Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Schließung der Städtischen Galerie Fruchthalle Rastatt“ – „Kulturstandort zwischen Baden-Baden und Karlsruhe“
Baden-Baden, 26.05.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Peter Hank Stellung.
Mittlerweile nach Freiburg verzogen, habe ich über meinen früheren Vermieter erfahren, dass die Städtische Galerie Fruchthalle vor dem Aus steht. Für jemand, der die Einrichtung 17 Jahre lang leiten durfte, erschüttert diese Nachricht nicht wenig.
Das Haus am Rastatter Paradeplatz mit dem Pfeifferbrunnen vor dem Eingang ist ein kulturelles Zentrum der Stadt und ergänzt den wichtigen Kulturstandort zwischen Karlsruhe und Baden-Baden. Mit seiner einzigartigen Sammlung Badischer Kunst zeigt es nicht nur die von Mannheim bis Konstanz vorhandene Kreativität, sondern ist auch zugleich Inspirationsquelle für die Künstler der Region, die stets nach Ausstellungsmöglichkeiten suchen, um ihre «Wahrgaben» der Öffentlichkeit zu präsentieren und mitzuteilen. In einer Welt, in der das bewegte Bild ein maßloses Übergewicht besitzt, braucht es solche Mitteilungsorte, in der das ruhende Bild ein Gegengewicht erzeugt. Wie will sich der Mensch emotional und ästhetisch gegen die Allmacht künstlicher Intelligenz behaupten, wenn es zum Ausgleich keine Stätten der künstlerischen Äußerung mehr gibt, in denen sich die Öffentlichkeit damit auseinandersetzen kann. Öffentlichkeit meint hier nicht nur den Einzelbesucher der Einrichtung, sondern unterschiedlichste Gruppen, Vereine, Schulklassen, Kindergärten und auch Mitarbeiter von Firmen und Behörden, die gemeinsam eine Ausstellung anschauen und sich durch diese führen lassen. Hier findet zu wesentlichen Fragen unseres Zusammenlebens ein lebendiger Austausch statt, der zugleich auch ästhetischen Genuss bietet.
Wie kann und soll man so etwas aufgeben wollen? Rastatt war in historischer Hinsicht eine Kommune, die bei allen Zugewinnen Verluste hinnehmen musste. So ging beispielsweise der Status der Residenzstadt an Karlsruhe verloren, die Bundesfestung wurde nach nur 50 Jahren Bestand geschleift. Soll nun die Region durch die optierte Schließung der Fruchthalle einen wichtigen kulturellen Standort verlieren? Wie passt das zu den kulturellen Einrichtungen des Bundes und Landes im Rastatter Schloss? Man möge nur einmal den ideellen Verlust gegen die materielle Einsparung aufrechnen, dann wird das Unsinnige einer Schließung deutlich. Rastatt braucht als Mittelzentrum die Städtische Galerie als kommunales Schaufenster, mit dem es sich anbinden kann an den kulturellen Zeitgeist in seiner besten Form.
Peter Hank
Ehemaliger Leiter der Städtischen Galerie Fruchthalle Rastatt
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