Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Anstieg Messerangriffe um fast 24 Prozent im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg diskutiert“ – „Mangelhaft entwickelte Affektkontrolle“

Baden-Baden, 11.07.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht 110 Messerangriffe – «Sicherheitsdialog» mit Polizeipräsident Rieger, Baden-Badener OB Späth und Rastatter Landrat Dusch – «Mitführen von Messern im öffentlichen Raum verhindern».

Nach dem tödlichen Messerangriff auf den Polizisten Rouven Laur wurde bei einem «Sicherheitsdialog» mit Polizeipräsident Rieger, Vertretern der Landratsämter Offenburg und Rastatt sowie OB Späth auch über den Anstieg der Messerangriffe um fast 24 Prozent im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg diskutiert. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland fast 9.000 Messerangriffe (Anstieg von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr) registriert. Die Hälfte der Tatverdächtigen von Gewaltdelikten hat keinen deutschen Pass. Beim «Sicherheitsdialog» wurde auch ein Verbot des Mitführens von Messern im öffentlichen Raum als positiver Präventionsansatz hervorgehoben.

 

So begrüßenswert diese Idee ist, wird sie die der Messergewalt zugrunde liegenden Probleme NICHT lösen, da hier Ursache mit Werkzeug verwechselt wird. Wenn man sich in der Küche mit dem Messer in den Finger schneidet, ist auch nicht das Messer schuld, sondern die eigene Unachtsamkeit. So liegen die Ursachen der explodierenden Zahl der Messerangriffe auch nicht in der Verfügbarkeit von Messern, sondern (neben einigen sozialen Faktoren) vor allem in einer bei vielen Einwanderern mangelhaft entwickelten Affektkontrolle.

Der jüdische Soziologe Norbert Elias hat 1939 in seinem Buch «Über den Prozess der Zivilisation» die Entwicklung der Affektkontrolle als einen in der frühen Neuzeit für die Entwicklung einer komplexen und arbeitsteiligen Gesellschaft unverzichtbaren Prozess beschrieben. Dabei lernen Menschen, spontane Impulse zurückzuhalten und die Wirkungen des eigenen Handelns zu überdenken. Es geht darum, Frustrationstoleranz und Selbstbeherrschung zu entwickeln, Triebe wie Wut und Gier zu beherrschen und auf planvolles Handeln zu kanalisieren. Eine Errungenschaft dieser Entwicklung ist auch das staatliche Gewaltmonopol. Obwohl ein gewisses Maß an Affektkontrolle auch in anderen Gesellschaften vorhanden ist – man denke nur an die strenge Kontrolle von Gefühlsäußerungen in den konfuzianischen Gesellschaften Südostasiens – war die Herausbildung eines umfassenden Systems der Affektkontrolle doch auf die moderne westliche Welt beschränkt. Im Nahen Osten oder Afrika ist dies strenge zivilisatorische Korsett der Selbstbeherrschung weit weniger ausgeprägt. Das in der islamischen Welt vorherrschende und oft auch gewaltaffine, vormoderne Religionsverständnis, ein übersteigerter Ehrbegriff sowie mangelnder Respekt für die Rechte von Frauen erhöhen das Gefahrenpotential leider zusätzlich.

Es wäre also unsere psychologisch-pädagogische Aufgabe, die aus Syrien, Afghanistan, Nigeria oder dem Sudan zu uns gekommenen, meist jungen Männer auf dem Weg zur Verinnerlichung unseres westlichen Systems der Affektkontrolle zu unterstützen. Aber ist dies nicht ein Sozialisierungsprozess, den man nur in der Kindheit und später nicht mehr erfolgreich bewältigen kann? Und wie soll unsere Gesellschaft diese Aufgabe angesichts von inzwischen über 2 Millionen in Deutschland lebenden Flüchtlingen personell und finanziell stemmen? Wir können doch nicht jedem Refugee einen Sozialarbeiter und Psychologen an die Seite stellen.

Als Lösung zur Behebung der inflatoinär ansteigenden «Messermordorgien» wird uns früher oder später nur die Umsetzung der schon seit Jahren von der Partei Alternative für Deutschland , AfD eingeforderten Maßnahmen zur rigorosen Beschränkung des Flüchtlingsstroms bleiben: Konsequente Kontrollen an den deutschen Außengrenzen, Ausweisung von deutlich mehr Staaten als sichere Herkunftsländer, Abschiebung von Straftätern und Flüchtlingen ohne Aufenthaltstitel sowie der Bau von Einrichtungen zwecks Abwicklung von Asylverfahren außerhalb der EU. Auch wenn sich Grüne und SPD gegen solche Schritte momentan noch «wie der Teufel gegen das Weihwasser» sträuben, werden diese Maßnahmen bei weiterem Anstieg der Flüchtlingskriminalität früher oder später zwangsläufig kommen. Es stellt sich nur die Frage: Wie viele Menschen müssen bis dahin noch unter blitzenden Messerklingen ihr Leben lassen?

Boris Fernbacher
Baden-Baden


Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.

PDF «Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de


Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.