Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Probleme der Gastronomie“ – „Ein abgestandener Rest aus der Champagnerflasche wird als Aperitif gereicht“
Baden-Baden, 12.04.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung.
Dass allgemein und in allen Bereichen ein wirtschaftlicher Niedergang zu beklagen ist, steht wohl außer Zweifel, so auch in der Gastronomie. Dass heute Schnellimbisse mit vorgefertigten Produkten und Selbstbedienung im Trend liegen, muss nicht verwundern. Zum einen bringt niemand mehr die Geduld einer Wartezeit auf und zum anderen fühlt man sich an keine Konvention mehr gebunden. Allerdings ist auch hier ein Unterschied zu festzustellen. Ausländische Lokale, deren Gerichte an den letzten Urlaub erinnern, erfreuen sich besonderer Beliebtheit. Verwunderlich ist allerdings, dass der amerikanische, für Zahnprothesenträger erfundene und beim Bayerischen Ministerpräsidenten vielleicht aufgrund von Parteispenden (McDonalds) beliebte durchgedrehte Billig-Mampf, angereichert mit besonders viel gezuckertem Ketchup und Majo in unserem Land immer noch den größten Umsatz macht. Diese Lokale liegen voll im Trend, freuen sich über die angekündigte Mwst.-Reduzierung, die ihren Gewinn nochmals drastisch erhöht, und lassen die heimische Gastronomie reihenweise Pleite gehen.
Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, auch mit unserer Gastronomie liegt es leider im Argen. Gegen die vorgenannte ausländische und amerikanische Konkurrenz anzustinken gelingt kaum noch. Hierzu gibt es viele Erklärungen. So ist in ausländischen Lokalen, die meist als Familienbetriebe geführt werden, das Servicepersonal freundlicher, während in deutschen Lokalen meist mit Fremdpersonal bzw. mit Aushilfen gearbeitet wird. Oftmals nur mit sogenannten Food Runnern die zwar Teller schleppen können, aber dem Gast nicht das Gefühl vermitteln willkommen zu sein. Früher wurden in besseren Restaurants Gerichte teils in Tranchen serviert. Heute nicht mehr, selbst in Sterne-Lokalen werden nur noch Tellergerichte serviert, weil die Zubereitung eines Gerichts am Tisch oder der Service eines Gerichts in Tranchen wegen fehlender Befähigung des Servicepersonals nicht mehr möglich ist.
Hier nur 3 selbsterlebte Beispiele aus der Sterne(!!)-Gastronomie. Ein abgestandener Rest aus der Champagnerflasche wird als Aperitif gereicht. Der Rotkohl zur Entenbrust landet auf der Hose des Gastes statt auf dessen Teller. Eine am Tisch filetierte Seezunge landet im hohen Bogen auf dem Teppichboden. Leider steht diese Handhabung, speziell bei hochpreisigen Restaurants, im krassen Gegensatz zum geforderten Preis. Die Zeiten, wo man bereit war, hohe Preise nur für den berühmten Namen des Restaurants bzw. des Kochs trotz minderwertigem Service zu bezahlen, gehören der Vergangenheit an! Heute muss sich auch die Sterne-Gastronomie etwas einfallen lassen, den Kunden zufriedenzustellen und den verlangten hohen Preis zu rechtfertigen. Nicht nur ausgebildetes Fachpersonal ist von Nöten, sondern auch ein gewisses Maß an Entertainment, also die persönliche Zuwendung des Servicepersonals zum Gast, die aber nur funktionieren kann, wenn das Personal nicht ständig wechselt. Früher wurde man jahrelang vom gleichen Kellner bedient, der alle Wüsche und Vorlieben kannte, und heute? Ständiger Personalwechsel vermittelt dem Gast nicht das Gefühl von Vertrautheit. Also kann man auch gleich eine Pizza beim Lieferdienst bestellen, oder besser noch, man kocht zuhause und genießt Nahrung und Weine zu einem Bruchteil des Preises, den man in Lokalen gnädigerweise trotz schlechtem Service entrichten darf.
Martin Müller-Petersen
Baden-Baden
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