Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Frage mich, wie das Festspielhaus mit solch hohen Eintrittspreisen ein ‚neues, auch jüngeres Publikum‘ begeistern will“
Baden-Baden, 06.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Baden-Baden hat die Chance Pierre Boulez verpasst – Einer der «großen geistigen Universalisten der Musikgeschichte».
Im Januar 2024 hatten der Baden-Badener Gemeinderat, Oberbürgermeister Späth sowie das Festspielhaus mit großen Tönen verkündet, den 100. Geburtstag des lange in Baden-Baden lebenden und wirkenden Komponisten Pierre Boulez mit unzähligen Aktivitäten und Initiativen ganz groß zu feiern. Der Hauptausschuss des Baden-Badener Gemeinderats will den bisherigen Ernst-Schlapper-Platz vor dem Festspielhaus in Pierre-Boulez-Platz umbenennen. Benedikt Stampa, der Intendant des Festspielhauses meinte, Pierre Boulez könne «wichtiger werden für uns als Brahms». Das Festspielhaus will die Pfingstfestspiele als «Fenster zur Moderne» etablieren und verspricht sich dadurch «ein neues, auch jüngeres Publikum» zu gewinnen.
Nun soll am 31. Mai unter dem Motto 100 - Fest für Pierre Boulez im Festspielhaus ein Konzert mit folgendem Programm stattfinden: Die Notations I-IV und VII von Pierre Boulez – ein dem Andenken von Boulez gewidmetes Werk von Mark Andre – die Hommage à Pierre Boulez von Enno Poppe – Klavierkonzert und eine Suite von Maurice Ravel. Die Ticketpreise liegen in den oberen drei der insgesamt fünf Kategorien zwischen 58,50 und 93,50 Euro. Puh, stolze Preise, wenn man bedenkt, dass Poppe und Andre modern schreibende Komponisten sind, die fast niemand kennt. Und auch Boulez seine zwölftönigen Notations sind (siehe mein Leserbrief vom 19.01.2024) nicht gerade leicht konsumierbare Hits wie Mozarts Kleine Nachtmusik. Lediglich die beiden Werke von Ravel dürften auch beim Durchschnittshörer auf Zustimmung stoßen.
Ich frage mich, wie das Festspielhaus mit solch hohen Eintrittspreisen ein «neues, auch jüngeres Publikum», welches ja häufig auch nicht so viel Geld in der Tasche hat, für die Musik von Pierre Boulez und andere moderne Werke begeistern will. Warum hat man die Ticketpreise für dieses Konzert nicht deutlich gesenkt? Das mögliche finanzielle Defizit hätte man doch wohl mit einmal Schwanensee, Beethovens Fünfter oder einem Walzerabend Johann Strauß auffangen können? Kann nicht auch die Stadt Baden-Baden ein paar Euro zuschießen? Warum bietet das Rathaus nicht einfach mal Menschen unter 25 Jahren, von Mini-Rente lebenden Senioren und Bürgergeldempfängern 100 Eintrittskarten zum symbolischen Preis von je 1 Euro an? Wenn man die moderne klassische Musik aus ihrem elitären Expertenzirkel rausholen will, muss man dem jungen und interessierten Publikum den Einstieg in diese neuartige Klangwelt schon etwas kostengünstiger anbieten. Ansonsten werden die großspurigen Ankündigungen der Stadt zum Pierre Boulez-Jahr wie leider so oft in unserem schönen Baden-Baden nur eine folgenlose PR-Aktion und Luftnummer bleiben. Das wäre schade für die wirklich interessante und hörenswerte Musik von Pierre Boulez.
Boris Fernbacher
Baden-Baden
Wenn Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
In Ausnahmefällen veröffentlicht goodnews4.de Leserbriefe auch unter einem Pseudonym. Die tatsächliche Identität des Verfassers ist goodnews4.de in jedem Fall bekannt.
PDF «Spielregeln» für Leserbriefe an goodnews4.de
Zurück zur Startseite und zu den weiteren aktuellen Meldungen.







