Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Enttäuscht bin ich, dass OB Späth – und mit ihm viele Stadträte und -rätinnen – nicht für unsere Stadt kämpfen“ – „Als ehemalige Stadträtin und Aufsichtsrätin des Klinikums“
Baden-Baden, 27.06.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Astrid Sperling-Theis Stellung.
Bei den Überlegungen zum Bürgerentscheid-Thema: Zentraler Neubau des Klinikums Mittelbaden – fällt immer wieder das Argument, dass die Klinik in Baden-Baden/Balg sanierungsbedürftig und deshalb nicht mehr als Standort geeignet sei. Das Wort «sanierungsbedürftig» bedeutet jedoch nicht, dass keine Sanierungsfähigkeit mehr besteht!
Als ehemalige Stadträtin und Aufsichtsmitglied des Klinikums Mittelbaden (22 lange Jahre) weiß ich, dass immer wieder Renovierungen und Umbauten des Klinikums Mittelbaden vorgenommen wurden. Irgendwo musste immer wieder saniert, umgebaut, ergänzt werden, um den aktuellen Anforderungen an ein Krankenhaus gerecht zu werden, z. B. um neue Brandschutzvorgaben zu erfüllen etc.; so auch in Balg.
Und trotzdem wird in den laufenden Diskussionen um den Standort Balg suggeriert, dass sich dort oben eine mittlere Bruchbude befindet…Vergessen wir nicht: Ein Neubau steht nicht in ein bis zwei Jahren, d. b., die Klinik in Balg muss auch weiterhin über Jahre ertüchtigt/saniert werden, was selbstverständlich Geld kostet, das dann verloren ist, wenn es keine entsprechende Nachnutzung dieses Klinikbaus gibt.
Ein weiterer Punkt wird dabei auch gern übersehen: Welche Universitätsklinik, welches Großkrankenhaus wird nach knapp 50 Jahren einfach geschlossen, wie es der Klinik in Balg droht? Undenkbar! Fast alle großen Kliniken erweitern, sanieren und renovieren ihre Bestandsgebäude im laufenden Betrieb, um sie auf den jeweils neuesten Stand zu bringen. So z. B. die Charité und das Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, die Uniklinik Freiburg u. a., welche sich z. T. in alten Gebäuden befinden. In diese Liste reihen sich fast alle Krankenhäuser in Deutschland ein, denn die allermeisten Kliniken haben nun mal einen gewissen Altbestand. Für die «klamme» Stadt Baden-Baden ist es ein unverantwortlicher Luxus zu meinen: Das Haus in Balg taugt nichts mehr, das muss weg!
Zu bedenken ist auch: Wir müssen unseren prozentualen Anteil an der Finanzierung für einen Neubau zahlen und Gelder nachschießen, wenn die Kosten des Neubaus in Rastatt erwartungsgemäß davongaloppieren. Mitbestimmen? Nachverhandeln? Wohl Fehlanzeige! Können wir uns das bei unserer finanziellen Misere in Baden-Baden überhaupt leisten? Renovierungen bzw. Umbauten/Anpassungen müssen ohnehin für die Klinik in Balg weiterhin während der jahrelangen Plan- und Bauphase bezahlt werden.
Das heißt nun nicht, dass ich vorbehaltlos für Balg – mit Ergänzungs- und Umbauten – plädiere (ein Vorhaben, das übrigens wohl nur halb so viel kostet wie der Neubau am Münchfeldsee, einem Mückenloch und ohne gesicherte Zufahrt), nein, ich bin auch deshalb für einen Standort in Baden-Baden, weil wir ein Renommee als Gesundheitsstandort zu verlieren haben – der Zusatz «Kur» wird unverständlicherweise schon gestrichen.
Verwirrend ist zudem: Es wird immer von einem Zentralklinikum geredet, worunter sehr viele BürgerInnen verstehen: Hier werden dann zukünftig alle medizinischen Leistungen angeboten, so wie im Klinikum Karlsruhe – ein fataler Irrtum.
Sehr enttäuscht bin ich, und mit mir viele Baden-Badener Bürger und Bürgerinnen, dass unser Oberbürgermeister Späth – und mit ihm viele Stadträte und -rätinnen – nicht für unsere Stadt kämpfen…es gibt doch so viele, sehr gute Argumente für den Klinikstandort Baden-Baden. Ich könnte damit Seiten füllen…aber ein Baden-Badener Standort wurde niemals ernsthaft geprüft.
Astrid Sperling-Theis
Baden-Baden
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