Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – Antwort zum Leserbrief von Holger Nagel – „Mir ist nicht bekannt, dass reiche Russen Sozialrentner aus ihren einfachen Wohnungen gedrängt hätten“
Baden-Baden, 25.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung zu dem Leserbrief von goodnews4-Leser Holger Nagel Leserbrief «Meine Meinung» – «Abwesenheit der russischen Mitbürger und Gäste» – «Dass nur noch der schnöde Mammon zählt».
Zu der großen Moralkeule, die Herr Holger Nagel (goodnews4 vom 24.03.2025) zu meinem Leserbrief schwingt, möchte ich mir folgende Anmerkung erlauben. Es mag die Feststellung zutreffen, dass es sich nicht bei allen hier lebenden Russen um moralisch einwandfreie Personen mit tadellosem Leumund handelt, aber wer hat nach der Moral gefragt, als 1989 bei der Wiedervereinigung die Westdeutsche Industrie-Lobby mit willfähriger Hilfe der Treuhand die Wirtschaft unserer neuen Ostdeutschen Mitbürger ausgepresst hat bis aufs Blut oder gleich ganz platt gemacht hat? Wo war da die Moral? Heute wird als Entschuldigung angeführt, man habe ja an die 150 Milliarden DM aufgewendet, um die Lebensverhältnisse anzupassen. Nein, es genügt nicht, den Menschen etwas Geld in die Hand zu drücken. Man hätte die Arbeitsplätze erhalten oder zumindest neue schaffen müssen, dann hätte man heute nicht dieses Wohlstandsgefälle mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen!
Dass viele Ostdeutsche Innenstädte sich heute hervorragend restauriert präsentieren ist doch nicht dem Wohlwollen der westdeutschen Mitbürger zu verdanken, sondern einzig und allein den Bauherrn-Steuersparmodellen für westdeutsche Zahnärzte etc. Auch ist bei uns Deutschen die Moral nicht so gefestigt, wie Herr Nagel meint, was unschwer an den schwindenden Zustimmungswerten für Ukrainehilfe zu erkennen ist. Gleiches gilt für verschiedene Staaten in der EU, die mittlerweile gegen weitere Ukrainehilfen stimmen.
Und damit zurück zu Baden-Baden. Es stimmt, dass die wohlhabenden Russen «den Rubel haben rollen lassen». Aber war das zum Nachteil der Kommune? Nein, ganze Wirtschaftszweige haben gut davon gelebt, ohne nach der Moral oder der Herkunft des Geldes zu fragen. Und wer hätte denn sonst die teuren Villen und ETW gekauft? Das Heer von Arbeitslosen und Sozialrentnern in Baden-Baden bestimmt nicht! Auch ist mir nicht bekannt, dass reiche Russen Sozialrentner aus ihren einfachen Wohnungen gedrängt hätten. Es steht aus meiner Sicht jedenfalls fest, dass der vorhersehbare Niedergang von Baden-Baden, an dem eine Frau Waggershauser ja nach Kräften mit Hochdruck arbeitet, schon wesentlich früher eingesetzt hätte, wenn die «goldene Russen-Äre» nicht gewesen wäre. Früher konnte Baden-Baden sich die Partnerstädte noch aussuchen, heute müsste man schon froh sein für eine Partnerschaft mit den Arbeitslosen-Hochburgen Gelsenkirchen und Duisburg.
Noch wird der Ruf von Baden-Baden von einigen honorigen, aber betagten Personen getragen und damit hochgehalten, aber auch diese Säulen bröckeln, und ob deren Kinder bereit sind sich mit enormen Summen gegen den Niedergang einer Stadt zu stemmen, in der sie womöglich noch nicht einmal wohnen, darf in berechtigten Zweifel gezogen werden.
Martin Müller-Petersen
Baden-Baden
Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.
PDF «Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de
Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.







