Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Frage nach dem Frauenbild und dem Rollenverständnis von Oberbürgermeister Späth“
Baden-Baden, 04.06.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Tina Tischer-Suphukhieo Stellung zu dem goodnews4-Bericht Offener Brief an Baden-Badener OB Späth – FDP-Fraktionschef Pilarski: «Entscheidung vier Männer zu Ehrenbürgern zu ernennen, ist unvollständig».
Tina Tischer-Suphukhieo kandidiert auf der Liste der FDP für die Kommunalwahl in Baden-Baden.*
Die Ernennung von vier neuen männlichen Ehrenbürgern, sowie die Vorkommnisse der Vergangenheit werfen erneut die Frage nach dem Frauenbild und dem Rollenverständnis von Oberbürgermeister Späth auf.
Baden-Baden hat seit Jahrhunderten den Weltruf als eine Stadt, welche den Geist der französischen Aufklärung nach Voltaire und Rousseau nicht nur verkörpert, sondern auch in die Welt hinausgetragen hat. Eine geistige Grundhaltung, welche die Wurzel unserer heutigen Demokratie begründet. Da nun vier Männer und keine Frau zu Ehrenbürgern ernannt wurden, steht dieser Akt nicht im Kontext zu diesem geschichtsträchtigen Geist und wird der Historie Baden-Badens nicht gerecht.
Wenn wir diesen Akt, wie er jetzt beschlossen wurde, so stehen lassen, besteht die Gefahr einer Missinterpretation dahingehend, dass Baden-Baden als ein reaktionäres Manifest des Patriachats in der Welt gesehen werden könnte. Im Deutschland der 50er Jahre war die männliche Herrschaft mit der Institutionalisierung der männlichen, hierarchischen Macht gegenüber Frauen in unserer Gesellschaft dogmatisch verankert. In dieser Gesellschaftsordnung, bei der der Mann eine bevorzugte Stellung in Staat und Familie innehatte, war die untergeordnete Stellung der Frau faktisch und juristisch manifestiert. Ungleichheiten und Diskriminierungen, erfahren auch heute noch Frauen nicht nur im Berufsleben, sondern auch in den unterschiedlichsten Lebenssphären, trotz eines jahrzehntelangen Kampfes für Emanzipation.
Dass in Baden-Baden seit 1848 keiner Frau mehr die Ehrenbürgerwürde verlieren wurde, ist eine Bürde in unserer Historie, welche schwer auf unserer Baden-Badener Geschichte lastet. Diese gesellschaftspolitische Hypothek ist nur durch ein klares Zeichen und eindeutiges Statement wiedergutzumachen. Vor diesem Hintergrund, ist Oberbürgermeister Späth zwingend aufzufordern, im Kontext der Verleihung der Ehrenbürgerwürde, auf die vier neuen Ehrenbürger zuzugehen, mit der Bitte um Ihre Zustimmung, dass man die Auszeichnung auch auf Ihre Ehefrauen ausweitet.
Schon im Jahr 1848 war man bei der Wertschätzung der Lady Hamilton seiner Zeit dahingehend voraus, indem man ihren Gattten Archibald in die Verleihung der Ehrenbürgerwürde mit einbezog. Die alte Volksweisheit, dass hinter jedem erfolgreichen Mann auch eine starke Frau steht wird hier auch aktuell dadurch Rechnung getragen, dass sowohl Frau Grenke als auch Frau Kiener Mitbegründerinnen der Stiftungen sind, welche für das philanthropische Wirken Ihrer Gatten stehen.
In diesem Zusammenhang erinnert man sich wieder an den Prozess vom August 22, in dem Oberbürgermeister Späth eine obskure Rolle spielte. Als es darum ging sich für die Bürger- und Menschenrechte transsexueller Frauen einzusetzen, meldete er sich mit einem Attest krank. Dass Oberbürgermeister Späth nun anlässlich des Deutschen Diversity Tags am 28. Mai im Beisein der neu gegründeten städtischen Arbeitsgruppe «Wir l(i)eben Vielfalt» die Urkunde «Charta der Vielfalt» unterzeichnete hat, so löblich die Aktion seiner Mitarbeiter sein mag, einen auf seine Person bezogenen heuchlerischen Beigeschmack. Es wäre schön, wenn eine so wertvolle und wichtige Agenda nicht als Feigenblatt für OB Späth's Verhalten in der Vergangenheit herhalten muss und dadurch konterkariert werden würde.
Mit Freude & Respekt
Tina Tischer-Suphukhieo
Baden-Baden
*Anmerkung der Redaktion: Laut «Spielregeln für Leserbriefe an goodnews4.de» sind Leserbriefe von politischen Mandats- und Funktionsträgern nicht vorgesehen, es sei denn sie antworten auf einen Leserbrief. Bei Kandidaten für die Kommunalwahl handelt es sich nicht um politische Mandats- und Funktionsträger. Im Sinne der Transparenz weist goodnews4.de jedoch auf die Kandidatur hin.
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