Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Die vermeintlichen, kommunalpolitischen Platzhirsche“ – „Der nichtanwesende ‚blau-rote Methusalem‘ Klaus Bloedt-Werner“

Baden-Baden, 01.06.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Tina Tischer-Suphukhieo Stellung zu dem goodnews4-Bericht Aufzeichnung „goodnews4 Live-Duell“ vom Mittwoch, 29. Mai 2024 – Mit Baden-Badener CDU-Fraktionschef Gernsbeck und FBB-Fraktionschef Ernst.

Tina Tischer-Suphukhieo kandidiert auf der Liste der FDP für die Kommunalwahl in Baden-Baden.*

Beim goodnews4.de Live-Duell der beiden vermeintlichen kommunalpolitischen Platzhirsche in persona von Ansgar Gernsbeck und Martin Ernst fühlte ich mich zuerst gut unterhalten bis amüsiert. Dies ist aber vermutlich in erster Linie meinem veritablen Humor und Sinn für Situationskomik geschuldet.

Ca. 5 Minuten nach Ende der Veranstaltung wich mein Frohsinn jedoch blankem Unbehagen. Das Interview war für die beiden wahlkämpfenden Protagonisten nicht weniger als ein Desaster und für Baden-Baden schlichtweg eine politische Katastrophe. Im Ergebnis ein Unentschieden, dies allerdings auf dem Niveau der «Schmach von Cordoba» bei der Fußball-WM von 1982, als bei der Partie Deutschland gegen Österreich, der sportliche Wettbewerb von beiden Mannschaften auf peinliche Weise unterbunden wurde.

 

Fazit: Beide Kommunalpolitiker sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Keine Vision, kein strategischer Plan, einfach ein politisches Nullsummenspiel. Sowohl Ernst als auch Gernsbeck würden gut daran tun, wenn Sie einmal aus Ihrer politischen Froschperspektive herauskommen würden, um sich das Baden-Badener 5 nach 12 Katastrophenszenario, aus der Vogelperspektive anzuschauen. Der Leser möge mich hier bitte nicht falsch verstehen, ich halte beide Herren für respektable Persönlichkeiten mit gewissen, wertvollen Fähigkeiten. Diese reichen aber eben nur für die politische zweite Reihe. So bleibt für den Zuschauer lediglich das Bild von zwei zwar engagierten, aber überforderten Kommunalpolitikern, welche in falscher Analyse der Situation und ohne Kreativität in der Lösung, mit fehlender Durchsetzungskraft, den notleidenden Karren in maximal drei Jahren an die Wand fahren werden.

Da sowohl Ernst als auch Gernsbeck es in dem Format nicht schafften, vom Reagieren ins Agieren zu kommen, wurde bei beiden auch ihr Mangel an Charme und Charisma sowie Unterhaltungswert für den Zuschauer offensichtlich. Slapstick lieferte hier allerdings einmal mehr der nichtanwesende «blau-rote Methusalem» Klaus Bloedt-Werner mit seiner im Format zitierten Anti-FBB-Zeitungsanzeige, in welcher er das Führungspersonal des politischen Gegners sinngemäß, als eine Art «mumifizierte walking dead», bezeichnete.

Ein Lichtblick dagegen war der Moderator Christian Frietsch, der geschickt ein ums andere Mal die journalistischen Stöckchen so wählte, dass beide Teilnehmer jedes Mal drübersprangen. Beispielhaft hier war die Quizfrage zur exakten Einwohnerzahl der Ortsteile Sandweier und Haueneberstein. Hier hätte ich gar nicht erst versucht, die richtige Zahl zu erraten, sondern hätte auf eine Weisheit meiner Oma verwiesen, die da lautete: «Wissen ist gewusst wo's steht!»

Die Krönung war für mich dann noch das harmoniebedürftige Angebot zum politischen Schulterschluss von Martin Ernst an Ansgar Gernsbeck. In diesem Moment fühlte ich mich an den Bestseller von Christian Frietsch, «Die Bussi-Bussi Gesellschaft im Rathaus», erinnert. Kein politischer Wettbewerb, keine Vision, lediglich ein Herumlavieren um Symptome, mehr nicht. Weder Mut noch Courage, die eigentlichen Gründe zu benennen oder gar das Übel an der Wurzel beherzt anzupacken. Ein Aparatschik gegen einen Opportunisten, das ist es ,was am Ende für den Zuschauer hängen bleibt. So fährt Baden-Baden sicher zu 100 Prozent vor die Wand. «Mark my words!»

Ansgar Gernsbeck lieferte dann noch etwas ungeschickt dem Moderator unfreiwillig, gemäß dem Motto «nur die dümmsten Kälber, gehn zum Metzger selber» die Vorlage zu eventuellen Parteispenden von Bauunternehmer Weiss und der unaufgeklärten Leopoldsplatz-Affäre.

Auf der anderen Seite war dann Martin Ernst für mein Empfinden doch sehr peinlich, als er zur Mitleidstour für den armen Oberbürgermeister Späth ansetzte. Man erinnere sich daran, dass Martin Ernst noch vor gut einer Woche Oberbürgermeister Späth mit Fug und Recht als trojanisches Pferd aus Rastatt öffentlich im Gemeinderat tituliert hatte. Mein Mitleid gilt da dann doch eher den Baden-Badener steuerzahlenden Bürgern, welche OB Späths fürstlich entlohnten Müßiggang alimentieren.

In Anlehnung an Willi Brandt, dachte ich mir: «Es sind die schlechtesten Badener nicht, die um den Schlaf gebracht, wenn Sie an Baden-Baden denken in der Nacht.»

Mit Freude & Respekt

Tina Tischer-Suphukhieo
Baden-Baden


*Anmerkung der Redaktion: Laut «Spielregeln für Leserbriefe an goodnews4.de» sind Leserbriefe von politischen Mandats- und Funktionsträgern nicht vorgesehen, es sei denn sie antworten auf einen Leserbrief. Bei Kandidaten für die Kommunalwahl handelt es sich nicht um politische Mandats- und Funktionsträger. Im Sinne der Transparenz weist goodnews4.de jedoch auf die Kandidatur hin.


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