Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Klinikangestellte werden instrumentalisiert, um bei öffentlichen Veranstaltungen die Meinung zu verzerren“

Baden-Baden, 05.06.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Axel Weusten Stellung zu dem goodnews4-Bericht Gestern Abend im Baden-Badener Rathaus – Protokoll zur Entscheidung «Patronatserklärung» – Das Dauer-Déjà-vue von CDU, Grünen und SPD.

Als aufmerksamer Beobachter der Bürgerentscheid-Kompanie staune ich immer wieder über den Umgangston und das Verhalten jener, die den Standort Rastatt für das zukünftige Zentralkrankenhaus (ZKH) durchdrücken wollen – koste es, was es wolle. Es wirkt, als hielten sie jeden, der kritisch nachfragt oder alternative Standorte vorschlägt, für rückständig, uninformiert oder gar als «Feind».

Trotz massiv veränderter wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen klammern sich die Fraktionen noch immer an ein überholtes, längst widerlegtes Gutachten aus dem Jahr 2019. Neue Zahlen, aktuelle Entwicklungen, fundierte Gegenargumente? Sie werden ignoriert oder bewusst kleingeredet.

 

Statt offener Diskussion erleben wir eine einseitige Mobilisierung – Klinikangestellte werden instrumentalisiert, um bei öffentlichen Veranstaltungen die Meinung zu verzerren. Der Eindruck: Zustimmung wird inszeniert, nicht gelebt. Die Stimme der kritischen Bürgerschaft wird verdrängt, statt gehört.

Und mehr noch: Wer das Gespräch sucht, trifft auf eisiges Schweigen. Persönlicher Austausch? Unerwünscht. Kritische Stimmen? Ausgeblendet. Es entsteht das Bild einer politischen Wagenburg – abgeschottet und beratungsresistent. Die Korrektur einer alten Fehleinschätzung könnte vom Wähler als Eingeständnis von Schwäche oder Versagen interpretiert werden.

Dabei darf nicht vergessen werden: Die heutige finanzielle Notlage der Kliniken ist kein Zufall, sondern Folge einer historischen Fehlentscheidung. Vor über 25 Jahren wurde die Fusion zweier funktionierender Häuser beschlossen – mit verheerenden Folgen. Die ehemals wirtschaftlich stabile Stadtklinik wurde zerschlagen. Und auch später verfolgten Entscheidungsträger primär politische Ziele, statt medizinischer Vernunft – das Ergebnis ist bekannt: der schleichende Niedergang des Klinikums Mittelbaden.

Doch anstatt daraus zu lernen, soll nun die nächste langfristige Fehlentscheidung durchgedrückt werden: Münchfeldsee als Standort. Die Begründungen wirken politisch vorgefertigt, strategisch zweifelhaft und verschweigen die tatsächlichen Kosten.

Die letzte Hoffnung liegt nun beim Souverän – den Bürgerinnen und Bürgern. Mögen sie mit Weitblick, Verantwortung und Herz entscheiden. Oder mit klugem Blick in Ihren Geldbeutel und die leeren öffentlichen Kassen. Der Standort Münchfeldsee wird weit über eine Milliarde Euro kosten. Die Sanierung vor Ort allenfalls einen Bruchteil davon.

Axel Weusten
Badne-Baden


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