Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Im Vorfeld der Oberbürgermeister-/Landtagswahl“ – „Baden-Baden braucht keine Protestfigur“

Baden-Baden, 03.02.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Dr. med. Mark Lopatecki Stellung.

Wer derzeit die Debatte im Vorfeld der Oberbürgermeister-/Landtagswahl verfolgt, begegnet immer häufiger populistischen Argumentationsmustern im Gewand angeblicher Bürgernähe. Komplexe kommunalpolitische Fragen werden auf Schlagworte reduziert, Differenzierung gilt als Schwäche. Was bleibt, ist moralische Selbstüberhöhung statt sachlicher Auseinandersetzung – und eine Debatte, die mehr polarisiert als aufklärt.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier ein Pool von AfD-Autoren im Rotationsprinzip agiert. Damit wird eine Meinungsvielfalt vorgegaukelt, die in Wirklichkeit ein orchestriertes Vorgehen darstellt. Ein einfacher Trick, um Wiederholung als positive Verstärkung zu nutzen und den Eindruck von Selbstlob zu vermeiden. Faktisch ist es ein Wiederkäuen des immer gleichen Inhalts.

Die Medien haben Mühe, sich diesem Ansturm zu erwehren. Auffällig ist dabei die klare Stoßrichtung: Ins Auge sticht die positive Hervorhebung des AfD-Kandidaten – nicht über belastbare Konzepte, sondern über Abgrenzung, Empörung und die Abwertung Dritter. Quellenangaben dienen dabei oft nur einer Scheinobjektivierung.

 

Die Muster ähneln sich auffällig:
Radikale Verkürzung: Komplexe Fragen zu Haushalt, ÖPNV oder Infrastruktur werden auf vermeintlich einfache Schuldige reduziert.
Emotionalisierung: Empörung ersetzt Analyse, moralische Gewissheit die Sachkenntnis.
Delegitimierung von Fachlichkeit: Wer auf rechtliche oder finanzielle Rahmenbedingungen hinweist, gilt als «Teil des Systems».
Opferrolle: Bei Gegenwehr folgt reflexartig die Behauptung, man werde unterdrückt oder ausgegrenzt.

Dietrich Bonhoeffer beschrieb dieses Phänomen bereits 1944: Dummheit sei kein Mangel an Intelligenz, sondern ein moralisches Versagen unter dem Einfluss von Gruppendruck. Sie äußere sich dort, wo Menschen aufhören, selbst zu denken, und stattdessen Parolen übernehmen. Genau dies spiegelt sich in vielen Leserbriefen wider. Sie dienen der Mobilisierung statt der Aufklärung. Wer den AfD-Kandidaten lobt, tut dies oft gerade wegen der Vereinfachung: Klare Feindbilder ersetzen komplexe Lösungen.

Für die OB-Wahl ist das gefährlich. Baden-Baden braucht keine Protestfigur, sondern eine Stadtspitze, die Komplexität erklärt, Zielkonflikte benennt und Verantwortung trägt – auch für unpopuläre Entscheidungen. Populismus ersetzt keine Kompetenz, Empörung keine Verwaltungserfahrung und die Reduzierung auf Schlagworte kein ausgewogenes Konzept.

Medien tragen hier Verantwortung. Leserbriefe sind essenziell für die Demokratie. Sie sollten jedoch nicht zur einseitigen Bühne für inszenierten Wahlkampf und Denkverweigerung werden. Wer Demokratie ernst nimmt, darf sich nicht mit Applaus für Vereinfacher zufriedengeben.

Dr. med. Mark Lopatecki
Baden-Baden


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