Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Trau dich zu sagen, dass du AfD gewählt hast“
Baden-Baden, 01.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Danny Lieske Stellung zu dem goodnews4-Bericht Bürger und Baden-Badener Stadtverwaltung reden aneinander vorbei – «Bürgerbeteiligung» zu Neugestaltung Rheinstraße.
Die Alternative für Deutschland (AfD) hat am 23. Februar mit 20,8 Prozent ihr Wahlergebnis von vor drei Jahren annähernd verdoppelt. In Städten wie Kaiserslautern und Gelsenkirchen hat sie sogar noch vor der CDU den Wahlkreis gewonnen. In Rastatt strich die AfD 31,37 Prozent der Zweitstimmen und in Hügelsheim sogar über 39 Prozent ein. Wenn man also im Alltag 10 Leuten begegnet, ist es durchaus realistisch, dass drei von ihnen Wähler und Anhänger der AfD sind. Seltsamerweise trifft man aber selten jemandem, der sich offen dazu bekennt, die AfD zu wählen. Manchmal senkt sich die Stimme und der andere flüstert einem ins Ohr, dass er Fan der AfD ist.
Veranstaltungen der AfD meiden viele dieser «stillen AfD-Wähler». Der Nachbar, Verwandte oder Arbeitgeber könnte ja mitbekommen, dass man Sympathien für die «bösen Rechten» hegt. Sind diese Menschen nur übertrieben angepasst und ängstlich, oder ist ihre Vorsicht begründet und verständlich?
Leider ist das Zweite der Fall: Die Angst seinen Arbeitsplatz wegen Mitgliedschaft in der AfD zu verlieren ist häufig durchaus begründet. Der Arbeitgeber wird dies zwecks Vermeidung von arbeitsrechtlichen Prozessen natürlich eher selten als Kündigungsgrund angeben. Aber irgendein anderer Vorwand, um einen politisch nicht genehmen Arbeitnehmer loszuwerden lässt sich immer finden. Selbst wenn man nicht gekündigt wird, so kann ein offenes Bekenntnis zur AfD doch die weiteren Stufen auf der Karriereleiter blockieren. Auch wer freiberuflich auf Kunden angewiesen ist, wird es sich zweimal überlegen, ob er ein Teil seiner Kundschaft mit seiner Nähe zur AfD verprellt.
Dass es in unserem Land so weit gekommen ist, dass man wegen seiner politischen Ansichten beruflich und auch privat ausgegrenzt und in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht wird, ist eine skandalöse Schande und auch Gefahr für unsere freiheitliche Demokratie. Wenn die von unseren Politikern enthusiastisch gelobte engagierte Zivilgesellschaft es mitbekommt, dass du nicht ihrem Standardbild entsprichst, wirst du gnadenlos diskriminiert, gemobbt und beleidigt. Diese Form der beruflichen und gesellschaftlichen Ausgrenzung von politisch andersdenkenden Menschen hat es zuletzt in der DDR-Diktatur gegeben. Davor gab es dies in noch gnadenloserer Form in den dunklen Jahren von 1933 bis 1945.
Ich kann es durchaus verstehen, wenn ein aufstrebender Jungmanager bei Siemens oder Bosch sich seine Karriere nicht durch ein Bekenntnis zur AfD ruinieren möchte. Dennoch sollten wir alle mehr Mut und Zivilcourage zeigen. Trauen Sie sich einfach mal. Sie werden überrascht sein, wenn ihr Gegenüber plötzlich antwortet: «Mensch, ich finde die AfD doch auch gut. Wollte es nur nicht gleich so offen sagen, weil ich dachte, dass du diese Partei vielleicht total ablehnst.» Dann können Sie mit ihrem neuen Bekannten mal gemeinsam zum nächsten Stammtisch der AfD gehen und sich über deren Ansichten und Ziele informieren. Sie werden überrascht sein, wie viele vernünftige und freundliche Leute Sie dort treffen werden.
Danny Lieske
Baden-Baden
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