Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Veränderungen in der Berufswelt“ – „Sogar in Brüssel fragt man sich, ob man weiterhin 8.000 EU-Übersetzer benötigt, nachdem die KI bei bestens funktioniert“

Baden-Baden, 15.03.2025, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Martin Müller-Petersen Stellung.

Derzeit wird alles andere von der Debatte über den riesigen Schuldenberg überlagert, den sich die Deutschen auf die Schultern laden, um die Versäumnisse der Vergangenheit unter der Vorgängerregierung auszugleichen. Laut einer Umfrage befürworten 60 Prozent der Bevölkerung die geplanten Ausgaben für Militär und Infrastruktur. Allerdings sähe das Ergebnis sicher anders aus, wenn man ehrlicherweise gefragt hätte «würden sie höhere Steuern akzeptieren um die geplanten Ausgaben zu finanzieren?» Da würde dann die Bereitschaft für diese Ausgaben erheblich zusammenschrumpfen.

Aber es gibt ein weiteres Thema mit extremen Auswirkungen, welches bisher, dank der von der Regierung frisierten Arbeitslosenzahlen, noch nicht in den Mittelpunkt des Bewusstseins der Bevölkerung gedrungen ist. Die enormen Veränderungen in der Arbeitswelt. Zwar dringen immer mehr negative Vorgänge in die Schlagzeilen der Medien, sind aber bisher offensichtlich noch kein Grund zur Aufregung. Immer mehr Firmen entlassen Personal bzw. beabsichtigen dies mittelfristig zu tun oder verlagern die Produktion ins Ausland. Der neue euphorisch gefeierte Elektro-VW soll in Portugal gefertigt werden. Andere Autofirmen zieht es nach Ungarn, Polen und Südamerika. Was sind die Gründe für diese Vorgänge? In erster Linie natürlich die negative Auftragslage. An zweiter Stelle kommen jedoch die Lohnkosten, die mittlerweile im Vergleich zu anderen wirtschaftlich starken Ländern geradezu astronomische Höhen erreicht haben. Und drittens die Kosten die für Bürokratie, Energie und die fehlende Infrastruktur entstehen. Nicht unschuldig an der negativen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland sind auch die Gewerkschaften, die sogar in Branchen höhere Löhne fordern und auch durchsetzen, die entweder dabei sind Personal zu entlassen und die Produktion ins Ausland zu verlagern oder noch schlimmer, bereits einen Termin beim Amtsgericht zwecks Insolvenz-Anmeldung vereinbart haben. Als extreme Beispiele seien hier VW genannt mit geplanten hohen Entlassungszahlen und Verlagerungsabsichten und die Deutsche Post, die einen Tag nach dem von der Gewerkschaft bejubelten Tarifabschluss die Entlassung von 8000 Mitarbeitern verkündete. Da kann sich die Gewerkschaft wirklich auf die Schulter klopfen für diese hervorragende Leistung. Statt vernünftige Angebote zu unterbreiten, z.B. auf Lohnerhöhungen zu verzichten, wenn andererseits auf Entlassungen verzichtet wird. Nein, das Wort Vernunft ist in Deutschland so gut wie unbekannt.

 

Eltern stehen heute vor der bangen Frage: Welchen zukunftsträchtigen Beruf soll mein Kind einmal ergreifen?

Industriearbeitsplätze sind, wie aktuell festzustellen, akut gefährdet. In den Verwaltungen wird ebenfalls extrem Personal abgebaut (KI lässt grüßen!) und auch Staatliche Institutionen sind nicht mehr sicher (siehe Entlassungswelle bei Behörden in den USA). Sogar in Brüssel fragt man sich, ob man weiterhin 8.000 EU-Übersetzer benötigt, nachdem die KI bei Übersetzungen bereits bestens funktioniert. Überhaupt treibt man die Entwicklung von KI mit extremer Geschwindigkeit voran und mittlerweile gibt es schon Roboter-Journalisten und Avatare werden mittlerweile schon bei vielen Radio- und TV-Sendern eingesetzt. Warum sollen beispielsweise Nachrichten, Sport und Wetterbericht mit täglich fast unveränderten Meldungen immer von mehreren adretten Damen und Herren vorgetragen werden, wenn Avatare dies wesentlich kostengünstiger erledigen können. Also wird es auch bei diesen Medien zu weitreichenden Entlassungen kommen. Pro Sieben beispielsweise hat angekündigt mittelfristig 500 Stellen abzubauen. Und das ist ein kleiner Sender, wie viele könnten es dann erst beim Staatsfernsehen sein, wo im Moment mit einem extremen Überhang von Redakteuren, Journalisten und Moderatoren gearbeitet wird. Aber hier hat man ja den Gebührenzahler in der staatlichen Zwangsklammer.

Besonders wichtig war den Eltern für ihre Kinder früher ein mittels Studium erworbener akademischer Titel. Aber Ärzte gibt es mittlerweile auch wie Sand am Meer und diese flüchten sich meist in die relative Bequemlichkeit der Kliniken statt sich der aufreibenden Arbeit in einer eigenen (Land-) Praxis zu unterziehen.

In den Kliniken, von denen viele in Kürze geschlossen werden sollen, wird es mittlerweile auch eng, denn es kommen immer mehr ausländische Ärzte nach hier, die gut ausgebildet sind und nach Erlangung der deutschen Zulassungen wesentlich billiger arbeiten wie deutsches Personal. Hierzu in Kürze ein eigener Erfahrungsbericht von einem Aufenthalt im Klinikum Mittelbaden. Wohin dann mit den überflüssigen Ärzten? In die Pflege, wo man händeringend Personal sucht sicher nicht, oder vielleicht doch?

Auch Rechtsanwälte gibt es in Deutschland mittlerweile mehr als genug, auch wenn es hier noch nicht so weit ist wie in Amerika, wo Anwälte Polizisten schmieren, damit diese ihnen die Adressen von Unfallopfern vermitteln.

Außer im Dienstleistungsbereich gibt es kaum noch Branchen, die nicht Personal abbauen und sich zumindest mit dem Gedanken tragen. Aber Dienstleistungen beispielsweise in der Alten- und Krankenpflege wollen Deutsche ja nicht mehr übernehmen und überlassen diese Bereiche lieber ausländischen Arbeitskräften. Besser sieht es im Handwerk aus, denn hier ist der Einsatz von Robotern aufgrund der verschiedenen oft kleinteiligen Arbeitsvorgänge kostengünstig nicht darzustellen. Hier gib es aber das Problem, dass man sich vielleicht die Hände schmutzig machen oder unregelmäßige Arbeitszeiten in Kauf nehmen muss, was auch wieder ein Ausschlusskriterium für die verwöhnte Jugend darstellt. Früher hat man jungen Männern, die nicht so gut in der Schule waren geraten; geh zum Bund (Bundeswehr) und dort hat sich gezeigt, dass diese jungen Männer körperlich meist belastbarer waren und die Ausbildung besser absolviert haben wie die «Geistesgrößen» in der Schulzeit. Und heute? Heute fällt ein Schulabbrecher in die großzügig gespannte soziale Hängematte und schaut sich die Welt aus dieser Perspektive an.

Aber die Zeiten werden sich ändern, spätestens dann, wenn der Staat aus finanziellen Gründen seine bequeme soziale Hängematte einrollt und die Verhandlungen in den Betrieben wieder vom Personalchef und nicht mehr vom Bewerber geführt werden. Dann ist es vorbei mit 4-Tage-Wochen, Homeoffice und Work-Live-Balance, dann gilt wieder mehr Work statt Balance.

Martin Müller-Petersen
Baden-Baden


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