Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Personal-Explosion im öffentlichen Dienst“ – „Ein Blick auf die Mitarbeiterzahl der Stadtverwaltung Baden-Baden“

Baden-Baden, 18.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung zu dem goodnews4-Bericht Beinahe-Unglück Felssturz – Rathaus Baden-Baden sieht sich nicht in der Verantwortung – Antworten auf goodnews4-Fragen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst lohnt ein Blick auf die Mitarbeiterzahl der Stadtverwaltung Baden-Baden inkl. seiner Betriebe mit insgesamt 1.800 Personen. Offensichtlich hat man sich hierbei gleich noch eine Ersatz-Reserve zugelegt, wie aus Beobachtungen festzustellen ist. Beim Passieren der Felssturzstelle an der Geroldsauer Mühle konnte man im Vorbeifahren beobachten, dass 3 städtische Arbeiter zugange waren. Was heißt zugange? Eben nicht, denn ein Arbeiter war mit dem Auswechseln der Batterie für die Ampel beschäftigt und die beiden anderen Arbeiter standen mit den Händen in den Hosentaschen dabei und begutachteten wohlgefällig das Werk. Das waren wahrscheinlich zwei aus der Ersatz-Reserve, die einspringen müssen, wenn der andere krank oder in Urlaub ist. Dann arbeitet der Zweite und der Dritte hält sich in Reserve. Mit diesem Personaleinsatz ist gewährleistet, dass die Batterien der Ampeln bis zum Ende der Baustelle in geschätzt 5 Jahren (wie Seelachstraße) ordnungsgemäß ausgewechselt werden.

 

Ein ähnlicher Personalüberhang lässt sich auch bei der Müllabfuhr beobachten. Während der private Dienstleister für die Entsorgung von Plastik und Papier mit wenig Personal auskommt (1 Fahrer, 1 Leerer) benötigt man bei der Städtischen Müllabfuhr 5 Personen. Einer läuft voraus und stellt die Tonnen an den Straßenrand, dann folgt der Wagen mit einem Fahrer und zwei Leeren und ein weiterer läuft nach und stellt die Tonnen wieder rein. Ein irrsinniger Personalkostenaufwand, bei dem sich bei jedem Unternehmer der Magen umdreht. Warum stellen die Hausbesitzer oder deren Beauftragte ihre Tonnen nicht selbst an den Straßenrand, bei Plastik und Papier müssen sie es ja auch?

Aber nicht nur im unteren Gehaltsgefüge wird geaast, nein, Baden-Baden benötigt unter Führung des umstrittenen OB Späth auch dringend noch einen 4. Bürgermeister. Warum? Völlig unnötig und bestätigt nur eindrücklich, dass die Stadtverwaltung mittlerweile zu einem schamlosen Selbstbedienungsladen verkommen ist. Wenig Leistung für viel Geld und niemand gebietet diesem Treiben Einhalt. Wer auch? Das Regierungspräsidium sicher nicht, denn dort läuft es doch genauso ab und eine Krähe hackt bekanntlich der anderen ja kein Auge aus. Mittlerweile habe ich Verständnis für Trump, der einen Großteil der öffentlich Bediensteten entlassen will. Das könnte als Vorbild für Deutschland dienen!

Zur Verteidigung dieser Mitarbeiter-Orgie verweist die Stadtverwaltung auf den Personalbestand z.B. in den Ministerien der Bundesrepublik Deutschland. Auch dort wird mit Personal geprasst. Der Personalbestand der 18 statt bisher 15 Bundesministerien belief sich im Jahr 2014 noch auf 22.343 Personen und schnellte in den letzten 10 Jahre auf 28.628 Personen hoch, oder, um es in Summen auszudrücken; 2014 betrug der Aufwand für Personalkosten 878 Millionen Euro und heute 2,84 Milliarden Euro. Summa summarum erhöhten sich die Kosten der Ministerien von 3,3 Milliarden Euro auf heute 5,6 Milliarden Euro. Diese Zahlen vor Augen sollte man sich über die überbordende Personalpolitik in der Baden-Badener Verwaltung nicht aufregen, auch wenn diese den Großteil der Steuereinnahmen der Stadt verschlingt.

Da man bisher trotz KI aber keine Personalreduzierung ins Auge gefasst hat, andererseits aber mit einer Haushaltssperre belegt ist, bleibt bei immer geringeren Steuereinnahmen und immer höheren Personalkosten logischerweise nur noch wenig übrig, um irgendwelche dringend erforderlichen Investitionen zu tätigen.

Vielleicht sollte die Stadtverwaltung noch ein «Spenden-Referat» mit 200 Mitarbeitern einrichten und eigenem Bürgermeister versteht sich. Dort können dann die Einwohner von Baden-Baden ihre Wünsche nach Sanierungen äußern und vielleicht gleich auch noch eine Spende tätigen. Je nach Höhe der Spende könnte man dann ja einen sanierten Kindergarten, einen sanierten Spielplatz, eine sanierte Schule oder gar eine sanierte Straße nach dem bzw. den Spendern benennen und mit Schildern oder Gedenkblöcken wie vor dem Festspielhaus auf diese Wohltäter hinweisen.

Martin Müller-Petersen
Baden-Baden


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