Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Atonal-dissonanten Klangballungen“ – „Freibier auf dem Leopoldsplatz für alle Bürger“

Baden-Baden, 11.05.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Baden-Badener Baldreit-Stipendiat Benjamin Scheuer erzählt aus dem Komponisten-Leben – «Natürlich erstmal schon etwas Einsames».

Boris Fernbacher kandidiert auf der Liste der AfD für die Kommunalwahl in Baden-Baden.*

Habe auf goodnews gelesen, dass der Komponist Benjamin Scheuer von der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau ein sechsmonatiges Stipendium erhält, um sich in unserer schönen Stadt ungestört von finanziellen Sorgen seinem künstlerischen Schaffen widmen zu können. Die Stadt Baden-Baden stellt ihm für diese Zeit mietfrei eine Wohnung zur Verfügung. Oberbürgermeister Späth meinte, dass Herr Scheuer und der ebenfalls mit einem Stipendium versehene Schriftsteller Gunther Geltinger «in ihrem Metier schon große Erfolge erzielt6raquo; hätten. Na ja; dann höre ich mir doch mal auf Youtube die Meisterwerke von Herrn Scheuer an:

 

Im Video einer Aufnahme von Scheuers Liederzyklus «Sieben Unsymphatien» reißt sich ein Mann im dunklen Anzug hektisch eine Coronamaske vom Gesicht und beginnt dann zerrissene Tonfolgen – von Melodien möchte ich hier lieber nicht sprechen – zu «singen» oder besser gesagt raus zu stoßen. Begleitet wird dies von ins Klavier gedroschenen atonal-dissonanten Klangballungen. Nach einer Minute Spielzeit wird dann noch kurz – viele Grüne wird es freuen – die deutsche Nationalhymne verhunzt. Das ganze «Kunstwerk» erinnert stark an den unter dem Namen «Hurz» bekannten Sketch von Hape Kerkeling, in dem der beliebte Komiker sich über die pseudointellektuelle Abgehobenheit moderner Musik lustig macht. Aber geben wir Herrn Scheuers Musik mit seinem einstündigen Klavierzyklus «Zweiundzwanzig Zwischenspiele» eine zweite Chance: Wieder zerhackte Tonfolgen und Klangcluster. Eine vom Hörer erfahrbare melodische, harmonische oder rhythmische Struktur ist kaum zu entdecken. Das Werk klingt (abgesehen von einigen konventionellen Tonleitern) meist eher wie wenn meine Katze übers Klavier huscht oder ein Dreijähriger aufs Instrument eindrischt. Ich bezweifle doch stark, dass dieser Musik – wie Herr Späth meinte – bereits große Erfolge beschieden waren.

Nun ja; die ersten Werke der Klassiker der Moderne wie Stravinsky, Prokofjew oder Hindemith stießen damals auch eher auf Ablehnung des Publikums. Letztlich konnten sich ihre Kompositionen aber auch ohne Stipendien, Subventionen oder sonstige staatliche Förderungen etablieren, denn künstlerische Qualität setzt sich irgendwann (zumindest im begrenzten Rahmen) auch am Markt durch. Es ist richtig, dass die Stadt Baden-Baden sich in der Kulturförderung engagiert. Nicht nötig dagegen ist die Förderung von Kunstwerken, die wie die Musik von Herrn Scheuer wohl von über 99% der Bevölkerung NIE freiwillig gehört wird. Die Kosten für die mietfreie Wohnung für Herrn Scheuer mögen nicht hoch sein, aber angesichts einer Gesamtverschuldung Baden-Badens von ungefähr 260 Millionen Euro muss an jedem Cent unnötiger Ausgaben gespart werden. Sollen wir angesichts der desolaten Haushaltslage der Stadt die Entstehung solcher Gaga-Musik wirklich auch noch mit dem Geld des Steuerzahlers fördern? Wäre da Freibier auf dem Leopoldsplatz für alle Bürger nicht die bessere Investition?

Boris Fernbacher
Baden-Baden


*Anmerkung der Redaktion: Laut «Spielregeln für Leserbriefe an goodnews4.de» sind Leserbriefe von politischen Mandats- und Funktionsträgern nicht vorgesehen, es sei denn sie antworten auf einen Leserbrief. Bei Kandidaten für die Kommunalwahl handelt es sich nicht um politische Mandats- und Funktionsträger. Im Sinne der Transparenz weist goodnews4.de jedoch auf die Kandidatur hin.


Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.

PDF «Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de


Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.