Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Russische und ukrainische Oligarchen in Baden-Baden“ – „Eigenartige Freundschaft“

Baden-Baden, 27.07.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Wolfgang Holstein Stellung.

Es herrscht weltweites Entsetzen über die russischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine, welche nun in der Bombardierung eines Kinderkrankenhauses ihren traurigen Höhepunkt fand.

Was geht eigentlich in einem Menschen wie Putin vor? Hat der gar kein Gewissen? Nein, hat er nicht. Als Prototyp der früheren Kaderschulung des KGB kennt er keine Gesetze an und geht problemlos und ohne Gewissenbisse über Leichen. Allerdings zeigt uns sein Vorgehen, dass ihn im Gegensatz zur Meinung von vielen sogenannten Militärexperten, die sich zuhauf im deutschen TV tummeln, die schiere Verzweiflung treibt.

Halten wir einen kurzen Rückblick. Zunächst begann er seinen Krieg gegen die Ukraine von Weißrussland aus, weil an deren Grenze die geringste Gegenwehr der Ukrainer zu erwarten war (Grenze zu einem Bruderstaat). Er wollte einen Blitzkrieg mit vielen Panzern und vielen Soldaten führen und erhoffte einen schnellen Sieg durch die Einnahme von Kiew. Er hatte jedoch nicht mit der Gegenwehr der tapferen Ukrainer gerechnet, die seine Panzer reihenweise in die Luft sprengten und seine Soldaten flohen wie die Hasen zurück über die Grenze.

 

Daraufhin schickte er seinen Freund Prigoschin mit seinem Wagner-Söldnerheer an die Front, weil der ihm versprochen hatte, dem Unfug ein schnelles Ende zu bereiten. Auch diese Strategie ging, wie wir wissen, in die Hose. Nach extremen Verlusten verloren diese Söldner die Lust am Krieg spielen und Prigoschin blieb nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. Dass er dabei eine Drohgebärde gegen Putin schickte, musste er letztlich mit seinem Leben bezahlen.

Nun schickte man, analog der Stalin-Strategie im 2. Weltkrieg neben russischen Strafgefangenen mit dem Versprechen auf Haftverkürzung auch ausländische Söldner bevorzugt aus Hungerleiderländern an die Front. Da diese im Kriegswesen nicht ausgebildet waren, kam es wie es kommen musste, sie starben im gegnerischen Kugelhagel wie die Fliegen. Laut Einschätzung westlicher Beobachter sterben an der russischen Front täglich durchschnittlich 1.000 Soldaten.

Aber noch wollte Putin sein Vorhaben nicht aufgeben und schickte die russischen Kolchosenbauern aus dem Osten seines Reiches an die Front. Aber auch hier war die Sterblichkeitsrate extrem hoch und an einen Sieg nicht zu denken. Die Stalin-Strategie, wonach der damals zum Ende des 2. Weltkriegs 1 Million Menschen an die Front warf, die meist nur mit Schaufeln und Mistgabeln bewaffnet waren, geht diesmal aber scheinbar zumindest zum Teil auch auf. Damals hatten die Deutschen Verteidiger gar nicht genug Munition um hunderttausende Soldaten aufzuhalten und verloren die letzte Schlacht an den Seelower Höhen was dann gleichbedeutend mit der Eroberung von Berlin war. Diese Strategie geht derzeit jedoch nur zum Teil auf, weil die Soldaten der Ukraine dank westlicher Waffen dem Ansturm von Menschenmassen bis heute Einhalt gebieten konnten. Allerdings geht den Ukrainern nun die Munition aus und Putin wirft tausende und abertausende Soldaten dem Gegner als Kanonenfutter entgegen. Ein nepalesischer Söldner, dem 3.000 Euro Sold pro Monat versprochen wurden, die er aber nie erhalten hat, gab einem westlichen Journalisten gegenüber zu Protokoll, dass er von seinem Kommandeur aufgefordert wurde, nur leicht verletzte Kameraden zu bergen, schwer verletzte aber zu erschießen, da diese für künftige Kampfeinsätze ohnehin nicht mehr zu gebrauchen seien (siehe Stern-Bericht „Aus dem Himalaya in den Tod“). Soviel zur Moral der russischen Kriegsführung.

