Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Die SS war eine der furchtbarsten Verbrecherorganisationen der Menschheitsgeschichte“

Baden-Baden, 27.02.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem Leserbrief von goodnews4-Leser Richard Seiert Leserbrief «Meine Meinung» – Zur Bundestagswahl – «Aber liebe Mitbürger wacht endlich auf! 1930 hat alles genau so angefangen».

Selbst als Mitglied der AfD Baden-Baden kann ich die geäußerte Kritik an den AfD-Politikern Maximilian Krah und Matthias Helferich zumindest teilweise nachvollziehen. Auch ich hätte mir gewünscht, dass diese beiden Personen nicht erneut als Kandidaten für den Bundestag nominiert worden wären. Dazu muss man allerdings anmerken, dass meines Wissens sowohl Krah als auch Helferich gegen den Willen des AfD-Bundesvorstands von den Mitgliedern ihrer jeweiligen Landesverbände auf Listenplätze zur Bundestagswahl nominiert wurden. Dagegen kann die Bundespartei aus rechtlichen Gründen anscheinend auch nicht viel ausrichten.

Zu Herrn Krah: Seine Aussage, dass nicht alle Mitglieder der SS automatisch Verbrecher gewesen seien, ist zwar historisch nicht ganz falsch. Speziell gegen Ende des Krieges wurden beispielsweise in Rumänien auch Menschen unter erheblichem Druck des NS-Regimes in die SS gedrängt und in Deutschland wurden 15-Jährige nach Kurzlehrgängen in SS-Uniformen gesteckt. Aber das ist ein Thema, welches man im historischen Fachseminar an der Universität ausdiskutieren kann. In der breiten Öffentlichkeit wirken solche Aussagen schnell apologetisch sowie die SS-Verbrechen verharmlosend, und haben dort einfach nichts zu suchen. Es bleibt festzustellen: Die SS war eine der furchtbarsten Verbrecherorganisationen der Menschheitsgeschichte. Unzählige ihrer Mitglieder waren an grausamsten Massakern und Morden an unschuldigen Zivilisten beteiligt. Es besteht keinerlei Bedarf, diese Organisation und ihre Mitglieder heutzutage nachträglich irgendwie zu «rehabilitieren». Ich hätte mir von Herrn Krah zumindest gewünscht, dass er dies nach seinem ungeschickten Interview mit der italienischen Zeitung La repubblica in ebenso eindeutigen Worten nachträglich klarstellt.

 

Zu Herrn Helferich: Seine 2017 auf Facebook getätigte Aussage, in der er sich selbst als «freundliches Gesicht des Nationalsozialismus» bezeichnete, ist natürlich absolut inakzeptabel und geschmacklos. Man kann ihm vielleicht zugutehalten, dass er nach eigener Aussage in dem Chat lediglich «die Zuschreibung eines Linken beim X-Vorgänger Twitter» wiedergegeben wollte und sich darüber lustig gemacht habe. Andere Aussagen von Herrn Helferich mit unangenehm rassistischem Beigeschmack (nachzulesen im Wikipedia-Artikel über ihn) lassen bei mir aber einige Zweifel aufkommen, ob seine Selbsteinstufung als «freundliches Gesicht des Nationalsozialismus» nur ein einmaliger Ausrutscher war. Auch von ihm hätte ich mir eine klare und glaubhafte Distanzierung von seinen bedenklichen Aussagen gewünscht. Man muss der AfD allerdings zugutehalten, dass ihr ehemaliger Bundessprecher Jörg Meuthen bereits 2021 ein Ausschlussverfahren gegen Helferich beantragte, welches im Vorstand nur mit knapper Mehrheit scheiterte. Im Juni 2024 beantragte der Vorstand der AfD Nordrhein-Westfalen ein Parteiausschlussverfahren gegen Helferich wegen grundgesetzwidriger Äußerungen und schwerwiegenden Verstößen gegen das Grundsatzprogramm der Partei.

Boris Fernbacher
Baden-Baden


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