Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Die Mitteilung, Herrn Pfarrer Koffler ‚aus Krankheitsgründen‘ herauszunehmen, zeigt die fehlende Lernkurve“

Baden-Baden, 31.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Dr. Harald Orth Stellung zu dem goodnews4-Bericht Erzbischof Burger hält sich zurück – Affäre um Baden-Badener Pfarrer Matthias Koffler auf unterer Ebene angesiedelt – Elisabeth Lammert im Fokus.

Nicht übereinander, sondern miteinander reden. Diese Lebensweisheit, die im Alltag so gerne ganz bewusst oder unbewusst vernachlässigt wird, sollte in der verfahrenen und schwer verständlichen Situation um Herrn Pfarrer Koffler beherzigt werden. Schon die Mitteilung, Herrn Pfarrer Koffler «aus Krankheitsgründen» herauszunehmen, zeigt die fehlende Lernkurve, offen und transparent insbesondere mit der Gemeinde zu kommunizieren.

Wie bekannt, ohne jegliche Rücksprache mit den Gremien war dies ein altertümlicher Fauxpas, wie der Rücktritt des Großteils des Gemeinderates konsequent verdeutlichte. Ein schwerer, in heutigen Zeiten der gemeinsamen Kommunikation fast unverzeihlicher Fehler, also ein «Kardinalsfehler». Dieser Fehler hat nicht nur das Vertrauen vieler Gemeindemitglieder erschüttert, sondern auch das wesentliche eigentliche aktive Umfeld der kath. Seelsorgeeinheit an sich.

 

Wenn die bisher skizzierten Zukunftsperspektiven zur Kirchenentwicklung 2030 für das Gemeindeleben ernst und wahrhaftig gemeint sind, sowie Offenheit und Ehrlichkeit als Transparenzgebot der Kirche nach vielen Missständen als Befreiungsschlag angedacht sind, dann sollte es darum gehen, miteinander im Gespräch zu sein. Dann wird sich auch der hier unmittelbar verantwortliche Erzbischof Burger, und nicht nur indirekt über Generalvikar oder Dekanat mit der Gemeindeleitung und mit Hr. Pfarrer Koffler in einem öffentlichen Gemeindetreffen der Thematik vor Ort und den Menschen, um die es geht, stellen.

Jedes Gemeindemitglied soll sich ein eigenes Bild von den Vorgängen machen und seine Fragen anbringen und wird für sich ganz persönlich seine Schlussfolgerungen aus einer offenen und fairen Diskussion ziehen können. Ein solches gutes Gespräch wäre ein respektvolles Zeichen, dass es wirklich um die Menschen selbst und die Gemeinde geht und nicht um alte Konflikte, Strukturen und Subordination. Wir erleben oftmals einen mangelhaften altbackenen kirchlichen Führungsstil, der in einer zukunftsorientierten Kirche nicht mehr tragfähig ist – anstelle von angemessener Subsidiarität und Vielfalt des realen Gemeindelebens. Hier kann also nun ein Zeichen gesetzt werden.

Denn es soll nicht bei den offensichtlich verhärteten Fronten der Beteiligten bleiben: Nach Jesaja 43, 18-19 gilt: «Denkt nicht mehr daran, was war und grübelt nicht mehr über das Vergangene. Seht hin: ich mache etwas Neues, schon keimt es auf. Sehr Ihr es nicht?»

Hierauf wollen wir hoffen: Ernstes und zuversichtliches gemeinsames Verständnis mit Wertschätzung verschiedener Sichtweisen in Toleranz. Heilung und Versöhnung ist möglich. Der Erzbischof hat kirchenrechtlich die unmittelbare diözesane Verantwortung, nicht sein das Ordinariat leitender und dafür eingesetzter Generalvikar. Der Vorgang ist zwischenzeitlich mehr als eine delegierbare Verwaltungsangelegenheit.

Dr. Harald Orth
Baden-Baden


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