Die Ukrainer verfügen zwar über moderne Waffen, haben aber nicht genügend Munition um sich gegen diese Massen wehren zu können. Ihnen bleibt nur das gleiche, wie deutschen Soldaten in Manövern, nämlich Peng und Bum zu rufen statt feuern zu können.

Nachdem auch das Kanonenfutter aus dem Osten des Reiches sowie die noch verbliebenen Söldner herbe Verluste erleiden, hat Putin nur noch die Möglichkeit Soldaten aus dem westlichen Teil von Russland zu rekrutieren, inklusive Moskau und St. Petersburg. Damit hatten die verwöhnten Söhnchen der wohlhabenden Russen aber nicht gerechnet und Putin muss hier mit der erbitterten Gegenwehr seiner bisher verschonten Oligarchen rechnen. Zwar sind mittlerweile schon 600.000 gut situierte junge Russen ins Ausland geflohen, aber einige Partygänger könnte man sicher noch Dienstverpflichten. Damit verscherzt sich Putin dann aber die Sympathien seiner dortigen Unterstützer. Deshalb sucht er zunächst mit Prämien nach Freiwilligen, die sich in Anbetracht der enormen Verluste von Soldaten an der Front aber wahrscheinlich nicht so leicht finden lassen werden.

Fazit: Nicht nur der Ukraine sondern auch Putin gehen die Soldaten aus. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass er zu Verhandlungen bereit ist. Zunächst versucht er die bisher relativ gefahrlose Flächen-Bombardierung der östlichen Ukraine und es liegt nun in der Hand der westlichen Verbündeten diesen Angriffen durch entsprechendes Material zur Luftabwehr etwas entgegenzusetzen. Wobei Deutschland schon aus eigenem Interesse endlich Taurus Marschflugkörper liefern sollte, denn wir werden zwangsläufig in Kampfhandlungen einbezogen, wenn dieser Psychopath mit dem Rücken zur Wand steht und beginnt an den Knöpfen zum Start von Atomraketen herumzuspielen; nach dem ehemaligen Hitler-Motto, wenn ich untergehe, dann soll das Volk mit untergehen.

Während politische Dummschwätzer und Putin-Versteher stets von Friedensverhandlungen schwafeln, wissen die Ukrainer genau was ihnen im Fall einer Kapitulation blüht, nämlich nicht nur der endgültige Verlust sämtlicher besetzter Ostgebiete einschließlich der Krim, sondern auch das gleiche wie bisher in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine oder wie damals nach dem Fall von Berlin: Mord, Totschlag, Verschleppung und Vergewaltigung. Denn eventuelle Versprechen der Russen, nichts Illegales zu unternehmen sind nicht das Papier wert auf dem sie abgegeben werden. Die Russen sind notorische Lügner und als bestes Beispiel dient hier der seit gefühlt 100 Jahren amtierende Außenminister Lawrow, der bisher jedem politischen Gesprächspartner frech ins Gesicht gelogen hat. Auch deutsche Politiker können ein Lied davon singen. Wie sagte schon Franz Josef Strauß: «Die Russen tun dir schön ins Gesicht und rammen dir gleichzeitig das Messer in den Rücken.» Dieser Erkenntnis eines bedeutenden deutschen Politikers ist nichts hinzuzufügen.

Dass sich eigenartiger Weise die russischen und ukrainischen Oligarchen in Baden-Baden gut verstehen sei nur als Randerscheinung erwähnt. Der Leser möge sich selbst ein Bild über diese eigenartige Freundschaft machen, die scheinbar noch aus der Nach-Sowjet-Zeit herrührt, wo sich zwielichtige Figuren beider Nationalitäten nach Kräften und zu Lasten des Volkes bereichert haben. Und eine Krähe hackt ja bekanntlich der anderen kein Auge aus.

Wolfgang Holstein
Baden-Baden


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