Leserbrief

Leserbrief „Meine Meinung“ – „Vermittlung von Politik über Social Media ist Volksverblödung“ – Zum goodnews4-Bericht „Kai Whittaker schießt den Wolf ab – TikTok-Spaß in Berlin“

Baden-Baden, 28.04.2026, Leserbrief In einem Leserbrief an die Redaktion nimmt goodnews4-Leser Boris Fernbacher Stellung zu dem goodnews4-Bericht Kai Whittaker schießt den Wolf ab – TikTok-Spaß in Berlin.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker beglückt seine immer kleiner werdende Wählerschaft auf TikTok mittels eines Videos mit «lustigen Botschaften». Dabei tritt er in wechselnden Verkleidungen als Arzt, Bahnmitarbeiter oder Jäger mit sinnfreien Kurzbotschaften wie «Schieß den Wolf ab» oder «Mach ma Arzttermin» auf. Man kann nur spekulieren, was Whittaker damit eigentlich erreichen will.

Ist es nicht ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, wenn sie ihre Diskurse über für das Land wichtige politische Entscheidungen immer weniger über halbwegs differenzierte Texte, Reden und Interviews führt, und stattdessen auf Social Media-Formate setzt, über die man kaum komplexere Zusammenhänge darstellen kann? Über 20 Sekunden lange Videoclips auf TikTok oder Instagram lassen sich nun mal nur schlagwortartige Parolen, Stammtisch-Propaganda und unterkomplexe Gedanken transportieren. Im auch auf Social Media intensiv geführten Wahlkampf um das Amt des OB von Baden-Baden haben wir es doch erlebt. Nur Phrasen und Sprüche: «Ich bin so verwurzelt in der Region» – «gemeinsam schaffen wir das» – «wir müssen den sozialen Zusammenhalt stärken» – «ich glaube an das Potential Baden-Badens». Die anstehenden Probleme in Bund, Ländern und Kommunen sind viel zu kompliziert und vielschichtig, als dass man sie in ein oder zwei Sätzen eines Kurzvideos erklären kann. Zu meinen, dass man sich mittels Social Media über Politik informieren und zu einer fundierten Wahlentscheidung gelangen könnte, ist genauso naiv, wie zu glauben, dass man zum Kfz-Mechatroniker wird, indem man eine paar Werbeclips von BMW oder Mercedes im Fernsehen schaut.

 

Inzwischen setzen ja alle Parteien auf Social Media. Millionen von Euro (überwiegend von unseren Steuergeldern) werden Social Media-Agenturen für die Produktion nichtssagender bis grenzdebiler Videos in den Rachen geschmissen. Als Begründung dafür hört man dann von den Parteien «nur so können wir junge Menschen erreichen» oder «unsere politische Konkurrenz macht das doch auch». Obwohl das einen wahren Kern hat, sollten wir Bürger dabei nicht mitspielen. Die Vermittlung von Politik über Social Media ist nichts anderes als Volksverblödung. Wer sich das Zeug der Parteien auf Social Media reinzieht, lässt sich auf Dauer von den Politikern zum unwissenden und gut lenkbaren Stimmvieh entmündigen. Eine Demokratie lebt aber von gut informierten und mitdenkenden Bürgern. Schaut euch auf TikTok und Instagram niedliche Katzenvideos, Schminktipps oder lustige Videos an, in denen jemand auf einer Bananenschale ausrutscht. Dafür ist Social Media das geeignete Medium. Zur Vermittlung politischer Inhalte sind TikTok und Co. aber ungeeignet.

Boris Fernbacher
Baden-Baden


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