Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Antwort auf den Leserbrief von Dirk Walter – „Bei weitreichenden Entscheidungen nimmt man sich in Baden-Baden die chinesische Regierungsform zum Vorbild“

Baden-Baden, 30.01.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung zu dem Leserbrief von goodnews4-Leser Dirk Walter Leserbrief «Meine Meinung» – Zum Leserbrief von Martin Müller-Petersen – «Wie in China ohne irgendeine lästige Behinderung wie Anwohner, Geschäfte, Bürger, Gesetze».

Der Baufachmann und ausgewiesene China-Kenner Dirk Walter möge mir als Baulaie meine Unwissenheit nachsehen, aber mir war bisher nicht bekannt, dass man bei einer eventuellen Verkürzung der Bauzeit Umsiedelungen von Anwohnern vornehmen müsste. Und dass es zu Todesfällen kommen kann, wenn die geplante Arbeitszeit tatsächlich erfüllt werden müsste. Auch an die jährlich monatelange dicke Schneedecke am Hindenburgplatz hatte ich nicht gedacht. Ebenso wenig wie daran, dass ein Arbeiter bei den arktischen Temperaturen von aktuell 12 Grad plus im Januar erfrieren könnte, wenn er sich zu lange unbeweglich auf eine Bauschaufel lehnt. In diesem Fall sei ihm ein den gesetzlichen Vorschriften entsprechendes Begräbnis zugesichert, in der Baugrube verscharrt wird in Baden-Baden vorläufig noch niemand.

 

Aus den von Leser Dirk Walter angeführten Argumenten ist klar ersichtlich, dass man die Bequemlichkeit und das Wohlbefinden der Bauarbeiter über die Interessen der noch vorhandenen kümmerlichen Wirtschaftskraft in Baden-Baden stellen muss, da sei die Gewerkschaft vor. Sollen die Ladeninhaber doch Pleite gehen, das ist ihr selbstgewähltes unternehmerisches Risiko, da muss man derartige Behinderungen natürlich mit einplanen.

Es gäbe viele Fragen zu dieser Baustelle, angefangen von einer Ausschreibung bis hin zum Fähigkeitsnachweis und der Finanzkraft der ausgewählten Baufirmen. Aber dies erfahren könnte man nur auf einer Einwohnerversammlung und die gibt es laut Aussage des Lesers Peter Hank (goodnews4 vom 29.01.2025) in der Baden-Badener Seilschafts-Kommune natürlich nicht. Mit diesem demokratischen Teufelswerk fangen wir gar nicht erst an. Wo kämen wir denn da hin, wenn auch noch der Pöbel bei wichtigen Entscheidungen mitreden würde wie z.B. beim neuen Klinikum oder eben bei dieser Baustelle? Bei solchen weitreichenden Entscheidungen nimmt man sich in Baden-Baden dann doch lieber die chinesische Regierungsform zum Vorbild.

Und noch ein Hinweis für den Leser Walter: Sehen Sie sich mal das Gehaltsgefüge in China an! Für eine Schale Reis am Tag arbeitet dort schon lange niemand mehr. Wer so etwas sucht, ist in Indien besser aufgehoben. Dort gibt es noch Landstriche, wo im Durchschnitt 1,80 Euro pro Tag verdient werden. Aber wahrscheinlich auch nicht mehr lange, denn auch in Indien gibt es unter 1,4 Milliarden Einwohnern schon eine wohlhabende Mittelschicht von 90 Millionen Einwohnern, die über 30.000 Euro p.a. verdienen. Wenn man dann noch den indischen Altersdurchschnitt von 27 Jahren berücksichtigt und die dortige Motivation zur Bildung, dann weiß man, wer nach den USA und China der nächste Aspirant ist, der Europa in wenigen Jahren das Leben schwer machen wird.

Martin Müller-Petersen
Baden-Baden


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