Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung – „Seit Jahren stagnieren Gästeübernachtungen in Baden-Baden“
Baden-Baden, 07.01.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung.
Seit Jahren stagnieren die Gästeübernachtungen in Baden-Baden bei knapp 1 Million. Bisher hatte die Chefin der städtischen Tourismus GmbH alle möglichen Ausreden zur Hand. Abgesehen von der Pandemie, für die niemand etwas kann, waren es bevorzugt das zu geringe Bettenangebot in der Hotellerie in Baden-Baden. Nachdem nun in mehreren Häusern viele Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau gesteckt wurde, weiß man heute schon, welche Ausrede sie als nächstes benutzen wird und zwar «die Übernachtungspreise sind zu hoch». Statt aber Tag und Nacht über neue Ausreden zu sinnieren, sollte die Betreffende lieber überlegen, wie man Touristen nach Baden-Baden locken könnte. Irgendwelche Festivitäten zu Fress- und Saufgelagen mögen für die Besucher aus den umliegenden Dörfern vielleicht interessant sein, aber sicher nicht für betuchte internationale Touristen. Um sich aber zu informieren, bedarf es der intensiven Recherche in den neuen Tourismus-Zentren und des Studiums der internationalen Fachpresse. Wie einer Blutspur könnte man dem Karawanenweg der betuchten Russen folgen, die einst Baden-Baden reich gemacht hatten. Diese hatten sich zunächst an die Còte d´Azur gewandt und sind von dort nach Dubai weitergezogen. Mittlerweile fliegen sogar die Ferienflieger Condor und Eurowings siebenmal pro Woche nach dort. Dubai entwickelt sich aber nicht nur zum neuen Touristenzentrum, sondern auch als Drehkreuz für internationale Flüge nach Fernost. Sind früher 65 bis 70 Prozent der Passagiere in Europa umgestiegen, sind es nun noch ca. 35 Prozent; die Verlagerung ist im vollen Gange.
Jeder Tourismuschef bekommt graue Haare, wenn er weiß, was in Dubai geboten wird. Nicht nur alle führenden Weltmarken, die auch mal in Baden-Baden vertreten waren, sind dort zu finden, sondern auch mehrere 3-Sterne-Restaurants, von den möglichen sportlichen Aktivitäten wie Schlittschuhlaufen bei 40 Grad Außentemperatur, oder Badestrände, die 24 Stunden (nachts per Flutlicht) benutzt werden können und auch von Rettungsschwimmern bewacht werden. Es gibt praktisch nichts, was es dort nicht gibt. Sogar das Glückspiel ist im eingeschränkten Rahmen und Alkoholgenuss an lizensierten Orten (Hotels, etc.) erlaubt. Also was will der reiche Tourist mehr? Und was wird ihm in Baden-Baden geboten? Hierzu sei auf den Leserbrief von Wolfgang Holstein (goodnews4 vom 29.12.2025) und den Artikel in der FAZ verwiesen. Es gibt in Baden-Baden nichts, aber auch gar nichts, was einen längeren Aufenthalt wie zwei Tage rechtfertigen würde. Es bedarf dringend eines sogenannten Alleinstellungsmerkmals, auch wenn es früher oder später kopiert wird. Hierzu nur ein Beispiel. Vor ca. 15 Jahren konnte ich meinen chinesischen Geschäftspartnern das höchste Glück durch eine Einladung in das Paulaner Bräuhaus in Shanghai bereiten. Wie Kinder an Weihnachten haben sie gestrahlt als Schweinshaxen, Bier und andere bayerische Spezialitäten serviert wurden. Das ist mittlerweile natürlich keine Besonderheit mehr, aber damals war das den Chinesen unbekannt und der Laden war immer brechend voll. Hier hingegen steht in den meisten Restaurants ja nicht einmal mehr der traditionelle «Rehrücken Baden-Baden» auf den Speisekarten, weil man meint man muss den ausländischen Gästen das bieten, was sie in jedem Restaurant der Welt bekommen.
Ein weiteres Armutszeugnis ist die Aufstellung weiterer Spielautomaten im Casino Baden-Baden für die Kleingeldspieler. Wenn man schon Las Vegas kopieren will, dann muss auch das Rahmenprogramm stimmen, also Shows mit internationalen Stars.
Auch ein anderes Thema sollte die Stadt-Kämmerer im Zusammenhang mit Dubai beunruhigen. Immer mehr Gewerbetreibende jeglicher Couleur zieht es aus den verschiedensten Gründen nach Dubai. Nicht nur die Steuern sind niedriger und die Fördermittel höher, sondern auch die Bürokratie hält sich in einem sehr, sehr überschaubaren Rahmen. In Dubai investiert im Moment alles, was Rang und Namen und vor allem Geld hat, so wie Mercedes-Benz, die für rund 1 Milliarde US-Dollar in Dubai ein Gebäude mit 341 Metern Höhe für 150 Luxus-Apartments errichten lassen.
Was also hat Baden-Baden dagegen zu setzen? Nichts, außer hohen Hotelpreisen, einer durchschnittlichen Gastronomie und Wanderungen im Schwarzwald. So wird das nie etwas. Berlin hat seinen Ruf als Hotspot für Touristen ebenfalls verloren und dort haben nach dem verrückten Bauboom der letzten Jahre mittlerweile 70 Hotels wieder dicht gemacht und auch einige Sterne-Köche haben das Weite gesucht.
Ich wage die Voraussage, dass Baden-Baden mit der derzeitigen personellen Besetzung der verantwortlichen Stellen keine Lösung für die drängenden Probleme finden wird.
Martin Müller-Petersen
Baden-Baden
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