Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Unseren jüdischen Mitbürgern bei der Suche nach einem Grundstück für ihre neue Synagoge zur Seite zu stehen“
Baden-Baden, 26.10.2024, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Immer noch kein würdevoller Umgang mit dem Grundstück der alten Baden-Badener Synagoge – Jährliche Rituale ohne Wirkung.
Der Kommentar von Christian Frietsch zur seit vielen Jahren von der Stadt praktizierten Weigerung, unseren in Baden-Baden lebenden jüdischen Mitbürgern bei der Suche nach einem Grundstück für den Neubau einer Synagoge zu helfen, bringt es mit folgendem Satz treffend auf den Punkt:
«Mit gesenkten Häuptern stehen die Stadtoberen an den Gedenktagen Jahr für Jahr an diesem und jenem symbolischen Ort zum wiederkehrenden Ritual. Und es geschieht nichts.»
Das ist aber leider nicht nur in Baden-Baden, sondern auch dem Rest unseres Landes seit Jahren so. Bei Gedenktagen wie der Befreiung von Auschwitz oder der Reichspogromnacht setzt sich der Bundespräsident eine Kippa auf und schaut ernsthaft und bedröppelt, während er gebetsmühlenartig die immer selben «Betroffenheits-Floskeln» repetiert. Das ist keine lebendige, ernsthafte und selbstkritische Auseinandersetzung mit NS-Zeit und Holocaust mehr, sondern nur noch inszeniertes und leeres Ritual. Wie jedes Ritual dient es dem Zweck, das Böse zu bannen. Bei Naturvölkern will man so die Rückkehr der Seelen der Verstorbenen in Form von bösen Geistern verhindern. Außerdem vergewissert sich eine Gemeinschaft im Ritual ihrer gemeinsamen Wurzeln und ihres Glaubens. Dabei ist es wichtig, dass die rituellen Beschwörungen und Handlungen immer wieder in genau denselben, seit langer Zeit praktizierten Formen vollzogen werden.
Diese alljährlich wiederholten «Schuldrituale» entbinden dann die deutsche Gesellschaft und ihre Politiker von der Verpflichtung, sich für Leben und Sicherheit der HEUTE bei uns oder in Israel lebenden Juden einzusetzen. Dann kann man es einfach laufen lassen, dass in Berlin, Hamburg oder Köln Juden zunehmend von arabisch-muslimischen Gewalttätern bedroht sind. Hassparolen auf Pro Palästina-Demos werden geduldet, die Partnerschaft von Baden-Baden mit einer israelischen Stadt lehnt OB Späth ab und auch für den Neubau einer Synagoge in Baden-Baden braucht man keinen Finger zu krümmen. Da darf dann Frau Baerbock vom Existenzrecht Israels als deutscher Staatsräson schwadronieren, gleichzeitig aber gegen Israel gerichteten UN-Resolutionen zustimmen, Benjamin Netanjahu des Genozids beschuldigen und Waffenlieferungen an Israel blockieren.
Dies Verhalten vieler unserer Politiker ist scheinheilig, verlogen, selbstgerecht und nur noch beschämend. Die aus dem Holocaust zu ziehenden Lehren sind nicht ewiges «Betroffenheits-Geschwätz», sondern praktische Unterstützung und Hilfe für die in Deutschland und Israel lebenden Juden. Dazu gehören auch «kleine» und weniger weltbewegende Aktivitäten auf lokaler Ebene. Deshalb müssen sich die Verantwortlichen der Stadt Baden-Baden endlich dazu durchringen, unseren jüdischen Mitbürgern bei der Suche nach einem Grundstück für ihre neue Synagoge tatkräftig und entschlossen zur Seite zu stehen.
Boris Fernbacher
Baden-Baden
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