Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Haushaltskonsolidierung auf dem Rücken der Bürger“ – „Hotellerie wird gleich dreimal geschröpft“ – „Sinnlos wird der Arm amputiert, der zum Großteil die Stadt ernährt“

Baden-Baden, 15.10.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Rita Maria Hirsch-Ursinus Stellung zu dem goodnews4-Bericht Tourismus in Baden-Baden in der Krise – Saftige Erhöhung der Kurtaxe und jährlich zusätzlich 350.000 sollen Kur und Tourismus GmbH retten.

Haushaltskonsolidierung geht nur auf dem Rücken der Bürger. Doch die Hotellerie wird gleich dreimal geschröpft. So wird sinnlos der Arm amputiert, der zum Großteil die Stadt ernährt.

Als frühere Betreiberin eines Hotels im Zentrum von Baden-Baden und ehemaliges Mitglied des DEHOGA-Vorstandes empören mich die Überrumpelungsmethoden unseres OBs und unserer Verwaltung gegenüber der Hotellerie ungemein. Ohne Verstand sägt man den Ast ab, auf dem man sitzt. Keine Gespräche mit den Betroffenen, um eventuell bessere Lösungsansätze zu finden. Alles passiert heimlich und ohne Vorwarnung. Ganz nach Baden-Bader Manier und Sitte.

Dass jetzt aber der Gemeinderat aus seiner Verzweiflung heraus und um das Negativ-Ergebnis der BBT auszugleichen, indirekt die Hotellerie gleich drei Mal zur Kasse bittet und mehrfach an der Kostenerhöhung beteiligen will, zeugt von Ahnungslosigkeit und Handeln im Affekt.

 

Büßt die Hotellerie doch schon durch die schlechten Übernachtungszahlen, so müssen die Hoteliers jetzt auch noch die Verluste der Marketinggesellschaft ausgleichen. Die Vorahnung einer schlechten Vermarktung bestätigt sich für mich leider schon, wenn ich den Austritt des Festspielhauses aus der BBT betrachte, welches sich angeblich selber besser zu vermarkten weiß als die dafür zuständige BBT- Vermarktungsgesellschaft. Hier läuft doch was nicht rund!

Sollte nicht eine Symbiose zwischen all den Attraktivitäten unserer Stadt der eigentliche Gewinnbringer sein? Warum kann das diese BBT bei einem ansprechenden Budget nicht schaffen? Stellt man sich in unserer Verwaltung überhaupt diese Frage? Warum muss die BBT nicht erst mal dem Gemeinderat alle Zahlen offenlegen, damit die Ratsmitglieder dann auch die wirklich richtige Entscheidung treffen?

Doch nach meiner Kenntnis ist folgendes geplant:

1. Trotz rückläufiger Übernachtungszahlen (gegen den Landestrend), sollen unser Gäste eine 20-30%ige Erhöhung der Kurtaxe hinnehmen, ohne die geringste Gegenleistung. Sogar Sylt verlangt weniger und bietet Meer und Livestyle.

2. Der Gesellschafteranteil der Gastgeber (TBB e. V.) an der BB-Marketing GmbH wurde bereits erst um 50% erhöht, um die Miesen der BBT auszugleichen. Anscheinend reichen 1.177 Mio. der BBT nicht aus, um eine angemessene Vermarktung Baden-Badens auf die Füße zu stellen.

3. Ebenso erhöht sich auch noch die Fremdenverkehrsangabe um 12,5% In meiner Zeit als Mitglied des DEHOGA-Vorstandes hätten sich Herr Schmitz und auch später Herr Marrenbach dieses Vorgehen nicht ohne eine lautstarke Reaktion der Hotellerie gegenüber unseren gewählten Volksvertretern gefallen lassen. Auch die frühere Marketing-Chefin Frau Goertz-Meißner und davor Herr Kratzat hätten sich vehement gegen dieses unsinnige Vorhaben gestemmt und mit der Verwaltung und dem Rat gerne Lösungen ausgearbeitet. Doch Frau Waggershauser bleibt stumm und sprachlos! Denn Fakt ist, die Erhöhungen der Hotellerie-Beiträge muss den Negativ-Haushalt der BBT ausgleichen und möglichst noch Geld für weitere Planungen in die Kassen spülen. Hier wird ein Pferd von hinten aufgezäumt!

