Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Stehen die Zeichen auf ein Krankenhaus in BAD-Balg?“
Baden-Baden, 23.05.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Klaus-Eckhard Walker Stellung zu dem goodnews4-Bericht Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden nach Krisensitzung – «Verschiedene Szenarien der Neuausrichtung».
Ein unzuständiger Aufsichtsrat wirft sich in die Brust und entscheidet darüber, ob die Standortfrage für ein neues Klinikum zu stellen ist oder nicht. Er maßt sich an vorwegzunehmen, worüber allein die kommunalen Gebietskörperschaften und unter ihnen u.a. auch die Umlage geplagten Landkreisgemeinden zu entscheiden haben. Außerhalb von deren Mauern haben die Realitäten die Verantwortlichen längst eingeholt. Allein der Stadt Rastatt droht, jährlich mehr als 6 Mio. Euro an Krankenhausdefiziten übernehmen zu müssen.
Selbst der Aufsichtsrat weiß: Ein Zentralklinikum ist so oder so nicht finanzierbar. Die letzten Jahre wurden schlichtweg verschlafen. Statt sich mit der Verlegung von Fußballplätzen und damit einhergehenden weiteren Ansiedlungskosten zu befassen, hätte man sich besser offensiv statt in Hinterzimmern um den Bau eines Klinikums kümmern sollen. Wir stehen vor einem Planungsdesaster. Der unzuständige Aufsichtsrat klammert sich in der Finanznot an einen Standort, der die Krankenhausträger weiter in den finanziellen Abgrund ziehen würde.
Die Region Mittelbaden wird – wenn überhaupt – nur noch ein Krankenhaus der Grundversorgung mit einer gut ausgestatteten Notfallaufnahme planen und bauen können. Ob dieses noch finanzierbar ist, ist höchst fraglich. Die Verantwortlichen wären daher unabhängig von den Reformüberlegungen der Bundesregierung und des Bundestages gut beraten, sich Gedanken über die Kosten der Erschließung (Verkehr, Abwasser etc.) und die Kostenverteilung unter den Kommunen und Krankenhausträgern zu machen. Dazu gehört selbstverständlich auch darüber nachzudenken, ob ein Krankenhaus an anderer Stelle (zum Beispiel in Rastatt auf dem ehemaligen Kasernengelände Merzeau) nicht wirtschaftlicher zu errichten ist als im Tiefgestade am Münchfeldsee.
Kosten der Stadt Rastatt für die Verlegung des RSC / DJK 2013 e.V. wie auch die Kosten für eine hochtrabende Planung und Umstrukturierung des Sportgelände am Münchfeld Stadion zu einem Sportpark Münchfeld kann Rastatt nicht stemmen. Die Oberbürgermeisterin hat ihre Einwohner u.a. auch deshalb eingeladen, mit ihr über Einsparmaßnahmen zu sprechen. Ich hätte ihr und ihrem Vorgänger geraten, die Einwohner proaktiv zu Finanzierungsfragen einzuladen, als darum ging, ein Kombibad zu errichten, eine Landesgartenschau 2036 zu träumen, eine Feuerwehr fernab der Wohnbebauung zu favorisieren etc. pp. Nunmehr sollen die Einwohner für die Oberbürgermeisterin und den Gemeinderat die Kohlen aus dem Feuer holen, wenn denn alle Resolutionen nichts fruchten. Mich erinnert das Vorgehen der Stadtväter und -mütter an gute alte Studentenzeiten, als wir meinten, mit Resolutionen die Welt verändern zu können.
Dabei ist auch aus Rastatter Sicht die Standortfrage längst gestellt. Der Standort am Münchfeldsee kommt Rastatt viel zu teuer. Die bei der Stadt Rastatt hängenbleibenden Kosten für die Verkehrserschließung und Infrastruktur fielen bei einem Standort Merzeau deutlich geringer aus. Ein Helikopterlandeplatz wäre weniger störend und leichter anzufliegen. Und vor allem müssten die Menschen im Münchfeld bei weitem nicht so unter Verkehrslärm leiden, wenn andernfalls der Verkehr durch das Stadtgebiet Münchfeld geführt wird.
Der Aufsichtsrat glaubt immer noch an Märchen und daran, dass etwas zustande kommt, was nicht einmal mehr denkbar erscheint. In dieser Situation suggeriert das Badische Tagblatt in seiner Ausgabe vom 22.05.2026, dass ein 400 bis 500 Betten großes Klinikum der Grundversorgung auch am Standort Balg darstellbar ist und der Standort Rastatt komplett geschlossen werden könnte. Oder hat das Badische Tagblatt in seiner Ausgabe am 22.05.2026 bei aller gegenteiligen Beteuerung das Badener Stadtoberhaupt missverstanden? Der zu erwartende Aufschrei des Rastatter Gemeinderates wird es zeigen.
Die Standortfrage zur Errichtung eines Krankenhauses der Grundversorgung ist so oder so gestellt.
Klaus-Eckhard Walker, M.A. rer-pol.
Oberbürgermeister a.D. Rastatt
Rechtsanwalt
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