Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „0,6 Prozent allen Ernstes ‚sehr zufriedenstellend‘“ – „Erhebliche Zweifel an der Eignung für diese verantwortungsvolle Position“
Baden-Baden, 15.04.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Rainer Sauters Stellung zu dem goodnews4-Bericht Baden-Badener Übernachtungszahlen steigen um 0,6 Prozent – Nora Waggershauser: «Sehr zufrieden» – Welterbestadt Erfurt plus 9,0 – Kulturstadt Weimar plus 8,7.
Es ist kaum nachvollziehbar, wie die Tourismuschefin Nora Waggershauser eine Steigerung der Übernachtungszahlen in Baden-Baden um lediglich 0,6 Prozent allen Ernstes als «sehr zufriedenstellend» bezeichnen kann. Eine derartige Bewertung zeugt nicht von Erfolg, sondern von Realitätsferne – und wirft erhebliche Zweifel an der Eignung für diese verantwortungsvolle Position auf.
Jahrelang wurde die schwache Entwicklung mit fehlenden Hotelkapazitäten entschuldigt. Dieses Argument ist spätestens seit dem vergangenen Jahr hinfällig: Mit der Wiedereröffnung großer 5-Sterne-Häuser wie dem Europäischen Hof und dem Brenners Parkhotel ist die Bettenkapazität um über zehn Prozent gestiegen. Dass sich dieser massive Zuwachs lediglich in einem Plus von 0,6 Prozent niederschlägt, ist daher ein Armutszeugnis.
Wenn man bedenkt, dass bei den Übernachtungszahlen noch die Übernachtungen der Kliniken in Baden-Baden inkludiert sind, relativiert dies das Ergebnis noch mehr.
Offenbar wurden zusätzliche Hotel-Übernachtungen lediglich an ohnehin stark ausgelasteten Spitzentagen generiert, während die Belegung an vielen anderen Tagen sogar deutlich zurückgegangen sein dürfte. Und das trotz erheblicher Marketingkampagnen der neu eröffneten Häuser. Wenn selbst solche Impulse kaum Wirkung zeigen, stellt sich unweigerlich die Frage nach der grundsätzlichen Tourismus-Strategie.
Noch gravierender ist, dass Baden-Baden weiterhin deutlich hinter dem Vor-Corona-Niveau zurückbleibt – während deutschlandweit neue Rekorde bei den Übernachtungszahlen erzielt werden. Dass man sich in dieser Situation selbstzufrieden zurücklehnt, ist nicht nur irritierend, sondern schlichtweg unangebracht.
Nicht nur die Hotels in Baden-Baden sind immer weniger ausgelastet, die fehlenden Übernachtungsgäste gefährden auch die Existenz des Einzelhandels und somit unserer Innenstadt.
Völlig unverständlich ist zudem die derzeitige Marketingstrategie der Baden-Baden Tourismus GmbH. Wer öffentliche Mittel in Plattformen wie «Secret Escapes» lenkt, auf denen Kettenhotels mit Rabatten von bis zu über 50 Prozent auftreten, betreibt aktiv eine Abwertung der eigenen Destination. Ist das wirklich das Niveau, auf das Baden-Baden herabgestuft werden soll? Und warum werden hier wieder einmal ausschließlich große Kettenhotels beworben, und inhabergeführte Hotels, die das Profil dieser Stadt prägen, bei solchen Maßnahmen systematisch benachteiligt, weil ausgeschlossen?
Die demonstrative Zufriedenheit der Verantwortlichen angesichts dieser Entwicklung ist fehl am Platz. Wer bei einer derart schwachen Bilanz von «sehr zufriedenstellend» spricht, hat entweder die Maßstäbe verloren – oder die Situation nicht verstanden.
Baden-Baden braucht keine Schönfärberei, sondern endlich eine ehrliche Analyse und eine Tourismusstrategie, die diesen Namen auch verdient.
Herr Oberbürgermeister packen Sie es an …
Rainer Sauters
Baden-Baden
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