Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Der schandhafte Flickenteppich vor dem Hermès-Store“ – „Quo vadis, Baden-Baden?“
Baden-Baden, 30.12.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Valentina Steiert Stellung zu dem goodnews4-Bericht Bittere Pille für Baden-Baden – Hermès sagt Tschüss – «Es ist uns eine Freude, Sie in unserer Boutique in Stuttgart willkommen zu heißen».
Der schandhafte Flickenteppich vor dem Hermès-Store war vermutlich nicht der eigentliche Grund für die Schließung der letzten Nobelmarken-Filiale in Baden-Baden – er steht jedoch sinnbildlich für den Zustand unserer Innenstadt. Jahrelang wurde die Präsenz dieser Marke in unserer Stadt offenbar weder wertgeschätzt noch aktiv unterstützt. Das Desinteresse und die Untätigkeit der Stadtverwaltung sind offensichtlich. Jetzt ist der Katzenjammer groß und der Imageschaden für unsere Stadt immens.
Wer dieser Tage durch die Innenstadt geht, dem wird das ganze Ausmaß dieses Niedergangs schmerzlich vor Augen geführt: Seit dem 24. Dezember und somit während der Weihnachtsfeiertage dominiert stellenweise mehr Altpapier als weihnachtlicher Glanz das Stadtbild, während organisierte Bettelei weiterhin ungeniert floriert. Auch das ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Stadt ihre ordnende, schützende und gestaltende Aufgabe nicht wahrnimmt und Ihrer Verantwortung nicht nachkommt.
Umso dankbarer muss man jenen Gastronomen sein, die mit privatem Engagement zumindest noch ein wenig Weihnachtsatmosphäre und Lebensfreude in die Stadt bringen – wie etwa das Leo’s oder das Brandau’sche Weihnachts-Winterwunderland. Doch es ist ein beschämendes Armutszeugnis für eine Kur- und Kulturstadt wie Baden-Baden, wenn privates Engagement inzwischen das ersetzen muss, was eigentlich öffentliche Verantwortung wäre.
Blickt man auf das vergangene Jahr zurück, drängen sich zahlreiche unbequeme Fragen auf. Erfolglose Geschäftsführer / innen, wie die der Klinikum Mittelbaden GmbH und der Baden-Baden Tourismus GmbH, wurden nicht nur mit noch mehr Steuergeldern noch fürstlicher entlohnt, sondern für Ihre erfolglose Tätigkeit auch noch gelobhudelt und Verträge wurden ohne kritische Fragen langfristig verlängert.
Der massive Einsatz großer Teile des Gemeinderats und der Stadtverwaltung für den Weggang unseres Klinikums, die Weigerung, den Segelflugplatz überhaupt ernsthaft als mögliches Gewerbegebiet prüfen zu lassen – obwohl «Experten» ihn als zentrales Instrument zur Haushaltskonsolidierung bezeichneten und von einmaligen Einnahmen von rund 50 Millionen Euro sowie erheblichen jährlichen Erträgen sprachen – all das ergibt ein Bild politischer Verantwortungslosigkeit, das viele Bürger fassungslos zurücklässt.
Auch ohne an Verschwörungstheorien zu glauben, muss man sich angesichts dieser Entscheidungen fragen, wohin diese Stadt gesteuert werden soll. Geht es überhaupt noch um das Wohl Baden-Badens – oder wird unsere Stadt stillschweigend wirtschaftlich und politisch ausgehöhlt, um irgendwann problemlos in den Kreis Rastatt eingemeindet werden zu können? Die Entwicklung in Sachen Klinikum, der Haushaltskonsolidierung und zahlreiche Beschlüsse des vergangenen Jahres lassen diese Sorge leider sehr real und bedrohlich erscheinen.
Vor diesem Hintergrund wird das Jahr 2026 – nicht nur wegen der anstehenden Oberbürgermeisterwahl – zu einem wegweisenden Jahr für Baden-Baden. Umso genauer sollte man auf die Kandidatinnen und Kandidaten schauen. Wer dieses Amt anstrebt, muss glaubhaft für Unabhängigkeit, Kompetenz und Integrität stehen. Ein Lebenslauf voller Brüche oder eine widersprüchliche politische Selbstdarstellung sind dabei alles andere als vertrauensbildend.
Ob eine Kandidatin, deren Kandidatur faktisch mit einem Glaubwürdigkeitsproblem beginnt – weil sie von der CDU aufgestellt, als «parteilos» präsentiert wird, und das obwohl sie bis vor wenigen Tagen noch aktives Mitglied der FDP in Bremen war – tatsächlich für einen Neuanfang stehen kann, darf mit gutem Grund bezweifelt werden.
Baden-Baden braucht jetzt keine politischen Etikettenschwindel oder parteitaktischen Spielchen, sondern eine starke Persönlichkeit, die im Rathaus aufräumt, sich nicht in alte Seilschaften einbindet und den Mut hat, verkrustete Strukturen aufzubrechen – im Interesse der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.
Es bleibt zu hoffen, dass sich jemand findet, der diese Aufgabe mit Ernsthaftigkeit, Unabhängigkeit, Mut, Stärke, Verantwortungsbewusstsein und einer Vision für Baden-Baden übernimmt. Denn genau das braucht Baden-Baden dringender denn je.
In diesem Sinne wünsche ich allen Baden-Badenerinnen und Baden-Badenern einen guten Start in das Jahr 2026. Möge es für unsere Stadt ein Jahr des positiven Aufbruchs und der Erneuerung werden.
Valentina Steiert
Baden-Baden
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