Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – Empfehlung zur OB-Stichwahl Baden-Baden – „In einer Stadt, die gerade ihre stationäre Gesundheitsvorsorge verliert, fast schon zynisch“

Baden-Baden, 14.03.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Karl-Georg Degenhardt Stellung zu dem goodnews4-Bericht CDU zieht alle Register im OB-Wahlkampf – Whittaker-Brief – Thomas Jung schwächelt auf der Zielgeraden.

Dank eines besonnenen Wahlverhaltens ist uns im ersten OB-Wahlgang ein Reputationsschaden erspart geblieben. Nun liegen zwei Angebote auf dem Tisch, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Da ist Frau Lencke Wischhusen. Trotz des massiven Aufgebots an „Altvorderen“ im Hintergrund vermag der politische Begleitschutz die mangelnde Bindung zur Stadt nicht zu übertünchen. Das mitgeführte «Triumvirat» ehemaliger Rathauschefs wirkt wie eine nostalgische Ehrenformation, deren Performance bei genauem Hinhören bisweilen ambivalent – man könnte auch sagen: aus der Zeit gefallen – wirkt. Echter Stallgeruch lässt sich eben nicht im Crashkurs erwerben oder durch prominente Fürsprecher herbeiparfümieren.

 

Frau Wischhusen präsentiert sich als rhetorische Allzweckwaffe: charmant, mitunter ruppig, zweifellos wortgewandt. Doch ihr Zukunftsplan einer «Health & Longevity Agency» (Agentur für Gesundheit und Langlebigkeit) wirkt in einer Stadt, die gerade ihre stationäre Gesundheitsvorsorge verliert, fast schon zynisch. Wie will man einen Gesundheitsstandort weltweit vermarkten, der keine eigene Akutklinik mehr vorzuweisen hat? Die CDU-Antwort «Das ist kein Thema!» zeugt von einem naiven Glauben an die Macht des Marketings über die Realität. Da verschließt sie die Augen vor stetigen millionenschweren Verlustzuweisungen und einem Neubauvorhaben, dessen Finanzierung auf tönernen Füßen steht.

Kurzer Realitätscheck: Welcher Investor setzt sein Kapital in den PFAS-verseuchten Sand am Rastatter Baggersee, wenn er in der Weltkurstadt Baden-Baden auf echtes Heilwasser und eine funktionierende Infrastruktur treffen könnte? Als Diplom-Kauffrau müsste Frau Wischhusen wissen: Ohne Substanz bleibt jede Marke eine leere Hülle.

Und was bietet Herr Jung?

Er hat für Baden-Baden bereits geliefert, bevor er überhaupt im Rathaus saß. Das New-Pop-Festival ist die vitale Anbindung unserer Stadt an eine junge, agile Kulturszene. Es war eine logistische Herkulesaufgabe, die bewiesen hat, dass er dicke Bretter bohren und einen komplexen «Tanker» wie den SWR ebenso steuern kann wie eine städtische Verwaltung. Eine Blaupause für unsere Zukunft mit Vorzeigecharakter auch für Ein- und Geldfluss in und aus Stuttgart. Wer die Parallelen zwischen öffentlich-rechtlichen Apparaten und kommunalen Hierarchien kennt, weiß: Hier ist jemand, der kein Praktikum im Hauptamt mehr braucht.

Seine internationale Erfahrung als Korrespondent ist für eine UNESCO-Welterbe Stadt kein «Nice-to-have», sondern Pflicht. Jung bekennt sich klar zum Vorschlag des Wirtschaft Expertenrat – inklusive der schmerzhaften Wahrheiten über den ständigen Kapitalabfluss in die Beteiligungsgesellschaften. Sein Programm «Baden-Baden 2.0» ist kein bloßes Schlagwort, sondern der konsequente Versuch, die Stadt aus der lähmenden parteipolitischen Abhängigkeit zu lösen. Es ist ein unkonventioneller Ansatz, der die Gunst der Stunde nutzt, vertraute, aber verkrustete Routinen aufzubrechen.

Meine Empfehlung:

Wählen Sie keine Übergangslösung, die unsere Stadt lediglich als Karrieresprungbrett oder Prestigeobjekt betrachtet. Wählen Sie nachweisbare, seriöse Erfahrung und Führungsqualität.

Und bitte: Sorgen wir dafür, dass unser Kurhaus nicht zum Schauplatz für den sich ausbreitenden «Weihnachts-Plastik-Zuckerguss» austauschbarer Events verkommt. Wir brauchen keine bunte «Osterhoppelmännchen-Ästhetik» für Tagestouristen, die unsere Infrastruktur gratis nutzen, sondern eine Visitenkarte mit echtem Tiefgang.

Baden-Baden, bewahre dein Niveau!

Karl-Georg Degenhardt
Baden-Baden


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