Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Hausschlüssel herumdrehen, Rollläden herunter“ – „Die Schließung des Stadtmuseums Baden-Baden ist nicht zwingend“

Baden-Baden, 15.09.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Werner Frasch Stellung zu dem goodnews4-Bericht Bürgermeister Roland Kaiser will bis zum letzten Arbeitstag für das Stadtmuseum kämpfen – «Völlig geräuschlos im Hintergrund».

Geht es nach dem Willen der städtischen Haushaltskommission und dem zu erwartenden Beschluss des Gemeinderats, gehört eine städtische Einrichtung, die wie keine andere die Geschichte der Stadt in ihren zahlreichen Facetten eindrucksvoll, ganzheitlich und professionell präsentiert, wohl bald selbst der Geschichte an – einer Vergangenheit, die nicht mehr sichtbar sein wird und aus dem «Stadtgedächtnis» verschwindet. Über ihre Bedeutung für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit «ihrer» Stadt – und den Stolz auf sie – braucht man wohl kein Wort mehr zu verlieren.

 

Wer die Schließung für richtig hält, kann es sich bequem machen und braucht nicht über alternative Wege zur Erhaltung des wertvollen historischen Bestandes nachdenken: Hausschlüssel herumdrehen, Rollläden herunter und die Museumsstücke in einem Depot verstauen, diese Aktion als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung verbuchen und einen Haken dran machen. Wer dagegen daran interessiert ist, kulturelle Werte zu erhalten als Zeugnisse unserer Vergangenheit, die gleichzeitig für historischen Wandel und die gesellschaftliche Entwicklung (einschließlich der Leistungen unserer Vorfahren) stehen, tut gut daran, diese – drastisch gesagt – «nicht mit Füßen zu treten», zudem in einer Stadt, die den UNESCO-Welterbetitel stolz (Wir sind Welterbe) allerorten plakatiert. Mit dieser Auszeichnung – so eine offizielle Verlautbarung – geht für die Stadt nämlich «eine große Verantwortung zum Schutz und Erhalt sowie zur Sensibilisierung des wertvollen Erbes» einher. Genau diesem Ziel dient – auch – das Stadtmuseum mit seinen historischen Beständen. Haben die Verantwortlichen bisher noch nie darüber nachgedacht, dass die Schließung dieser Institution sichtbare Wurzeln der Stadtkultur kappt und konträr zur Intention der Zielvorgabe der UNESCO steht. Diese Entwicklung möchte man am liebsten «nicht vom Ende her» denken.

Es ist jetzt – und hätte auch ohne die desolate Haushaltslage Sinn gemacht – höchst an der Zeit für ein Konzept, das neue Wege geht und eingefahrene Gleise hinter sich lässt. Es muss die Gesamtschau auf das Stadtmuseum und das im Aufbau bzw. in der Planung befindliche Informationszentrum Welterbe – für das erhebliche Haushaltsmittel vorgesehen sind und Personalstellen geschaffen wurden – im Auge haben. Erfreuliche Konsequenz: der Erhalt des Stadtmuseums ist machbar. Dessen «Einbindung» ins Stadtmuseum wurde jüngst bereits angesprochen. Dahingestellt sei, ob eine «Einbindung» zwingend ist oder ob andere Lösungswege beschritten werden können. Dazu bedarf es einer gründlichen Analyse.

Stadtmuseum und Welterbezentrum haben in weiten Teilen identische Aufgaben: die historische Entwicklung der Stadt darzustellen – dies leistet das Stadtmuseum bereits in hervorragender Weise, ein Welterbezentrum müsste hier insoweit «nachziehen». Überschneidungen darf es dabei allerdings nicht geben, spezifische Ergänzungen im Sinne des Gedankens «Welterbe» sind unproblematisch. Die Präsentationen beider Einrichtungen müsste optisch und inhaltlich aufeinander abgestimmt (aus «einem Guss») sein. Notwendig ist jedenfalls, das personelle (Doppelspitze?), organisatorische und inhaltliche «Zusammenspiel» beider Einrichtungen professionell unter die Lupe zu nehmen, ihre Ziele und Aufgaben als Teil der Kommunalverwaltung klar zu definieren, um ineffiziente und verkrustete Strukturen und Überschneidungen zu vermeiden («Wildwuchs»). Der Personaleinsatz in diesem «Verbund» ist flexibel gestaltet, Doppelstrukturen werden vermieden und Synergien erzeugt.

Es bleibt noch Zeit, dieses Ziel anzusteuern. Die Ausarbeitung des Konzepts eines Informationszentrums Welterbe wurde jüngst bis zum Jahr 2028 verlängert. Vermutlich gibt es kein «Vorbild» für eine hier skizzierte Konzeption. Es besteht aber auch kein Grund, weshalb nicht das «Welterbezentrum Stadtmuseum Baden-Baden» Vorreiter für ein Modell sein soll, das nicht «strukturkonservativ» angelegt ist, sondern auf dem Gedanken eines gesamtheitlichen, innovativen Konzepts beruht und damit auch den Weg zu weiteren Fördertöpfen ebnen kann.

Werner Frasch
Baden-Baden


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