Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „KMB – Schlimmer als befürchtet und der beste Weg, Vertrauen zu zerstören“

Baden-Baden, 11.08.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Karl-Georg Degenhardt Stellung zu dem goodnews4-Bericht Klinik-Chef Thomas Iber möchte das Vertrauen der Baden-Badener gewinnen – Im goodnews4-Interview: «Wir haben ja neun Jahre auf dem Weg in den avisierten Eröffnungsmonat».

Der massive Abbau der klinischen Versorgung in der Region nimmt erschreckende Ausmaße an. Mit der zu hinterfragenden Begründung einer «wirtschaftlichen Notwendigkeit» wird die Schließung der Klinik in Bühl sowie der Verkauf von Immobilien in Bühl, Forbach und Gernsbach geplant. Dieser Schritt markiert das traurige Ende der klinischen Versorgung in Bühl, die bereits im Februar 2024 eingeleitet wurde. Die Begründung, die notwendige Investitionen von 30 Millionen Euro seien nicht leistbar, wirft die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des KMB auf und wer dafür die Verantwortung trägt. Es ist zu beachten, dass die Geschäftsführer des KMB nicht frei in ihren Äußerungen sind, sondern weisungsgebunden (Thomas Iber). Die Weisungen erteilt der Eigentümer, vertreten durch den Landrat und den Oberbürgermeister von Baden-Baden.

 

Die Patienten aus Bühl und Bühlertal sind nun final auf Kliniken in Baden-Baden (Balg), Rastatt, Achern oder Offenburg angewiesen. Die längeren Anfahrtswege sind eine enorme Belastung, besonders für Menschen ohne Auto oder mit eingeschränkter Mobilität. Das Zukunftsversprechen, ein neues Zentralklinikum in Rastatt sei im Jahr 2034 die Lösung aller Probleme, klingt angesichts der aktuellen Entwicklungen zynisch. Dies bedeutet acht weitere Jahre Übergangslösung. Gleichzeitig ist die Realisierung dieses Großprojekts, das bisher mit 676 Millionen Euro veranschlagt wurde, höchst fraglich. Nicht bezifferte standortbedingte Mehrkosten für Bodensanierung, Kriegsmittelbeseitigung, Baugrundstabilisierung und Verkehrsanbindung etc. sowie gestiegene Bau- und Baunebenkosten lassen die Sorge aufkeimen, ein Ende mit einer Bauruine am Münchfeldsee wäre denkbar.

Aufgrund der jetzt gültigen Mitbestimmungs- und Beteiligungsverhältnisse kann Baden-Baden nichts mehr eigenständig beeinflussen und muss dennoch bezahlen.

Die sogenannte «Nachverdichtung» der medizinischen Leistungen führt meiner Ansicht nach zum Wegfall lokaler Versorgung, zum Verlust regionaler Arbeitsplätze und zu schlechteren Arbeitsbedingungen durch Mehrbelastung. Die Folge ist eine schlechtere Versorgungsqualität, die Patienten zu den Wettbewerbern, wie den Ortenau-Kliniken und Angeboten in Karlsruhe, abwandern lässt. Dies untergräbt auch die von Herrn Iber als «sicher» versprochene künftige wirtschaftliche Besserstellung des KMB. Die wachsenden Kostenbelastungen durch die Neubaumaßnahmen, denen keine Einnahmen gegenüberstehen, werden die Situation weiter verschlimmern. Es stellt sich die Frage, ob die gesamte Finanzplanung einer institutionellen Überprüfung standhalten könnte.

Der gescheiterte Bürgerentscheid in Baden-Baden liefert nun leider die demokratische Legitimation für diese Politik der «vollendeten Tatsachen». Die Wahlergebnisse in den Stadtteilen Baden-Badens selbst sprechen eine andere Sprache, was die Frage aufwirft, ob die historisch bedingte Gewichtung der übrigen Ortsteile noch zeitgemäß ist. Das nächste mögliche Ziel dieser Strategie rückt bereits in den Fokus: die Klinik in Balg, für die ebenfalls hohe Investitionen anstehen. Es bleibt die Frage, wie das KMB diese Probleme lösen wird und wer am Ende als Gewinner dieser Tragödie hervorgehen wird. Eines scheint jedoch klar: Es könnte schneller schlimmer kommen, als wir es uns je vorgestellt haben.

Karl-Georg Degenhardt
Baden-Baden


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