Bei der Mitteilung der BBT an die Presse, dass derzeit in Baden-Baden 500 Hotelbetten fehlen, hat die BBT wohl vergessen, die Betten der neu gebauten Hotels mitzuzählen? Nun, Frau Waggershauser kann sich mal jetzt schon gut überlegen, wie sie die zukünftige übergroße Zahl an Hotelbetten füllen will, wenn nach der Renovierung der drei großen Hotels, die von ihr genannten 500 fehlenden Hotelbetten wieder dazu kommen. Bereits aktuell hat Baden-Baden schon deutlich mehr Betten als im Vorjahr. Die meisten Hoteliers, mit denen man gesprochen hat, beklagen sinkende Umsätze. Nur die Übernachtungsstatistik der BBT wird mit positivem Aufwärtstrend dargestellt. Wie geht so was? Was läuft hier falsch?

Wenn jetzt auch unsere arbeitenden Gäste kurtaxepflichtig werden, wird kein Mercedes-Arbeiter mehr in Baden-Baden übernachten und unser OB hat wieder eines erreicht: Rastatt baut nicht nur ein neues Klinikum, sondern baut auch neue Hotels. Wo sind auch all die großen Kongresse geblieben, deren Teilnehmer es früher liebten, in unserer Stadt zu tagen, zu verweilen, zu flanieren, einzukaufen, sich zu vergnügen, zu relaxen und sich zu erholen? Wohin sind sie abgewandert?

Wenn wir nach Karlsruhe blicken, sehen wir dort nach Corona wieder einen Boom und können die Antwort schon erahnen. Vielleicht ist aber unsere Stadt daran nicht ganz unschuldig, denn es bleibt die Frage, was die Kongress-Veranstalter für Ihren Kongress-Tagungsort bezahlen müssen. Sicherlich sind die Kosten in Baden-Baden um vieles höher als anderswo. Auch hier hat Baden-Baden den falschen Weg eingeschlagen. Und genau hier kann man den Effekt von übertriebenen Kostensteigerungen erkennen. Die Folgerung ist ganz einfach: Touristische Gäste wie Kongresse bleiben weg!!!

Jetzt, und vermehrt in der Zukunft, brauchen sich unsere Ratsmitglieder wenigsten nicht mehr die Frage stellen, wieso unsere Gewerbesteuereinnahmen immer noch weiter sinken werden. Die Hotellerie wird leider notgedrungen ihren Teil auch dazu beitragen. Können unsere Verwaltung und unsere Gemeinderatsmitglieder nicht erkennen welchen Effekt sie mit der höheren Belastung der Hotellerie und mit einer Erhöhung der Kurtaxe auslösen? Weniger Hotel- und Kongressgäste, weniger Restaurantumsätze in der ganzen Stadt, Umsatzeinbußen im Einzelhandel, weniger Umsätze durch Hotel-Zulieferer bei Nahrungsmitteln, Getränken, Hygieneartikeln, Kosmetik, Blumen, Büroartikel u.s.w., weniger Umsätze bei einheimischen Dienstleistern wie Reparatur-Betrieben, weniger Umsätze beim Wäschereien, Reinigungen, Tankstellen, Friseuren, weniger Umsätze bei Zulieferung von Cateringfirmen fürs Kongresshaus, weniger Gäste für Thermen Casino und Musikhäuser ect., ect.

Wenn der Tourismus in der Stadt einmal beerdigt liegt, bleibt auch für die Einheimischen nichts mehr übrig. Weder ein Festspielhaus, noch ein Theater, noch ein Kurhaus, noch die Thermen, noch ein gepflegter Park und Rosengarten und auch nicht all die anderen Annehmlichkeiten, die ein florierender Tourismus auch für unsere Bürger mit sich bringt. Dann können auch wieder Autos über den Leo und die Fieser-Brücke fahren, da es nur noch wenige Fußgänger geben wird. Andere Städte haben diese Zusammenwirkung schon längst erkannt. Nur in Baden-Baden haperts daran noch ganz gewaltig. Am liebsten würde ich rufen, erst den Kopf einschalten, dann beschließen….

Rita Maria Hirsch-Ursinus
Baden-Baden-Neuweier


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