Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Debatte um Standort des Zentralklinikums nimmt absurde Züge an“ – „Noch befremdlicher sind die Aussagen von Privatdozent Dr. Iber“
Baden-Baden, 02.06.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Dr. Marek Lopatecki Stellung.
Die öffentlichen Äußerungen im Vorfeld des Bürgerentscheids zum Standort des Zentralklinikums Baden-Baden am 29. Juni 2025 erreichen zunehmend ein Niveau, das einer sachlichen und faktenbasierten Auseinandersetzung nicht mehr gerecht wird.
So verbreitet die SPD auf ihrer Webseite ein Video mit Aussagen von R. Pfeiffer, die inhaltlich fragwürdig und sachlich unrichtig sind. Pfeiffer äußert unter anderem, in der Stadtklinik Baden-Baden könnten „wenige internistische Notfälle behandelt“ werden, und die Versorgung erfolge ohnehin „momentan in Rastatt“. Damit wird suggeriert, die Stadtklinik verfüge über keinerlei adäquate Notfallstrukturen. Diese Darstellung ist irreführend.
Besonders gravierend ist die Behauptung, Schlaganfälle seien «früher» zunächst in der Stadtklinik behandelt und dann nach Karlsruhe verlegt worden, heute würden sie «sowieso» nach Rastatt gebracht. Richtig ist vielmehr: Schlaganfallpatienten wurden in der Stadtklinik Baden-Baden regulär und leitliniengerecht versorgt – und zwar bis ins Jahr 2016. Erst mit der damaligen organisatorischen Entscheidung, die neurologische Abteilung nach Rastatt zu verlegen, wurde die Behandlung dieser Krankheitsbilder dorthin transferiert. Diese Veränderung ergibt sich nicht aus einem Mangel an medizinischer Kompetenz der Stadtklinik, sondern war eine bewusste strukturelle Entscheidung des Trägers.
Auch die Verwendung des Begriffs «therapiefreies Intervall» durch Pfeiffer ist fachlich falsch und offenbart ein bedenkliches Maß an Unkenntnis. Der Eindruck, neurochirurgische Notfälle könnten künftig durch ein Zentralklinikum in Rastatt besser versorgt werden, wird in den Raum gestellt – ohne jede belastbare medizinische oder infrastrukturelle Grundlage.
Ebenso wenig erwähnt wird, dass die Stadtklinik Baden-Baden einst als Krankenhaus der Zentralversorgung eingestuft war – im Gegensatz zum Standort Rastatt, der dem Niveau der medizinischen Grund- und Regelversorgung zugeordnet war. Die fortschreitende Verlagerung einzelner Fachabteilungen, unter anderem nach Rastatt, war eine politisch und verwaltungstechnisch getriebene Entwicklung, die mit dem medizinischen Leistungsvermögen der Stadtklinik nichts zu tun hatte. Diese historische Tatsache in der aktuellen Debatte bewusst zu verschweigen, ist intransparent und gegenüber der Bevölkerung nicht redlich.
Noch befremdlicher sind die Aussagen von Privatdozent Dr. Iber auf der Podiumsdiskussion der Badischen Neuesten Nachrichten am 27. Mai 2025 im Rantastic. Dort erweckte der ärztliche Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden den Eindruck, die Diskussion um den künftigen Klinikstandort sei verantwortlich für Personalengpässe, nicht besetzte Stellen und eine daraus resultierende unzureichende Versorgung. Sollte diese Aussage den Tatsachen entsprechen, stellt sich zwingend die Frage, ob die Ursache für die mangelnde Attraktivität des Hauses nicht vielmehr in der Führung und Organisation selbst zu suchen ist. Der Versuch, die Verantwortung hierfür auf die öffentliche Debatte abzuwälzen, wirkt wie ein Ablenkungsmanöver – und beschädigt das Vertrauen der Bevölkerung in die Leitung des Klinikums.
Es ist höchste Zeit, in der Diskussion um das künftige Zentralklinikum nicht weiter das Ansehen und die Integrität der Stadtklinik Baden-Baden zu untergraben. Es ist Zeit, dass die Beschäftigten der Klinik, die tagtäglich unter schwierigen Bedingungen hochwertige medizinische Arbeit leisten, ihre Stimme erheben. Es darf nicht hingenommen werden, dass ihr Einsatz durch falsche oder bewusst verzerrte Aussagen öffentlich diskreditiert wird.
Dr. med. Marek Lopatecki
Baden-Baden
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