Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Aber besser als Bustouristen ist diese Klientel allemal“ – „Exklusive Läden und Hotels contra Tagestouristen“

Baden-Baden, 10.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Wolfgang Holstein Stellung zu dem goodnews4-Bericht ChatGPT sieht große Chancen für Kurort Baden-Baden – „Gezielte Werbung in wachstumsstarken Märkten als führende Gesundheitsdestination“ – „Baden-Baden könnte ein Zentrum für Kurmedizin und Präventionsforschung werden».

So sollte es in der ganzen Innenstadt der Welterbestadt Baden-Baden aussehen, um wieder die elitären Touristen anzulocken, die bis vor einigen Jahren Baden-Baden in großer Zahl besucht haben, nun aber aus verschiedenen Gründen ausbleiben.

Es gibt in Baden-Baden seit Neuestem eine exklusive Shoppingpreziose und zwar am Anfang der Lichtentaler Straße vom Goldenen Kreuz am Augustaplatz bis zum Leopoldplatz. Auf beiden Straßenseiten reiht sich ein exklusives Geschäft an das andere. Juweliere, Mode, hochwertige Uhren, das überregional bekannte Cafè König, Steinway Flügel, Inneneinrichtung bis hin zu einem Showroom für Aston-Martin-Fahrzeuge gibt es reichlich Gelegenheit, die Wünsche exklusiver Touristen zu erfüllen. Natürlich gibt es auch noch andere exklusive Geschäfte in Baden-Baden u.a. in den Kurhaus-Kolonaden, aber die verteilen sich über die ganze Innenstadt und gehen in der Nachbarschaft von billigen Ramschläden, Imbissbuden, Barber-Shops, Tattoo-Läden und Nagel-Studios unter, die sich in letzter Zeit immer mehr ausbreiten. Zwar kann man aufgrund des miesen, teils denkmalgeschützten Baubestands in der Innenstadt keine tollen Shopping-Malls etablieren, wie das in anderen Städten möglich ist, aber etwas mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Ladenmieter wäre durchaus angebracht.

 

Weder die Stadtverwaltung noch irgendwelche Vereine haben Einfluss auf die Vermietung von Ladenflächen, aber an die Hausbesitzer könnte man appellieren, bei der Auswahl ihrer Mieter nicht nur aufs Geld, sondern auch auf die Qualität der angebotenen Waren zu achten. Vielleicht könnte ja auch die Stadt dem Hausbesitzer bei geeigneter Vermietung ein «Zuckerl» gleich welcher Art zukommen lassen. Möglichkeiten hierfür gibt es viele, denn jeder Hausbesitzer braucht früher oder später die Hilfe oder eine Genehmigung von der Stadtverwaltung.

Soweit der schöne Plan, der aber leider völlig konträr zum Wunsch der Stadtverwaltung bzw. der Tourismus-Chefin Waggershauser verläuft, denen eine volle Stadt wichtiger ist als volle Hotels, was durch die rückläufigen Übernachtungszahlen eindrücklich bewiesen wird. Da es dieser erfolglosen städtischen Institution nicht gelingt, «gute» Touristen nach Baden-Baden zu locken (mit was auch?), klopft man sich beim zunehmenden Bustourismus auf die Schulter. Diese Tagestouristen bringen zwar kaum Geld in die Ladenkassen und schon gar nicht in die Luxusgeschäfte, tragen aber zum Ärger der Einheimischen bei, indem sie eigentlich nur im Weg stehen.

Diese, von besagter Institution verfolgte Strategie hätte man allerdings fairerweise den Hotelbetreibern darlegen müssen, bevor diese für viele Millionen Euro ihre Hotels aufwändig sanieren ließen (Europäischer Hof, Brenners Parkhotel, Badischer Hof). Denn von den favorisierten Bus-Tagesgästen übernachtet niemand in Baden-Baden und schon gar nicht in Hotels der vorgenannten Kategorie zu Preisen zwischen 300 und 600 Euro pro Nacht.

Musste man schon in der berühmten Rennwoche feststellen, dass die Hotelaufenthalte/Übernachtungen dadurch verkürzt werden, dass die Anreisen kurzfristig und die Abreisen am letzten Veranstaltungstag erfolgt, zeigt sich in gleicher Form auch beim Rückversichererkongress. Ohnehin werden mehrtägige Veranstaltungen/Kongresse immer seltener, alle Firmen haben den Rotstift angesetzt und sparen unter anderem bei den Reisekosten.

Es bleibt leider immer noch die Frage offen: Quo vadis Baden-Baden? Es gibt offensichtlich keine Strategie wie man Baden-Baden weiter entwickeln möchte. Hilfloses Herumgewurstel ist Programm und man belässt es bei mehr oder weniger erfolgreichen Veranstaltungen, die es teils schon seit Jahrzehnten gibt und die zum überwiegenden Teil von privater Seite organisiert werden. Im Besonderen das Festspielhaus mit seinen internationalen Darbietungen. Hier wurden von Sponsoren und dem Freundeskreis seit Bestehen über 18 Millionen Euro privat investiert. Der Kauf des Festspiel-Gebäudes durch die Stadt erfolgte mit Steuergeldern und damit letztlich auch mit privatem Geld. Und auch die berühmten diversen Rennveranstaltungen sind rein privat initiiert. Und so ähnlich ist es bei vielen anderen kleineren privat finanzierten Veranstaltungen wie z.B. das Oldtimer-Treffen.

Es hat lange genug gedauert bis man hier gemerkt hat, dass es in Baden-Baden nichts zu «kuren» gibt und nun hat man den Zusatz Kur bei der Bezeichnung Kur & Tourismus GmbH gestrichen. Ein weiteres Armutszeugnis für diese überflüssige Institution. Das Geld für diese kostenträchtige Abteilung der Stadt kann man sich wirklich sparen!

Es bedarf mehrtägiger internationaler Veranstaltungen und Kongresse, bei denen die Teilnehmer in den hochwertigen Hotels übernachten und deren Ehefrauen/Freundinnen für die erforderlichen Umsätze in den Luxus-Boutiquen sorgen. Derartige Veranstaltungen und deren Teilnehmer nach Baden-Baden zu holen, bedarf jedoch nicht nur guter persönlicher Beziehungen, sondern auch eines gewissen Niveaus und das in der Stadtverwaltung von Baden-Baden zu finden dürfte schwierig werden. Mit etwas Glück könnten vielleicht auch die neuen Flugverbindungen der Ryanair zu einem geringen Incoming-Tourismus beitragen, auch wenn deren Herkunfts-Destinationen nicht unbedingt als Jetset-Paradiese bekannt sind. Aber besser als Bustouristen ist diese Klientel allemal, da der FKB kein Umsteigeflughafen ist und somit zumindest die eine oder andere Übernachtung erwartet werden kann.

Wolfgang Holstein
Baden-Baden


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