Leserbrief
Lesebrief „Meine Meinung“ – „Dönerbuden, Nagelstudios…“ – „Löwenbräuwirt Brandau legt Finger in die Wunde“
Baden-Baden, 04.10.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung zu dem goodnews4-Bericht Ein weiteres Kapitel der Baden-Baden-Saga – Mike Brandau, der Oberbürgermeister und das Mysterium von Barbershop und Nagelstudio.
Der Leitartikel in den goodnews4 vom 28.09.2024 «Rasende Transformation in der Innenstadt» schreckt auf. Dass ausgerechnet in einer Welterbestadt wie Baden-Baden mit einem überdurchschnittlich hohen Einkommen und überdurchschnittlich hohem Lebensalter der Bewohner sich Nagelstudios, Barbershops, Döner- und Pizzaläden, Kosmetikstudios, Tattoo-Studios und Handyläden immer mehr ausbreiten, macht stutzig und deutet auf einen weiteren Kulturniedergang hin. Dass in diesen Bereichen überdurchschnittliche Gewinnmargen locken, ist bekanntermaßen nicht der Fall. Also was ermutigt die Jungunternehmer, sich ausgerechnet mit den bezeichneten Geschäftsprojekten in die Selbstständigkeit zu wagen? Die Antwort ist eigentlich relativ leicht zu finden: man muss weder viel gelernt haben, noch irgendwelche handwerklichen Ausbildungen oder Prüfungen nachweisen und der deutschen Sprache muss man auch nur bruchstückhaft kundig sein.
Ob allerdings die Vermieter mit ihrer neuen Strategie, ihre Läden an Habenichtse ohne finanziellen Background zu vermieten, glücklich werden, wird sich noch weisen. Es gibt und gab in Baden-Baden dutzende Neueröffnungen, die innerhalb von 6 Monaten wieder schließen mussten. Wahrscheinlich unter Hinterlassung beträchtlicher Mietschulden.
Jedenfalls hat der Löwenbräuwirt Brandau mit seiner Aktion den Finger in die offene Wunde gelegt in der Hoffnung, dass diesbezüglich ein Umdenken bei den zuständigen städtischen Stellen eintritt und diesem Unfug ein Ende gemacht, bzw. er zumindest eingegrenzt wird.
Generell besteht die Gefahr, dass Menschen und Unternehmen wegziehen wenn die Infrastruktur nicht mehr stimmt. Und mit Infrastruktur sind nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel gemeint, sondern auch vernünftige Einkaufsmöglichkeiten, solide Gastronomien, Schulen, ein Krankenhaus und Freizeitmöglichkeiten. Mit diesem Problem haben viele Kleinstädte zu kämpfen. Nur Baden-Baden scheinbar nicht, wenn man den bezahlten Jubelperser-Redakteuren des örtlichen Printmediums glauben darf, die in ihrer Verzweiflung um Weiterbeschäftigung jeden noch so großen Miste der Stadtverwaltung hochjubeln, als seien diese Entscheidungen für internationale Auszeichnungen vorgesehen. Kein Wort von denen zu den Versäumnissen der Stadt, die ja wirklich in reichem Maße vorhanden sind und irgendwann zu dem gleichen Ergebnis führen werden, wie sie in anderen Kleinstädten schon eingetreten sind. Vor dem Hintergrund der Haushaltssperre wird sich diese Tendenz noch verstärken.
Es wäre der Stadt deshalb dringend angeraten, Ansiedelungen von Firmen wie den oben genannten zumindest in den 1a-Geschäftslagen der Stadt zu verhindern, was rechtlich durchaus möglich wäre, wie das Beispiel Heilbronn zeigt. Aber die mit über 1.800 Mitarbeitern angeblich chronisch unterbesetzte Stadtverwaltung wird wie üblich erst tätig, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen, bzw. ertrunken ist. Es kann doch nicht sein, dass zum Beispiel die Weltkulturerbestadt Schwerin 32 Kulturstätten aufweist und die Weltrbestadt Baden-Baden dafür 32 Ramschläden der oben bezeichneten Sorte.
Martin Müller-Petersen
Baden-Baden
Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.
PDF «Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de
Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.







