Leserbrief
Leserbrief „Meine Meinung“ – „Unstimmigkeiten bei Flüchtlingsprognosen“ – „Aufgabe Flüchtlingsunterkunft am Waldseeplatz begrüße ich“
Baden-Baden, 19.10.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leserin Lea Broilz Stellung zu dem goodnews4-Bericht Stadt Baden-Baden reagiert auf rückläufige Flüchtlingszahlen – Unterkunft auf dem Waldseeplatz soll aufgegeben werden.
Unstimmigkeiten bei den Flüchtlingsprognosen – verheddert sich die Stadtverwaltung Baden-Baden in ihren eigenen Zahlen?
Die Stadt Baden-Baden kündigt in ihrer jüngsten Pressemitteilung einen umfangreichen Abbau der Unterbringungskapazitäten für Geflüchtete an. Grundlage dafür ist die Beschlussvorlage 26.362, mit der sich der Sozialausschuss am 22. Oktober befassen soll. Wer sich die Mühe macht, die umfangreiche und nicht immer übersichtliche Vorlage genauer zu betrachten, stößt allerdings auf einige bemerkenswerte rechnerische Unstimmigkeiten.
Wie nachvollziehbar sind die Prognosen der Stadtverwaltung tatsächlich?
Für Ende 2025 weist die Verwaltung einen Bestand von 1.037 Geflüchteten aus. Für 2026 rechnet sie mit 100 Zugängen und 255 Abgängen. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Bestand von 882 Personen. Die Verwaltung prognostiziert jedoch 930 Personen. Wie erklärt sich diese Differenz von 48 Personen?
Auch für 2028 ergeben sich Fragen: Ausgehend von den prognostizierten 800 Personen Ende 2027 sowie 40 Zugängen und 135 Abgängen ergibt sich rechnerisch ein Bestand von 705 Personen. Angegeben werden hingegen rund 680. Liegen dieser Abweichung weitere Annahmen zugrunde, die in der Vorlage nicht erläutert werden?
Eine weitere Frage betrifft die Berechnung der erforderlichen Unterbringungsplätze. Die Verwaltung strebt eine Auslastung von etwa 80 Prozent an und multipliziert die prognostizierten Bewohnerzahlen hierfür mit dem Faktor 1,2. Rechnerisch entspricht dies allerdings einer Auslastung von rund 83,3 Prozent. Weshalb wurde dieser Faktor gewählt?
Selbstverständlich ist denkbar, dass diesen Berechnungen zusätzliche Annahmen zugrunde liegen oder es sich teilweise um gerundete Prognosewerte handelt. Warum werden diese dann aber nicht nachvollziehbar erläutert?
Bei einem geplanten Rückbau von 1.553 auf 813 Unterbringungsplätze sollte die rechnerische Grundlage jedenfalls transparent sein. Eine entsprechende Nachfrage bei der Stadtverwaltung blieb bislang ohne erläuternde Rückmeldung.
Die geplante Aufgabe der sanierungsbedürftigen Flüchtlingsunterkunft am Waldseeplatz begrüße ich ausdrücklich. Dennoch bleibt die Frage: Wie belastbar sind die Planungen, wenn bereits die veröffentlichten Prognosen rechnerische Fragen aufwerfen?
Lea Broilz
Baden-Baden
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