent bei der Ankunft von Gästen im Vergleich zum Juni des Vorjahres hinnehmen, was mit einem Minus von 1,8 Prozent an Übernachtungen einherging. Freiburg konnte seine Ankünfte um 4,0 Prozent steigern, Heidelberg musste sich mit einem etwas geringeren Plus von 1,7 Prozent zufrieden geben. Beide Städte konnten aber bei den Übernachtungen entsprechend zulegen. Offenbar erfolgreich sind auch die badischen Tourismus-Regionen, die ihre klassischen Stärken pflegen. Freudenstadt konnte um 4,7 Prozent, der Ortenaukreis sogar um 18,6 Prozent im Juni 2019 die Ankünfte von Gästen im Vergleich zum Vorjahresmonat steigern.

Doch nicht nur der Juni liefert bedenkliche Zahlen. Bei den kumulierten Werten von Januar bis Juni 2019 beim Kriterium Übernachtungen zeigt sich noch deutlicher, dass Baden-Baden bei der Steigerung von Ankünften und bei den Übernachtungszahlen weit unter dem Durchschnitt in Baden-Württemberg liegt. Mit 3,8 Prozent liegen die Steigerungen der Übernachtungszahlen im Land fast vier Mal so hoch wie in Baden-Baden. Im direkten Vergleich mit den Tourismusmetropolen sieht der Wert, der in den Hotel und sonstigen Herbergen die Kassen klingeln lässt, noch schlechter aus. Freiburg konnte seine Übernachtungszahlen von Januar bis Juni 2019 gegenüber dem Vorjahr sogar um 6,2 Prozent steigern und Heidelberg legte um 4,8 Prozent zu. Auf goodnews4-Anfrage erklärte gestern die Kur- und Tourismus GmbH: «Im Monat Juni 2018 gab es ein überdurchschnittliches Wachstum von 13 % bei den Gästeübernachtungen, die sich in diesem Jahr durch die normalen Ausgleichsbewegungen wieder auf ein Normalmaß verringert haben.»

Noch ist es wohl zu früh, um die auf die «hippe» Zielgruppe getrimmte Kommunikationsstrategie von Tourismus-Chefin Nora Waggershauser für den Misserfolg des Baden-Badener Tourismusangebotes verantwortlich zu machen. Jedenfalls scheint klar, dass die Partylöwen überwiegend als Tagesgäste und nicht als Übernachtungsgäste nach Baden-Baden kommen. Doch das oberflächliche «good-good life»-Image dürfte an der Stimmung dieser Welt vorbeigehen. Das mit Baden-Baden nur schwer assoziierbare Party-Image vertreibt womöglich jene vornehmen und betuchten Gäste, die nach Baden-Baden kommen, um diskret zu genießen. Mit Instagram-Prahlereien und röhrenden Motoren passt das nicht zusammen.


Das schriftliche goodnews4-Interview mit der Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH

goodnews4: Nach der Auswertung des Statistischen Landesamtes der «Statistischen Berichte» zum Tourismus in Baden-Württemberg gingen die Ankünfte in Baden-Baden im Juni 2019 zum Vergleichswert des Vorjahres um 4,4 Prozent zurück, entsprechend auch die Übernachtungszahlen. Bei den kumulierten Werten Januar bis Juni 2019 beim Kriterium Übernachtungen liegt Baden-Baden (+1,0) deutlich unter dem Landesdurchschnitt (+3,8). Worin sehen Sie die Ursachen für dieses Ergebnis?

Kur und Tourismus GmbH: Seit Jahren setzt sich die Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH auf die kontinuierliche Steigerung der Gästeübernachtungen unter dem Motto «Qualität vor Quantität». In den letzten Jahren konnte Baden-Baden fortlaufend höhere Zuwächse an Gästeübernachtungen verzeichnen – wie auch im ersten Halbjahr 2019 in geringem Maße.
Im Monat Juni 2018 gab es ein überdurchschnittliches Wachstum von 13 % bei den Gästeübernachtungen, die sich in diesem Jahr durch die normalen Ausgleichsbewegungen wieder auf ein Normalmaß verringert haben. Da Baden-Baden sich nach wie vor auf Qualität fokussiert, ist die Massenstrategie nicht in unserem Sinne.

goodnews4: Von den klassischen badischen Tourismusstädten und Stadtkreisen Baden-Baden, Freiburg und Heidelberg rutschte nur Baden-Baden deutlich unter den Landesschnitt bei den kumulierten Übernachtungszahlen Januar bis Juni 2019 im Vergleich zum Vorjahr. Freiburg steigerte seine Übernachtungszahlen um 6,2 und Heidelberg um 4,6 Prozent. Glauben Sie, dass Baden-Baden im zweiten Halbjahr noch aufholen kann?

Kur und Tourismus GmbH: Auch Freiburg und Heidelberg hatten im vergangenen Jahr ein überdurchschnittliches Wachstum, das sich in diesem Jahr im gleichen Maße verringert hat wie in Baden-Baden. Wie bereits mehrfach betont, kann es nicht im Sinne der Bürger als auch der Gäste Baden-Badens sein, «Overtourism» herbeizuführen.


Bild Tourismuszahlen 1. Halbjahr 2019

Bild Tourismuszahlen 1. Halbjahr 2019



Hinweis des Statistischen Landesamtes zu den erhobenen Zahlen:

Bei den hier veröffentlichten Zahlen handelt es sich um vorläufige Ergebnisse, die sich aufgrund nachträglicher Meldungen im Jahresverlauf noch verändern können. Die monatliche Darstellung wird ergänzt durch weitere Veröffentlichungen.
Die monatliche Tourismusstatistik bezieht sich auf Einrichtungen für die vorübergehende Beherbergung von Gästen.
Seit Januar 2012 werden Beherbergungsstätten mit mindestens zehn Schlafgelegenheiten sowie Campingplätze mit mindestens zehn Stellplätzen erfasst. Zuvor galt eine niedrigere Abschneidegrenze von neun und mehr Schlafgelegenheiten (bei Campingplätzen von drei und mehr Stellplätzen). Kleinbetriebe mit weniger Schlafgelegenheiten bzw. Stellplätzen sind in der Darstellung ebenso wenig enthalten wie das Dauercamping bei den Campingplätzen.
Darüber hinaus sind weitere methodische Änderungen zu berücksichtigen, die den längerfristigen Zeitvergleich einschränken. So werden die Ergebnisse seit 2004 für alle erhobenen Beherbergungsbetriebe (Beherbergungsstätten und Campingplätze) zusammen nachgewiesen, während sich die veröffentlichten Gesamtergebnisse zuvor ausschließlich auf die Beherbergungsstätten bezogen.


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